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PURA VITA. Vom Selbstkontakt zur Berührung. Von der Berührung zur Verantwortung.

Körper & Care

PURA VITA Vom Selbstkontakt zur Verantwortung.

Den eigenen Körper wahrnehmen, Bedürfnisse benennen und ein Nein achten: Für mich gehören diese Fragen zur Forschung über Männer und Care. Selbstkontakt wird dort gesellschaftlich bedeutsam, wo daraus verantwortliches Handeln entsteht.

Christof Suppiger · Ursprung 19.07.2026
Überarbeitet am 28.09.2026 · ca. 8 Minuten Lesezeit

Wie wird aus dem, was ich bei mir wahrnehme, eine klare Bitte und ein verantwortlicher Beitrag?
KI-Illustration mit fiktiven schwarz-weissen Personas zu diesem Beitrag.
KI-Illustration mit fiktiven Personas. Sie greift Motive des Beitrags auf.

Öffentliche Lesefassung · Persönliche Bezüge wurden entfernt oder in allgemeine Reflexionsfragen umgearbeitet. Dieser Beitrag enthält keine freigegebenen Einzelfalldaten aus einer Forschungserhebung. Die zwei Türen.

Vertrauen wächst manchmal in Mikroschritten.

Berührung beginnt vielleicht noch früher. Nicht erst dort, wo eine Hand einen Körper berührt. Sondern dort, wo ich überhaupt wahrnehme: Da ist etwas in mir. Eine Freude. Eine Sehnsucht. Lust. Scham. Angst. Einsamkeit. Eine Wunde.

Und ein Bedürfnis.

Texte und körperorientierte Praxis führen mich zu Fragen nach Verletzlichkeit, Selbstkontakt und Grenzen. Mich interessiert, wie Menschen den eigenen Körper wahrnehmen und Verantwortung für Nähe übernehmen können. Private Begegnungen und Aussagen anderer werden hier nicht wiedergegeben.

Und da ist meine eigene Forschung als Mann. Was bedeutet es, meinen Körper nicht nur zu benutzen, sondern ihn wahrzunehmen?

Was geschieht mit Sexualität, wenn sie weniger mit Leistung und Funktionieren und mehr mit Präsenz, Lust und Selbstkontakt verbunden ist?

Was verändert sich, wenn ich Verantwortung für meine eigene Lust übernehme? Und was hat all das mit Care zu tun?

Vom Marsch zum Swing.

Bei „Männer im Kontakt – Vom Marsch zum Swing“ interessiert mich zunehmend genau diese Bewegung.

Viele Männer haben gelernt zu funktionieren. Ziele zu verfolgen. Durchzuhalten. Probleme zu lösen. Verantwortung wird dabei häufig mit Leistung und Entscheidung verbunden.

Der Marsch hat eine Richtung. Der Swing braucht Beziehung.

Swing entsteht, wenn ich meinen eigenen Rhythmus wahrnehme und gleichzeitig die anderen höre. Wenn ich führen und folgen kann. Wenn ich mich zeigen kann, ohne den anderen zu überrollen. Wenn ich mich berühren lasse, ohne mich selbst zu verlieren.

Vielleicht beginnt Care genau hier.

Nicht erst beim Windelwechseln, beim Begleiten eines alten Menschen oder beim Organisieren eines Familienalltags. Sondern bei einer elementaren menschlichen Fähigkeit:

Kann ich wahrnehmen, was gerade geschieht – in mir, in dir und zwischen uns?

Körper, Lust und Selbstkontakt.

Eine Inspirationsquelle ist für mich die Auseinandersetzung mit Erotic Embodiment Training und körperorientierter Arbeit. Mich interessieren die Fragen, die daraus für Selbstkontakt, Grenzen und Verantwortung entstehen.

Ich beschreibe damit mein Forschungsinteresse. Daraus lässt sich keine allgemeine Aussage über die Wirksamkeit eines bestimmten Trainings ableiten.

Autoerotik – als Velofahrer musste ich das Wort erst einmal richtig einordnen. Aber hinter dem kleinen Scherz liegt eine ernsthafte Frage.

Was geschieht, wenn Sexualität nicht erst dort beginnt, wo ein anderer Mensch meine Bedürfnisse erfüllt?

Kann ich meinen eigenen Körper kennenlernen? Kann ich Lust wahrnehmen, ohne sie sofort steigern, beweisen oder entladen zu müssen?

Kann ich Verantwortung für meine Erregung und meine Grenzen übernehmen? Kann Sexualität ein Ort des Selbstkontakts sein?

