
Manchmal braucht es nicht viel, damit ein Raum aufgeht. Keine perfekte Methode. Kein grosses Konzept. Kein sauber moderiertes Programm. Manchmal genügt ein Lied, eine offene Tür, ein wacher Blick, ein Mensch, der sagt: Du darfst hier sein, wie du bist.
In Italien habe ich wieder einmal gespürt, was ich mit GEMEINSCHAFT WAGEN meine.
Nicht als Theorie.
Nicht als Konzeptpapier.
Nicht als nächstes Projekt, das noch besser erklärt werden muss.
Sondern als Raum.
Als Musik.
Als Lachen.
Als Tanz.
Als einfache, stockbolle Liebe.
Ein Raum, der nicht fragt, ob du genügst
Jemand öffnete den Raum.
Nicht spektakulär. Nicht grossspurig. Einfach so, wie Menschen Räume öffnen können, wenn sie nicht zuerst prüfen, ob du hineinpasst.
Da war Musik. Da waren Menschen. Junge und alte. Menschen mit sichtbaren und unsichtbaren Behinderungen. Menschen im Rollstuhl. Menschen mit Belastungen, mit Geschichten, mit Körpern, die nicht alle gleich funktionieren. Und trotzdem war da nicht zuerst Defizit. Nicht zuerst Betreuung. Nicht zuerst Fürsorge von oben nach unten.
Da war zuerst: Willkommen.
Qui puoi essere come sei. Benvenuti.
Hier darfst du sein, wie du bist. Willkommen.
Das klingt fast zu einfach. Aber vielleicht ist genau das die Kunst.
Präsenz halten
Ein Mensch hielt den Raum.
Nicht indem er alles kontrollierte. Nicht indem er alle führte. Sondern indem er da war.
Mit offenem Herzen und wachem Blick.
Das ist etwas anderes als Programmleitung. Es ist auch etwas anderes als Nettigkeit. Präsenz halten heisst: Ich bin da. Ich sehe, was geschieht. Ich muss nicht sofort eingreifen. Ich muss nicht alles verbessern. Ich vertraue dem Raum, aber ich lasse ihn nicht fallen.
Vielleicht ist das eine der wichtigsten Formen von Liebe: nicht retten, nicht dominieren, nicht verschwinden.
Einfach bleiben.
Ein Lied wagen
Dann durfte ich spielen.
Ein improvisiertes Lied. Nicht perfekt. Nicht vorbereitet. Nicht sicher.
Und trotzdem echt.
Oder gerade deshalb.
Ich kenne diesen Moment gut: Der innere Prüfer meldet sich sofort. Reicht das? Ist es gut genug? Ist es peinlich? Mache ich mich zu gross? Mache ich mich lächerlich?
Aber in diesem Raum musste ich mich nicht grösser machen. Und ich musste mich auch nicht kleiner machen.
Ich durfte einfach spielen.
Ein Lied genügt manchmal.
Nicht, weil Musik alles löst. Sondern weil Musik den Körper erreicht, bevor der Kopf wieder alles sortieren will. Musik kann eine Tür öffnen, wo Sprache noch zögert. Musik kann Zugehörigkeit stiften, ohne dass jemand zuerst erklären muss, warum er dazugehört.
Zusammen tanzen
Später lud jemand einen anderen Menschen zum Tanz ein.
Auch das war nicht gross. Kein Auftritt. Kein Beweis. Keine Choreografie.
Ein Mensch lädt einen anderen Menschen ein.
Und plötzlich bewegt sich der Raum.
Körper bewegen sich. Gesichter öffnen sich. Lachen entsteht. Ein alter Mensch, ein junger Mensch, ein Mensch im Rollstuhl, ein Mensch mit einer Geschichte, die ich nicht kenne. Für einen Moment zählt nicht, wer leistungsfähig ist, wer normal ist, wer sicher wirkt, wer souverän auftritt.
Für einen Moment zählt: Wir sind da.
Wir bewegen uns.
Wir gehören dazu.
Stockbolle Liebe
Ich mag dieses Wort: stockboll.
Es ist nicht elegant. Nicht glatt. Nicht spirituell poliert.
Stockbolle Liebe ist keine Liebe, die über allem schwebt. Sie ist bodennah. Handfest. Manchmal unbeholfen. Manchmal laut. Manchmal schief gesungen. Manchmal mit Rollator, Rollstuhl, Müdigkeit, Lachen, Scham, Überforderung und einem offenen Herzen.
Sie fragt nicht zuerst: Wie bringen wir die Menschen in Ordnung?
Sie fragt: Welchen Raum brauchen wir, damit niemand kleiner werden muss, um dazuzugehören?
Das ist für mich der Kern.
Nicht alle müssen gleich sein.
Nicht alle müssen mitmachen.
Nicht alle müssen reden.
Nicht alle müssen tanzen.
Aber alle müssen spüren können: Ich werde hier nicht aussortiert.
Weniger perfekt, mehr verbunden
Ich nehme aus dieser Begegnung keinen fertigen Plan mit.
Ich nehme eine Erinnerung mit.
Jemand öffnet den Raum.
Jemand hält Präsenz.
Jemand lädt zum Tanz ein.
Ich wage ein Lied.
Und irgendwo dazwischen entsteht Gemeinschaft.
Nicht als grosses Wort. Sondern als Praxis.
Raum öffnen.
Präsenz halten.
Ein Lied wagen.
Zusammen tanzen.
Verbunden sein.
Vielleicht ist GEMEINSCHAFT WAGEN genau das: Räume schaffen, in denen Menschen nicht kleiner werden müssen, um dazuzugehören.
Weniger perfekt.
Mehr verbunden.
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GEMEINSCHAFT WAGEN
Kein Kurs. Zum Glück.
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Care und Selfcare im Gleichgewicht
...
Fragen, mit denen ich gerne ins Gespräch komme
☐ Wo habe ich zuletzt erlebt, dass ich einfach dazugehören durfte?
☐ Wann mache ich mich kleiner, um nicht aufzufallen?
☐ Wann mache ich mich grösser, um nicht übersehen zu werden?
☐ Wer öffnet in meinem Leben Räume, ohne Bedingungen zu stellen?
☐ Wo könnte ich selbst einen kleinen Raum öffnen: mit einem Lied, einem Blick, einer Einladung, einem Stuhl, einem Tee?
☐ Was wäre heute weniger perfekt, aber mehr verbunden?
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