
Care ist politisch: Wie ich als Mann Feminismus unterstützen lernte
Juni 2026 · ca. 9 Minuten Lesezeit
Ich bin nicht als Feminist vom Himmel gefallen. Ich bin ein Mann geworden, der Feminismus unterstützt, weil ich gesehen habe, wie schnell eine Wunde zur Waffe werden kann – in Familien, in Organisationen, in politischen Räumen und auch bei mir selbst. Care ist politisch, weil sie Räume schafft, in denen Verletzlichkeit nicht sofort zu Beschuldigung, Rückzug, Härte oder Feindbild werden muss.
Es begann nicht mit einem Theorieabend. Nicht mit einem Manifest. Nicht mit einer perfekten politischen Haltung. Es begann kleiner. Mit Alter. Mit Würde. Mit einer verschwundenen Gazpacho im Gemeinschaftskühlschrank eines Altersheims.
Ein naher alter Angehöriger sagte sinngemäss: Mir wurden zwei Gazpacho-Packungen gestohlen.
Ich hörte nicht nur den Satz. Ich hörte die Wunde darunter. Da war nicht einfach Suppe weg. Da war ein Stück Selbstsorge betroffen. Ein kleines Stück Autonomie. Ein alter Mann, der sich seine Suppe selber besorgt, sie in den Kühlschrank stellt und dann erlebt: Sie ist nicht mehr da.
Das ist nicht lächerlich. Das ist tief.
Und gleichzeitig sah ich, wie schnell aus dieser Wunde eine Waffe wurde. Nicht: Ich bin verletzt. Nicht: Ich fühle mich übergangen. Nicht: Ich brauche Schutz für das Wenige, das mir noch gehört. Sondern: Die anderen haben mir etwas gestohlen.
Die Beobachtung, das Gefühl, das Bedürfnis und die Reaktion fielen ineinander. Aus Verletzung wurde Verdacht. Aus Ohnmacht wurde Feindbild. Aus Schmerz wurde Beschuldigung.
Ich schreibe das nicht gegen diesen Menschen. Ich schreibe es, weil mir seine Würde am Herzen liegt. Und weil ich in dieser Szene etwas sehe, das grösser ist als eine einzelne Person. Ein altes männliches Muster: Wenn die Wunde keinen Raum bekommt, sucht sie sich eine Waffe.
Die Wunde braucht einen Raum, nicht sofort einen Schuldigen
Vielleicht beginnt hier mein Feminismus als Mann.
Nicht bei einem moralisch korrekten Satz. Nicht bei einem öffentlichen Bekenntnis. Sondern bei der Einsicht: Eine Gesellschaft, die Wunden nicht halten kann, produziert Waffen. Nicht nur echte Waffen. Auch sprachliche Waffen. Schweigen als Waffe. Rückzug als Waffe. Überlegenheit als Waffe. Opferlogik als Waffe. Ironie als Waffe. Politik als Waffe. Männlichkeit als Waffe.
Ich habe diese Bewegung nicht nur bei anderen gesehen. Ich kenne sie auch von mir.
In Vereinen, politischen Kreisen, Männernetzwerken, Gemeinschaftsbildungsräumen und familiären Konflikten habe ich erlebt, wie schnell aus einer nicht gehaltenen Verletzung eine scharfe Sprache werden kann. Wo ich mich übergangen fühlte, wurde ich grundsätzlich. Wo ich mich nicht gesehen fühlte, wurde ich präzis. Wo ich nicht wusste, ob ich noch dazugehöre, wurde ich analytisch. Wo ich zu lange blieb, wurde mein Abschied manchmal härter, als es meinem Herzen guttat.
Meine Waffe war selten grob.
Sie war eher sprachlich. Strukturiert. Gut begründet. Fast unanfechtbar.
Und genau deshalb musste ich genauer hinschauen.
Denn auch eine kluge Waffe bleibt eine Waffe, wenn sie aus einer Wunde kommt, die keinen Raum bekommen hat.