Diese Fragen reichen für mich über Sexualität hinaus.

Denn vielleicht übe ich dabei etwas, das auch für Beziehung und Care wesentlich ist: wahrnehmen, regulieren, geniessen, Grenzen spüren, Bedürfnisse erkennen und Verantwortung dafür übernehmen.

Gefühle brauchen keine Gebrauchsanweisung.

Unter männlichen Verhaltensweisen liegen Gefühle. Scham. Angst. Einsamkeit. Wut. Ohnmacht. Sehnsucht. Freude. Lust.

Und unter Gefühlen liegen häufig Bedürfnisse: nach Sicherheit, Zugehörigkeit, Anerkennung, Berührung, Autonomie, Resonanz, Spiel, Würde und Verbundenheit.

Was geschieht, wenn Männer dafür kaum Sprache haben? Vielleicht wird aus Sehnsucht Rückzug.

Aus Scham wird Abwertung. Aus Angst wird Kontrolle.

Aus Einsamkeit wird Härte. Aus dem Bedürfnis nach Anerkennung wird Leistung.

Das sind keine zwangsläufigen Entwicklungen. Aber sie sind eine Forschungsrichtung, die mich für „Männer im Kontakt“ interessiert.

Denn die Alternative kann nicht darin bestehen, Männern einfach zu sagen, sie müssten fürsorglicher werden.

Care lässt sich nicht verordnen. Care muss auch erfahren, gelernt und verkörpert werden.

Die Vaterlinie.

Eine persönliche Forschungsfrage lautet für mich: Welche Gespräche und Vorbilder unterstützen Jungen darin, Gefühle, Grenzen und Sorge in Worte zu fassen?

Was haben Männer als Jungen gebraucht? Wer hat sie getröstet?

Wer hat sie berührt? Wer hat nach ihrer Angst gefragt?

Mit wem konnten sie über Scham sprechen? Wer hat ihnen Sexualität erklärt?

Wer hat ihnen gezeigt, wie ein Mann für einen anderen Menschen sorgt? Und wer hat die Care-Arbeit in ihren Familien tatsächlich geleistet?

Die Vaterlinie ist deshalb für mich keine historische Nebenfrage.

Was wir als Kinder erlebt oder vermisst haben, kann in unseren heutigen Beziehungen weiterwirken.

Ein Mann kann sich nach Nähe sehnen und gleichzeitig davor zurückschrecken. Er kann Berührung brauchen und Abhängigkeit fürchten.

Er kann Anerkennung suchen und seine Verletzlichkeit verstecken. Er kann Care empfangen haben, ohne je gelernt zu haben, sie selbst zu leisten.

Die Frage lautet deshalb nicht nur: Was hat mir gefehlt?

Sondern auch: Was mache ich heute mit dem, was mir gefehlt hat?

Von der Wunde zur Verantwortung.

Vielleicht bleiben manche Wunden.

Vielleicht besteht Entwicklung nicht darin, ein neues Land zu betreten und das alte hinter sich zu lassen.

Vielleicht geht es darum, mit der eigenen Wunde leben zu lernen, ohne sie zur Waffe zu machen.

Das beschäftigt mich persönlich.

Kann ich meine Verletzlichkeit zeigen, ohne einen anderen Menschen für ihre Heilung verantwortlich zu machen?

Kann ich meine Bedürfnisse wahrnehmen, ohne ihre Erfüllung stillschweigend von anderen zu erwarten?

Kann ich sagen, was ich brauche? Kann ich hören, was du brauchst?

Kann ich ein Nein aushalten? Kann ich bleiben, wenn es schwierig wird?

Hier berühren sich für mich Körperarbeit, Sexualität, Männerarbeit und Care.

Vom Selbstkontakt zur Care-Verantwortung.

Mit Blick auf die gesellschaftliche Verteilung von Sorgearbeit wird daraus eine politische Frage.

Care-Verantwortung (für Kinder, alte Menschen, Menschen mit Beeinträchtigungen sowie Menschen mit ungleichen Teilhaberechten) ist ungleich verteilt.

Dabei müssen Männer nicht erst eine innere Entwicklung abschliessen, bevor sie Care übernehmen können. Wahrnehmen, Lernen und konkrete Verantwortung können gleichzeitig beginnen.

