Humor & gemeinsames Lernen
Was geschieht, wenn wir nicht sofort wissen müssen, wie es weitergeht? Clownkunst, Zuhören und Gemeinschaftsbildung öffnen einen spielerischen Raum für Unsicherheit, Vertrauen und gemeinsames Entdecken.
Christof Suppiger · Ursprung 01.05.2026
Überarbeitet am 28.09.2026 · ca. 5 Minuten Lesezeit
Kann ich mit meinem Nichtwissen da sein, ohne mich oder andere klein zu machen?

Öffentliche Lesefassung · Persönliche Bezüge wurden entfernt oder in allgemeine Reflexionsfragen umgearbeitet. Dieser Beitrag enthält keine freigegebenen Einzelfalldaten aus einer Forschungserhebung. Die zwei Türen.
Manchmal öffnen sich Räume, die mich spüren lassen: Wir sind nicht allein unterwegs. Unsere Fragen, unser Lachen und unser Scheitern gehören zu einem grösseren Zusammenhang. Solche Räume möchte ich mit anderen erkunden – zwischen Clownkunst, Gemeinschaftsbildung und offenem Zuhören.
Der Clown interessiert mich, weil er nicht souverän sein muss, um anwesend zu sein. Er darf einen Impuls zeigen, warten, sich überraschen lassen und neu beginnen. Darin liegt für mich eine Verbindung zur Gemeinschaft: Ich muss nicht schon wissen, was aus der Begegnung wird.
In meinem ursprünglichen Beitrag beschreibe ich eine Online-Begegnung im Umfeld des Presencing Institute mit Otto Scharmer und Katrin Käufer. Ich erlebte sie als Erinnerung daran, dass auch ein digitaler Raum Aufmerksamkeit und ein Gefühl von Verbundenheit ermöglichen kann.
Was mir davon bleibt, ist eine Frage nach meinem eigenen Beitrag: Was ruft mich zum Handeln, und mit wem möchte ich es versuchen? Eine berührende Erfahrung beantwortet diese Frage nicht für mich. Sie kann aber eine Bewegung in Gang setzen.
Theory U regt mich dazu an, unterschiedliche Weisen des Zuhörens wahrzunehmen. Manchmal höre ich vor allem das, was ich schon kenne. Manchmal prüfe ich Fakten und Unterschiede. Manchmal öffne ich mich für die Erfahrung des Gegenübers. Und manchmal verändert sich im Zuhören die Frage selbst.
Ich benutze diese Unterscheidung als Einladung zur Beobachtung. Sie ist keine Rangliste, in der eine Person höher steht als eine andere. Ein Gespräch braucht auch sachlichen Widerspruch. Entscheidend ist, ob ich merke, wie ich gerade höre und was dadurch möglich oder unmöglich wird.
Scott Pecks Beschreibungen von Pseudogemeinschaft, Chaos, Leere und Gemeinschaft haben meine Wahrnehmung von Gruppen geprägt. Die Sehnsucht nach Harmonie kann verdecken, was wirklich zwischen Menschen steht. Wenn Unterschiede auftauchen, wird es mitunter unruhig. Dann brauche ich nicht sofort die rettende Erklärung.
Diese Erfahrung berührt für mich das Clownspiel und das offene Zuhören. Dennoch bleiben es unterschiedliche Zugänge. Eine Gruppe muss nicht eine vorgeschriebene Folge von Phasen durchlaufen. Ebenso wenig muss ein Mensch im Chaos bleiben, um seine Bereitschaft zur Gemeinschaft zu beweisen.
In der damaligen Idee einer Clownreise nach Bernbeuren suchte ich einen Prototyp: Was geschieht, wenn gemeinsames Lernen, Strassentheater und Begegnung zusammenfinden? Diese Reiseidee gehört zur Entstehungsgeschichte des Textes. Sie ist hier keine aktuelle Einladung zu einem bereits organisierten Anlass.
Die bleibende Frage ist konkreter: Welche Absprachen erlauben uns, etwas Ungeplantes zu wagen? Wir brauchen einen Anfang, ein Ende, verständliche Rollen und die Möglichkeit, auszusetzen. Eine Person darf beobachten. Eine andere darf sagen, dass ein Spiel für sie nicht passt.
So wird Scheitern zu einer gemeinsamen Information. Wir können fragen, was eine Szene geöffnet oder geschlossen hat. Wir müssen niemanden vorführen, um etwas zu lernen.
Humor kann eine festgefahrene Deutung lockern. Er kann uns aber auch aus dem Kontakt bringen, wenn ein Witz das Unbehagen eines anderen übergeht. Ich möchte den Unterschied nicht allein an meiner guten Absicht messen. Ich möchte nachfragen, wie etwas angekommen ist.
Für GEMEINSCHAFT WAGEN wird daraus eine Praxis: offen hören, das eigene Tempo wahrnehmen, Unterschiede stehen lassen und Verantwortung für die eigene Wirkung übernehmen. Das Spiel ersetzt keine Entscheidung. Es kann uns helfen, einander beweglicher zu begegnen, wenn wir später entscheiden.