Care ist politisch, weil sie genau dort beginnt: nicht beim braven Nettsein, sondern bei der Frage, welche Räume eine Gesellschaft schafft, damit Verletzlichkeit nicht privatisiert, beschämt oder bewaffnet wird.
Care ist nicht nur Tee kochen, Kinder betreuen, alte Menschen pflegen, zuhören, trösten, putzen, erinnern, Termine organisieren, einen Körper halten, eine Beziehung reparieren. Care ist die unsichtbare Architektur, ohne die Gesellschaft auseinanderfällt.
Wenn Care abgewertet wird, werden Wunden privatisiert. Dann müssen Menschen allein tragen, was eigentlich strukturell gehalten werden müsste. Dann landen Erschöpfung, Pflege, Kinder, alte Eltern, Mental Load, Beziehungsarbeit, emotionale Regulation und soziale Reparatur dort, wo sie seit Jahrhunderten zu oft landen: bei Frauen, FLINTA-Personen, migrantisierten Menschen, schlecht bezahlten Care-Arbeiter:innen und still funktionierenden Angehörigen.
Und viele Männer stehen daneben. Manchmal hilflos. Manchmal freundlich. Manchmal grosszügig. Manchmal erklärend. Manchmal beleidigt, wenn man sie darauf anspricht.
Ich kenne das. Ich bin nicht ausserhalb davon.
Der 14. Juni als öffentliche Beziehungsarchitektur
Am 14. Juni in Zürich wurde mir wieder deutlich: Eine feministische Demonstration ist nicht nur eine politische Kundgebung. Sie kann auch eine Form von Beziehungsarchitektur sein.
Ich sah Räume. Öffentliche Räume, die anders genutzt wurden. Nicht als Durchgangsort für Konsum, Verkehr und Effizienz, sondern als Resonanzraum für Stimmen, Körper, Schilder, Wut, Freude, Musik, Müdigkeit und Zusammenhalt.
Ich sah Rollen. Menschen, die sprachen, trugen, organisierten, begleiteten, schützten, verteilten, sammelten, sangen, hörten. Nicht alle mussten im Zentrum stehen. Nicht alle mussten glänzen. Viele trugen im Hintergrund.
Ich sah Rahmen. Ein Anliegen, ein Datum, eine Geschichte, eine Sprache, eine gemeinsame Richtung. Nicht perfekt. Nicht ohne Widerspruch. Aber gehalten genug, damit viele Menschen gleichzeitig sichtbar werden konnten.
Ich sah Rhythmen. Rufen, Gehen, Stehen, Sitzen, Zuhören, Klatschen, Schreien, Schweigen. Ein Körperrhythmus der Politik. Nicht nur Argumente, sondern Atem.
Ich sah Richtung. Care gehört ins Zentrum. Nicht an den Rand. Nicht als private Liebespflicht. Nicht als weibliche Selbstverständlichkeit. Sondern als gesellschaftliche Grundlage.
Und ich sah Reife. Nicht als Harmonie. Sondern als Fähigkeit, Unterschiedlichkeit, Wut, Verletzlichkeit und Forderung im öffentlichen Raum auszuhalten.
Vielleicht war das für mich eine 6R-Demo.
Räume. Rollen. Rahmen. Rhythmen. Richtung. Reife.
Und darüber: Resonanz.
Nicht als zusätzliches Möbelstück. Sondern als lebendige Rückkoppelung. Trägt der Raum? Werden Menschen kleiner gemacht oder grösser? Wird Wut zur Waffe – oder zur Richtung? Wird Verletzung zum Feindbild – oder zur Forderung nach besseren Strukturen?
Wenn Schutz nicht Verhärtung bedeutet
Was mich in Zürich besonders berührt hat: Der Raum war nicht nur laut. Er war gehalten.
Ich habe erlebt, wie viel möglich wird, wenn ein öffentlicher Raum nicht sofort als Kampfzone organisiert ist. Eine Polizei, die nicht in voller Kriegsmontur auftritt, sondern als Dialogteam sichtbar anders präsent ist, sendet eine andere Botschaft an die Körper. Der Raum bleibt politisch. Aber er wird nicht militärisch aufgeladen. Menschen können atmen. Schauen. Lachen. Sprechen. Sich zeigen.