Daraus ergeben sich für „Männer im Kontakt“ Forschungsfragen:

  • Wie lernen Männer, ihren Körper, ihre Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen, bevor Überforderung, Rückzug oder Härte entstehen?
  • Wie verändert sich männliche Sexualität, wenn sie weniger von Leistung, Kontrolle und Bestätigung geprägt ist und stärker von Selbstkontakt, Präsenz, Lust und Selbstmitgefühl?
  • Welche Rolle kann Autoerotik dabei spielen, Verantwortung für die eigene Lust und Regulation zu übernehmen, statt Nähe und Erfüllung vor allem im Aussen zu suchen?
  • Was brauchen Männer, um Verletzlichkeit, Scham, Sehnsucht und das Bedürfnis nach Berührung zeigen zu können, ohne sich entwertet oder „unmännlich“ zu fühlen?
  • Welche unerfüllten Bedürfnisse aus Kindheit, Vaterlinie und männlicher Sozialisation wirken in Freundschaft, Partnerschaft, Sexualität und Care-Verantwortung weiter?
  • Wie gelingt der Schritt vom Selbstkontakt zum Beziehungskontakt – vom Spüren zum Benennen, vom Gefühl zum Bedürfnis, vom Bedürfnis zur Bitte und von der Verletzlichkeit zur verantwortlichen Beziehung?

Und schliesslich:

Was müssen Männer innerlich und miteinander lernen, damit Care nicht länger delegiert, erwartet oder unsichtbar konsumiert wird, sondern als eigene Beziehungspraxis, Verantwortung und gesellschaftliche Aufgabe verstanden wird?

Männer im Kontakt.

„Männer im Kontakt“ möchte darauf keine fertigen Antworten geben. Der Raum selbst soll Teil der Forschung sein.

Über Körper. Atem. Stimme. Bewegung. Stille. Humor.

Über die Vaterlinie. Über Scham und Verletzlichkeit.

Über Kontakt statt Feindbild. Und über die Erfahrung, dass ein Mann einen anderen Mann vielleicht nicht reparieren muss.

Vielleicht reicht es manchmal, da zu sein. Zuzuhören. Nachzufragen. Sich berühren zu lassen.

Und Verantwortung zu übernehmen. Die Bewegung könnte dann so aussehen:

Vom Körper zum Gefühl.
Vom Gefühl zum Bedürfnis.
Vom Bedürfnis zur Sprache.
Vom Selbstkontakt zum Beziehungskontakt.
Vom Ich zum Du und zum Wir.
Vom Kontakt zur Care-Verantwortung.

Die Forschungsfrage.

Meine Forschungsfrage verdichtet sich deshalb:

Was brauchen Männer, um sich selbst, andere und Beziehungen wahrzunehmen und Verantwortung zu übernehmen – damit Care-Verantwortung (für Kinder, alte Menschen, Menschen mit Beeinträchtigungen sowie Menschen mit ungleichen Teilhaberechten) nicht weiterhin überwiegend anderen, insbesondere Frauen, überlassen bleibt?

Vielleicht beginnt gesellschaftliche Veränderung an einem überraschend persönlichen Ort: Kann ich spüren, was ich brauche?

Kann ich hören, was du brauchst? Kann ich mich berühren lassen?

Und bin ich bereit, daraus Verantwortung entstehen zu lassen? Vertrauen und Berührung.

Vielleicht sind sie keine weichen Nebenthemen gesellschaftlicher Veränderung. Vielleicht gehören sie zu ihren Voraussetzungen.

FAZIT · HEUTIGER FORSCHUNGSSTAND

Was das für Gemeinschaft wagen bedeutet.

Selbstbestimmung und Stopp gelten auch in körpernahen Räumen. Nähe braucht eine aktuelle, frei gegebene Zustimmung; sie lässt sich jederzeit zurücknehmen. Rollen machen zudem sichtbar, wer Care plant und trägt. Selbstkontakt kann diese Verantwortung unterstützen, ersetzt aber keine faire Verteilung von Arbeit.

Aktuelle Grundlage · 28.09.2026: 8R Tragfähigkeit · 5S Sicherheit · Care & Self-Care · Resonanz.

AUF DEM WEG ZU EHRLICHER GEMEINSCHAFT

Vier Perspektiven auf diesen Artikel.

Wo stehen wir – in unseren Beziehungen, in der Nachbarschaft und als Gesellschaft? Sicherheit, Tragfähigkeit, Resonanz und gesellschaftliche Verantwortung gehören zusammen.

5S · Wie sicher ist dieser Raum heute?

