
Widmung
Ich widme diese fiktive Rede vom 1. August 1981, Zeughaus Kaserne Zürich, an U.W. und P.I., die beide wegen Militärdienstverweigerung in Haft gesessen sind. Beide können und wollen, wie ich, mit drei Bällen jonglieren.
Ich entscheide mich heute nicht mehr im Versteckten zu jonglieren. Die Aufnahmen sind im Intrinsic Colearning Lab entstanden, eine 5-jährige Institution im Herzen der Lichter meiner Grossstadt. Vor 40 Jahren leistete ich in (äusserer) Wahrheit Militärdienst bis 32-jährig. Ich stand als junger Lehrer, weil ich unabhängig vom Elternhaus sein wollte und weil es Lehrern zur Zeit der Fischenaffäre (1990) ein Berufsverbot bedeutet hätte, vor Schulklassen mit Frontalunterricht und Zeugnisnotendruck , um dem selektiven und leistungsorientierten System zu dienen. Damit verdiente ich Geld und damit war ich äusserlich unabhängig. Lehrer sein war was ich arbeitete und jonglieren war das was ich getan hätte, wenn ich nicht hätte erwerbstätig sein müssen. Nun habe ich mich heute - mit Verzögerung von einigen Jahrzehnten - geschüttelt, gerüttelt und geweint. Und dann diese fiktive Rede geschrieben! Möge sie allen Menschen Mut machen auch Selbstakzeptanz, Mitgefühl und Verantwortung auf diese kräftige Weise erfahren, wie ich es grad erlebe.
Zürich, den 16.5.24
Wichtige Quelle
INTEGRALE POLITIK UND DIE SCHWEIZER ARMEE
https://integrale-politik.ch/wp-content/uploads/2022/05/IP-und-die-Schweizer-Armee.pdf
"Sehr geehrter Herr General und ihr lieben alle, fühlende Wesen - und Gäste dieser wunderbaren Erde
Vor dieser Schweizer Fahne stehe ich heute als junger Mann, bereit, meine Stimme zu erheben, nicht nur für mich selbst, sondern für eine Vision, die ich für unsere Gesellschaft halte - eine Vision, die über das Konzept der konventionellen Armee hinausgeht, die Vision einer integralen Gesellschaft.
Ich habe dieses Maschinengewehr in meine Hände bekommen, als Symbol der Pflicht, die viele von uns als männliche Schweizerbürger auferlegt bekommen haben. Eine Pflicht, die darauf abzielt, die Schweiz zu verteidigen und ihre Bevölkerung zu schützen. Doch während ich hier stehe, kann ich nicht umhin, die inneren Grenzen zu erkennen, die mich davon abhalten, blindlings einem System zu folgen, das ich für überholt halte.
Die Schweizer Armee mag ihre Rolle in der internationalen Friedensförderung spielen, und das ist lobenswert. Aber ich sehe eine Zukunft, in der unsere Vorstellung von Sicherheit und Frieden tiefer geht als die Bereitstellung von Waffen und militärischen Einsätzen. Eine Zukunft, in der wir als Gesellschaft zusammenarbeiten, um die Wurzeln von Konflikten anzugehen, um ein Umfeld zu schaffen, in dem Gewalt und Krieg überflüssig werden.
Ich weigere mich, Teil eines Systems zu sein, das nicht aktiv darauf abzielt, diese integralen Aspekte anzugehen. Ich weigere mich, ein Instrument der Gewalt zu sein, wenn ich stattdessen ein Agent des Wandels sein könnte. Meine Ablehnung des Militärdienstes ist keine Verweigerung der Verantwortung, sondern ein Akt des Glaubens an eine bessere Zukunft, an eine Gesellschaft, in der wir alle für das Ganze einstehen und das Ganze für uns steht.
Es ist Zeit für uns, unsere Vorstellung von Sicherheit zu erweitern, Zeit für uns, die Werkzeuge des Friedens zu umarmen, anstatt uns an veralteten Konzepten festzuhalten. Es ist Zeit für eine integrale Gesellschaft, und ich stehe hier als Teil dieser Bewegung.
Ich übergebe dieses Maschinengewehr zurück, nicht aus Feigheit, sondern aus Mut - Mut, den ersten Schritt zu machen, um eine neue Realität zu schaffen. Möge unsere Fahne immer im Dienste des Friedens und der Menschlichkeit fliegen.
Danke.
Ich verweigere die Annahme dieser Waffe und entledige mich dieser Uniform.
Ich melde mich ab vom Militärdienst.
Ich melde mich zum Zivildienst.
Meldmi app."
A) Für das Gelingen des Workshops ist es erforderlich, dass TeilnehmerInnen von Beginn bis Ende anwesend sind. Sollte Dir dies nicht möglich sein, wende Dich bitte vor der Anmeldung an die Veranstalter.
B) Der Workshop dient der Persönlichkeitsbildung und bietet intensive Lernerfahrungen. Das kann unter Umständen emotional herausfordernd sein. Solltest Du in psychotherapeutischer Behandlung sein, bitten wir Dich, mit uns Kontakt aufzunehmen.