In solchen Räumen kann Humor auftauchen. Sinnlichkeit. Körperlichkeit. Sexualität als etwas dem Leben Dienendes. Nicht als Konsum. Nicht als Übergriff. Nicht als Beschämung. Sondern als Teil von Würde, Kraft, Geburt, Lust, Verletzlichkeit und Selbstbestimmung.
Eine Vulva kann dann ein wunderbares Symbol sein. Nicht platt. Nicht peinlich. Nicht cringe. Sondern erstaunlich weit: ein Zeichen für Ursprung, Körper, Geburt, Verletzlichkeit, Begehren, Schmerz, Macht, Tabu und Lebensfreude.
Mich hat besonders die Figur der Santa Vulva berührt. Sie nimmt eine Form auf, die religiös vertraut wirkt, und dreht sie in einen körperpolitischen Schutzraum. Dort, wo Frauen sich selbst nicht verzeihen, wo Gesellschaft ächtet oder Kirche verdammt, erscheint eine nicht urteilende Instanz. Schuld, Scham, Geständnisse und Ängste finden unter schützenden Lippen einen Safe Space. Die Vulva würdigt Offenheit und befreit von gesellschaftlicher und persönlicher Scham.
Das ist humorvoll. Aber nicht bloss lustig.
Es ist eine ernste Umkehrung. Dort, wo über Jahrhunderte weibliche Körper, Lust, Blut, Geburt, Begehren und Verletzlichkeit beschämt wurden, erscheint plötzlich eine Figur, die nicht verurteilt, sondern schützt. Nicht der männliche Priester spricht frei. Nicht die Institution verteilt Gnade. Der Körper selbst wird zum Ort der Würde.
Auch die Virgen de Guadalupe gehört in dieses Feld von Schutz, Hoffnung und Verbindung. Ihr Bild verbindet religiöse, indigene und politische Bedeutungen. Sie wurde zum Symbol von Identität, Solidarität, Widerstand und Hoffnung. Schutz wird Widerstand. Verbindung wird Würde. Hoffnung wird gesellschaftlicher Wandel.
Und daneben die spielerische Wucht von Brazen Kin: der Traum, das Patriarchat lustvoll kippen zu sehen. Natürlich ist das überzeichnet. Natürlich darf man darüber lachen. Aber gerade im Spiel liegt eine Wahrheit: Patriarchat fällt nicht nur durch Programme. Es fällt auch, wenn seine Heiligkeiten lächerlich werden. Wenn seine alten Ernsthaftigkeiten nicht mehr einschüchtern.
Für mich als Mann war das nicht ausschliessend. Im Gegenteil. Ich fühlte mich angesprochen.
Nicht, weil ich diese Symbole besitzen müsste. Nicht, weil ich ihre Bedeutung erklären müsste. Sondern weil ich spürte: Hier entsteht ein Raum, in dem Körper nicht sofort Objekt, Scham oder Gefahr sind. Hier kann Sexualität als etwas dem Leben Dienendes auftauchen. Hier darf Wut verspielt werden. Hier darf Scham verwandelt werden. Hier darf das Patriarchat fallen, ohne dass Männer als Menschen vernichtet werden müssen.
Das ist für mich reifer Feminismus.
Er kritisiert Strukturen, ohne Menschen auf ihre schlechtesten Muster zu reduzieren. Er stellt Körper ins Zentrum, ohne sie zu vermarkten. Er arbeitet mit Humor, ohne den Schmerz zu verraten. Er schafft Schutz, ohne das Leben steril zu machen.
Care ist politisch.
Auch weil sie Räume schützt, in denen Scham nicht mehr herrschen muss.
Männer im Vorraum der Verantwortung
Darum gefällt mir der Titel «Männer im Vorrang der Verantwortung» nicht ganz. Vorrang klingt noch zu sehr nach vorne. Nach wieder zuerst. Nach: Auch hier machen wir Männer uns wichtig.
