Forschungstagebuch · Männerarbeit
Was verändert sich, wenn Männer nicht nur funktionieren, sich behaupten oder zurückziehen – sondern in Kontakt bleiben?
Wie wird aus Selbstkontakt eine klare Bitte, eine verlässliche Beziehung und geteilte Verantwortung?

Meine Männerarbeit hat eine längere Geschichte. Seit vielen Jahren beschäftigt mich die Frage, wie Männer einander begegnen können, ohne sich hinter Leistung, Härte, Witz oder Rückzug zu verstecken. Heute verdichtet sich diese Suche in «Männer im Kontakt – Vom Marsch zum Swing», einer für 2027 geplanten Lernreise.
Mich interessiert, was im Alltag anders werden kann: ein Gespräch, in dem ich zuhöre; ein Nein, das ich respektiere; eine Verantwortung, die ich verlässlich mittrage. Hier beschreibe ich die Haltung hinter der Lernreise.
Manchmal bemerke ich erst spät, dass ich innerlich schon im Marsch bin: erklären, lösen, durchhalten. Der Körper ist angespannt, die Antwort steht bereit, bevor der andere ausgesprochen hat. Ein erster Schritt kann klein sein. Boden spüren. Ausatmen. Wahrnehmen, was ich brauche, bevor ich handle.
Männerarbeit beginnt für mich mit dieser Aufmerksamkeit. Eigene Verletzlichkeit ernst nehmen und die Wirkung auf andere wahrnehmen gehören zusammen. Unterschiedliche Lebensformen, sexuelle Orientierungen und Erfahrungen mit Männlichkeit haben darin Platz. Gleichstellung und Verantwortung bleiben Teil dieser Arbeit.
Kontakt braucht Zeit, in der ich nichts beweisen muss. Kann ich einem Mann zuhören, ohne ihn zu beraten? Kann ich selbst sagen, dass ich ratlos bin? Freundschaft wächst auch aus solchen unspektakulären Momenten. Schweigen darf dazugehören. Rat braucht eine Einladung.
Was habe ich von Vätern, Bezugspersonen und überlieferten Männerbildern mitbekommen? Was trägt mich noch? Was möchte ich nicht weitergeben? Ich will Herkunft anschauen können, ohne darin festzustecken. Eine eigene Position zeigt sich auch darin, wie ich heute spreche, Grenzen setze und Verantwortung übernehme.
Nähe beginnt beim eigenen Spüren. Was wünsche ich mir? Was möchte ich sagen? Kann ich eine Bitte aussprechen, ohne die Antwort vorwegzunehmen? Ja, Nein und Nicht jetzt müssen wirksam bleiben – auch dann, wenn ich mir etwas anderes erhofft habe.
Impulse aus dem Erotic Embodiment Training, kurz EET, fliessen als eigene, berührungsfreie Übertragungen in die geplante Lernreise ein. Führen und Folgen, zärtlich und kraftvoll beschreiben wählbare Qualitäten. Jede Person bestimmt über Nähe, Tempo und das, was sie teilt.
Wer denkt voraus? Wer organisiert, pflegt, hört zu und hält Beziehungen lebendig? Care wird für mich dort konkret, wo ich Zuständigkeit übernehme und Absprachen einhalte. Self-Care gehört dazu: die eigene Kraft kennen, Grenzen benennen und Unterstützung erbitten.
Ein kleiner Schritt kann mehr verändern als ein grosser Vorsatz. Eine Aufgabe zuverlässig übernehmen. Ein versäumtes Gespräch suchen. Eine Abmachung gemeinsam prüfen. Entscheidend ist, ob das Handeln für die betroffenen Menschen tatsächlich trägt.
Der Marsch steht hier für den engen Takt des Funktionierens. Swing öffnet ein anderes Bild: den eigenen Rhythmus finden, auf andere hören und antworten. Unterschiede bleiben hörbar. Pausen, Humor und misslungene Versuche gehören dazu.
Für 2027 sind sechs Begegnungen geplant. Sie führen von Boden und Selbstkontakt über Zuhören, Herkunft, Begehren und Grenzen zu Care und Integration. Der Fünfer-Rhythmus trägt jede Begegnung: Ankommen · Gemeinsam forschen · Integrieren · Würdigen · Alltagsschlussrunde. Termine, Ort, Beitrag und organisatorischer Rahmen sind noch offen.
Die acht R – Räume, Rollen, Rahmen, Rhythmen, Richtung, Reife, Rang und Reinfall – helfen, die Bedingungen der Begegnung zu befragen. Die eigenständige 5S-Linse richtet den Blick auf Schutz, Stimme, Stopp, Stabilität und Selbstbestimmung. Resonanz bleibt eine unverfügbare Querdimension.
Übungen verändern, beobachten oder aussetzen ist möglich. Persönliche Offenheit bleibt selbst gewählt. Teilnahme, Dokumentation, Forschungsnutzung und Veröffentlichung werden getrennt vereinbart. Die Lernreise ist ein Vorhaben im Aufbau; Erfahrungen und Wirkungen sind noch zu erkunden.
Innehalten
Ich spüre die Füsse am Boden und lasse den Blick kurz vom Bildschirm wandern. Wie ist mein Atem? Wo halte ich Spannung? Ich muss gerade nichts lösen. Ein Moment genügt; diese Pause ist optional.
Wo funktioniere ich – und was brauche ich heute?
Wie höre ich, ohne gleich zu lösen?
Was trage ich künftig verlässlich mit?
Welche dieser Fragen berührt deinen Alltag? Wo möchtest du etwas ausprobieren oder widersprechen? Ich bin neugierig auf deine Erfahrung. Komm mit mir ins Gespräch.
Christof
Weniger perfekt – mehr verbunden.
Beziehung trägt Entscheidung. Entscheidung schützt Beziehung.
Männer im Kontakt – Lernreise 2027
Vom Marsch zum Swing – die Grundidee in Kürze
Mit Christof ins Gespräch kommen
A) Für das Gelingen des Workshops ist es erforderlich, dass TeilnehmerInnen von Beginn bis Ende anwesend sind. Sollte Dir dies nicht möglich sein, wende Dich bitte vor der Anmeldung an die Veranstalter.
B) Der Workshop dient der Persönlichkeitsbildung und bietet intensive Lernerfahrungen. Das kann unter Umständen emotional herausfordernd sein. Solltest Du in psychotherapeutischer Behandlung sein, bitten wir Dich, mit uns Kontakt aufzunehmen.