Eine Lernreise beginnt vielleicht kleiner als gedacht. Zwei Menschen, ein gemeinsam gewählter Versuch und ein Moment, in dem beide sagen dürfen, was sie erlebt haben. Daraus muss nichts Grosses entstehen. Es darf aber etwas weitergehen.
FAZIT · HEUTIGER FORSCHUNGSSTAND
Reinfall darf sichtbar werden, ohne Beschämung zu erzeugen. Rahmen und Stopp halten das Spiel selbstbestimmt. Humor kann den Raum öffnen, wenn wir miteinander lachen; er braucht eine Korrektur, sobald eine Person zum Gegenstand des Lachens wird. Resonanz entsteht als Möglichkeit, nicht als verlangtes Ergebnis.
Aktuelle Grundlage · 28.09.2026: 8R Tragfähigkeit · 5S Sicherheit · Care & Self-Care · Resonanz.
AUF DEM WEG ZU EHRLICHER GEMEINSCHAFT
Wo stehen wir – in unseren Beziehungen, in der Nachbarschaft und als Gesellschaft? Sicherheit, Tragfähigkeit, Resonanz und gesellschaftliche Verantwortung gehören zusammen.
Schutz · Stimme · Stopp · Stabilität · Selbstbestimmung
Ein Spiel bleibt nur offen, wenn auch Nicht-Mitspielen möglich ist. Schutz vor Beschämung, eine hörbare Stimme, ein wirksames Stopp, klare Absprachen und Selbstbestimmung gehören zur Clownpraxis. Lachen ist kein Beweis dafür, dass sich alle sicher fühlen.
Räume · Rollen · Rahmen · Rhythmen · Richtung · Reife · Rang · Reinfall
Räume, Rollen und Rahmen tragen die Improvisation. Rhythmen geben Wechseln und Pausen Platz. Die gemeinsame Richtung bleibt besprechbar; Reife zeigt sich im Umgang mit Irritation. Rang wird auch auf der Bühne wirksam. Reinfall darf vorkommen, ohne dass jemand zur Pointe gemacht wird.
Querdimension durch alle acht R und den gemeinsamen Erfahrungsraum. Resonanz bleibt unverfügbar.
Im Spiel antworten Körper, Blicke, Töne und Pausen aufeinander. Ich kann Resonanz bemerken und doch nicht bestellen. Ein ausbleibendes Lachen darf stehen bleiben. Interessant wird, ob wir neugierig auf die unterschiedliche Erfahrung bleiben.
Friedliche Koexistenz · gegenseitige Fürsorge · Zugehörigkeit · gemeinsame Verantwortung
Clownkunst kann gesellschaftliche Rollen und Machtverhältnisse sichtbar machen. Sie kann Menschen zusammenbringen, die sonst kaum miteinander sprechen. Ihr Beitrag zur friedlichen Koexistenz liegt für mich dort, wo Humor Widerspruch ermöglicht und Würde wahrt – auch ausserhalb des vertrauten Publikums.
INNEHALTEN
Ich lasse für einen Moment die Idee los, einen guten Eindruck machen zu müssen. Wie sitze oder stehe ich gerade? Gibt es etwas, das mich schmunzeln lässt? Auch Ernst, Müdigkeit und fehlende Spiellust haben Platz.
Ein Moment genügt. Du kannst diese Pause auch überspringen.
OFFEN WEITERFRAGEN
Eine Frage reicht. Auch eine andere Erfahrung oder ein Widerspruch ist willkommen.
Was hat dich berührt, irritiert oder zum Nachdenken gebracht? Du kannst mir dazu schreiben. Ob daraus ein Gespräch wird und welcher Rahmen dafür passt, klären wir gemeinsam.
Vertrauensvolle Tür · persönlichen Kontakt klären
Der Link führt zuerst zur vertrauensvollen Tür. Eine Nachricht ist keine Forschungseinwilligung und keine Freigabe zur Veröffentlichung.
Neu gefasste Forschungsspur auf Grundlage des Beitrags vom 1. Mai 2026. Frühere Reiseankündigungen und CBI-Einladungen sind kein aktuelles Angebot. Scott Peck und Theory U erscheinen als Inspirationsquellen; ihre Ansätze werden nicht als gleichwertige Stufenmodelle dargestellt.
Persönliche Beobachtung, Deutung und Forschungsfragen sind als solche zu lesen. Ältere Ausgangsfassungen werden hier zum Schutz persönlicher Bezüge nicht verlinkt.
A) Für das Gelingen des Workshops ist es erforderlich, dass TeilnehmerInnen von Beginn bis Ende anwesend sind. Sollte Dir dies nicht möglich sein, wende Dich bitte vor der Anmeldung an die Veranstalter.
B) Der Workshop dient der Persönlichkeitsbildung und bietet intensive Lernerfahrungen. Das kann unter Umständen emotional herausfordernd sein. Solltest Du in psychotherapeutischer Behandlung sein, bitten wir Dich, mit uns Kontakt aufzunehmen.