Ich glaube, es braucht eher:
Männer im Vorraum der Verantwortung.
Ein Vorraum ist ein guter Ort. Man ist noch nicht im Zentrum. Man zieht die Schuhe aus. Man hört, was drinnen geschieht. Man entscheidet, ob man wirklich eintreten will. Man merkt, ob man zu laut ist. Man nimmt wahr, was man mitbringt.
Männer, die Feminismus unterstützen wollen, müssen nicht sofort auf die Bühne. Sie müssen nicht den Feminismus erklären. Sie müssen nicht beweisen, dass sie die Guten sind.
Sie können zuerst fragen:
Welche Care-Arbeit übernehme ich wirklich? Welche emotionale Arbeit delegiere ich an Frauen? Wo verwandle ich meine Wunde in eine Waffe? Wo werde ich hart, wenn ich eigentlich traurig bin? Wo rede ich über Gleichstellung, aber lasse andere den Beziehungsabfall wegräumen? Welche Männer spreche ich an, damit Frauen es nicht dauernd tun müssen?
Das wäre für mich Männerarbeit auf dem Weg zum Care-Streik 2027.
Nicht Männer retten. Nicht Männer beschämen. Nicht Männer idealisieren. Nicht Männer gegen Frauen stellen.
Sondern Männer wieder in Kontakt bringen.
Mit Körper. Mit Scham. Mit Nähe. Mit Wut. Mit Verantwortung. Mit Care und Selfcare. Mit Humor. Mit klaren Grenzen. Mit Würde.
Eine Begegnung in Norditalien und die andere Tür zu Männern
Ein paar Tage später stand ich in Norditalien vor einer feministischen Bühne. Ein junger Mann sagte mir in wenigen Sätzen etwas, das mir hängen blieb. Ich nenne weder seinen Namen noch den genauen Kontext, weil es hier nicht um seine Person geht, sondern um den Gedanken, den er in mir angestossen hat.
Wenn man mit Männern über Feminismus, Manosphere oder Faktor M ins Gespräch kommen will, reicht es nicht, ihnen nur zu sagen: Ihr habt Privilegien.
Natürlich stimmt das. Männer haben strukturelle Vorteile. Sie werden häufiger ernst genommen. Sie werden weniger auf ihren Körper reduziert. Sie müssen sich weniger für Wut, Alter, Karriere, sexuelle Freiheit oder öffentliche Präsenz rechtfertigen. Sie erben oft mehr Selbstverständlichkeit im Auftreten.
Aber sein Punkt war feiner: Diese Privilegien haben auch Nachteile.
Nicht, weil Männer eigentlich die wahren Opfer wären. Das wäre Unsinn. Sondern weil patriarchale Privilegien Männer an Stellen verarmen lassen, die sie selbst oft gar nicht mehr spüren.
Ein einfaches Beispiel: Der Mann, der nicht nach Hilfe fragen muss, weil er gelernt hat, stark zu sein, bleibt irgendwann allein mit seiner Angst. Der Mann, der Care-Arbeit nicht übernehmen muss, verliert die Fähigkeit, Nähe praktisch zu gestalten. Der Mann, der immer souverän wirken darf, weiss irgendwann nicht mehr, wie er scheitern kann, ohne sich zu hassen. Der Mann, der gelernt hat, Wut ernst zu nehmen, aber Trauer nicht, verwandelt seine Wunde schneller in eine Waffe.
Das ist eine andere Tür ins Gespräch.
Nicht: Du bist schuld.
Sondern: Schau, was dieses Männerbild auch mit dir macht.
Vielleicht kann man einem jungen Mann, der in Richtung Manosphere rutscht, genau so begegnen:
Du hast recht, dass etwas weh tut. Du hast recht, dass viele Männer orientierungslos sind. Du hast recht, dass Einsamkeit, Leistungsdruck, sexuelle Frustration und Statusangst real sind. Aber du irrst dich, wenn du Frauen, Feminismus oder Gleichstellung zu Feinden machst.
Die Wunde ist real.
Die Waffe ist das Problem.