Schutz · Stimme · Stopp · Stabilität · Selbstbestimmung

Körpernähe braucht Schutz, eine verständliche Stimme und die Möglichkeit, jederzeit Stopp zu sagen. Stabilität entsteht durch verlässliche Absprachen. Selbstbestimmung umfasst Zustimmung, Abstand und Rückzug. Keine Übung und kein Beziehungsideal begründet einen Anspruch auf Berührung.

8R · Was trägt unser Miteinander?

Räume · Rollen · Rahmen · Rhythmen · Richtung · Reife · Rang · Reinfall

Selbstkontakt wird tragfähiger, wenn Räume, Rollen und Rahmen stimmen. Rhythmen geben Zeit zum Wahrnehmen. Die Richtung bleibt die verantwortliche Beziehung; Reife zeigt sich auch im Aushalten eines Neins. Rang verlangt besondere Aufmerksamkeit bei ungleichen Rollen. Reinfall braucht eine benennbare Korrektur.

Resonanz · Was kommt zwischen uns an?

Querdimension durch alle acht R und den gemeinsamen Erfahrungsraum. Resonanz bleibt unverfügbar.

Was in mir lebendig wird, ist noch keine Aussage darüber, was du möchtest. Resonanz verlangt, mein Spüren und deine Antwort auseinanderhalten zu können. Eine Bitte bleibt eine Bitte, auch wenn die Sehnsucht dahinter gross ist.

Gesellschaft · Wie wollen wir zusammenleben?

Friedliche Koexistenz · gegenseitige Fürsorge · Zugehörigkeit · gemeinsame Verantwortung

Von der Körperwahrnehmung führt kein automatischer Weg zur gerechten Gesellschaft. Entscheidend ist auch, wer Sorgearbeit tatsächlich übernimmt und wer Zeit für Erholung hat. Männer im Kontakt verbindet deshalb persönliche Lernwege mit der Frage nach fairen Rollen, Care, Teilhabe und gemeinsamer Verantwortung.

INNEHALTEN

BEI MIR ANKOMMEN.

Ich richte meine Aufmerksamkeit auf einen neutralen Kontaktpunkt: die Füsse am Boden oder die Hände auf den Oberschenkeln. Was ist jetzt angenehm, unangenehm oder unklar? Ich muss nichts verändern. Berührung durch einen anderen Menschen ist dafür nicht nötig.

Ein Moment genügt. Du kannst diese Pause auch überspringen.

VOM LESEN INS LEBEN

Ein kleiner Alltagsversuch.

Formuliere ein Bedürfnis als Bitte, die ein echtes Nein zulässt. Zum Beispiel: «Magst du mir zehn Minuten zuhören? Wenn heute nicht, sag es mir bitte.» Überlege anschliessend, welche konkrete Sorgeaufgabe du selbst übernehmen kannst, ohne auf eine Aufforderung zu warten.

OFFEN WEITERFRAGEN

Was klingt bei dir an?

Eine Frage reicht. Auch eine andere Erfahrung oder ein Widerspruch ist willkommen.

  1. Wie bemerkst du, was du gerade brauchst?
  2. Was hilft dir, eine Bitte auszusprechen, ohne ihre Erfüllung vorauszusetzen?
  3. Wie möchtest du, dass jemand auf dein Nein reagiert?
  4. Wie unterscheidest du deine Sehnsucht von der tatsächlichen Antwort des Gegenübers?
  5. Welche Veränderung in der Verteilung von Care würde Selbstbestimmung und Zugehörigkeit stärken?

Ich freue mich auf deine Perspektive.

Was hat dich berührt, irritiert oder zum Nachdenken gebracht? Du kannst mir dazu schreiben. Ob daraus ein Gespräch wird und welcher Rahmen dafür passt, klären wir gemeinsam.

Vertrauensvolle Tür · persönlichen Kontakt klären

Der Link führt zuerst zur vertrauensvollen Tür. Eine Nachricht ist keine Forschungseinwilligung und keine Freigabe zur Veröffentlichung.

Herkunft und Einordnung.

Persönliche Forschungsfragen vom 19. Juli 2026. Körperarbeit und Embodiment sind hier Inspirationsfelder, keine nachgewiesene Voraussetzung für fürsorgliches Verhalten. Biografische Erfahrungen erklären nicht automatisch das Verhalten anderer Männer.

Persönliche Beobachtung, Deutung und Forschungsfragen sind als solche zu lesen. Ältere Ausgangsfassungen werden hier zum Schutz persönlicher Bezüge nicht verlinkt.

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KI-Transparenz: KI ist Werkzeug — die Unterschrift ist meine.

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