Und vielleicht beginnt Männerarbeit genau dort: nicht bei der Beschämung von Männern, sondern bei einer ehrlichen Frage.
Was kostet dich das alte Männerbild?
Was kostet es dich, immer stark sein zu müssen? Was kostet es dich, nicht gelernt zu haben, über Scham zu sprechen? Was kostet es dich, Care als weiblich abzuwerten? Was kostet es dich, wenn Nähe immer erst über Leistung, Status oder Begehren laufen darf? Was kostet es dich, wenn du nur Wut zeigen darfst, aber nicht Bedürftigkeit?
Für mich wurde in dieser Begegnung klar: Männer für Feminismus zu gewinnen, heisst nicht, ihnen das Zentrum zurückzugeben. Es heisst, ihnen eine Tür zu zeigen, durch die sie aus der alten Härte herausfinden können.
Es gibt keine Männer mehr wie früher.
Zum Glück.
Aber es gibt viele Männer, die noch nicht wissen, wer sie werden könnten.
Es gibt keine Männer mehr wie früher. Zum Glück.
Vielleicht ist das der Satz des Tages:
Es gibt keine Männer mehr wie früher. Zum Glück.
Natürlich gibt es sie noch, die alten Muster. Härte. Rückzug. Beschuldigung. Durchhalten. Dominieren. Schweigen. Sich nicht helfen lassen. Die eigene Verletzlichkeit in Kontrolle verwandeln. Die eigene Angst als Meinung verkleiden.
Aber als Ideal trägt dieser Mann nicht mehr.
Zum Glück.
Der Mann von früher hatte oft keine Sprache für seine Wunde. Er hatte Funktion, Pflicht, Status, Härte, Arbeit, Familie, Politik, Verein, Militär, Amt, vielleicht Kirche. Aber oft keinen Raum, in dem er sagen konnte: Ich bin verletzt. Ich brauche Zugehörigkeit. Ich weiss nicht, wohin mit meiner Ohnmacht.
Wenn dieser Mann alt wird, wird die Welt enger. Dann kann eine Gazpacho-Suppe zur Würdeszene werden. Und wenn niemand die Wunde hört, bleibt manchmal nur die Waffe des Verdachts.
Ich möchte nicht über diesen Mann lachen.
Ich möchte ihn erlösen helfen, soweit das überhaupt möglich ist.
Nicht, indem ich ihn therapiere. Nicht, indem ich ihn beschäme. Sondern indem ich in meinem eigenen Leben übe, die Kette zu unterbrechen.
Ich will nicht warten, bis meine Wunde zur Waffe wird.
Care ist politisch
Care ist politisch, weil sie entscheidet, ob Verletzlichkeit privat beschämt oder öffentlich getragen wird.
Care ist politisch, weil sie sichtbar macht, wer wessen Leben ermöglicht.
Care ist politisch, weil eine Demokratie nicht nur von Abstimmungen lebt, sondern von Körpern, die schlafen, essen, pflegen, zuhören, trauern, gebären, sterben, putzen, organisieren, erinnern, begleiten, schützen und wieder aufstehen können.
Care ist politisch, weil Sicherheit nicht nur Polizei, Grenzen, Militär und Kontrolle bedeutet. Sicherheit bedeutet auch: gute Pflege, gute Bildung, gute Betreuung, Zeit füreinander, Schutz vor Armut, tragfähige Beziehungen, erreichbare Hilfe, würdige Räume.
Care ist politisch, weil Beziehung Entscheidung trägt. Und weil Entscheidungen Beziehung schützen müssen.
Für mich heisst das auf dem Weg zum 14. Juni 2027:
Ich will als Mann nicht im Zentrum stehen. Ich will mittragen. Ich will andere Männer ansprechen. Ich will Care übernehmen, nicht nur darüber schreiben. Ich will lernen, wo ich ausweiche. Ich will üben, meine Wunde nicht zur Waffe werden zu lassen.
Vielleicht beginnt Feminismus für mich genau dort:
Nicht bei der perfekten Haltung. Sondern bei der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, bevor ich wieder erkläre.
Innehalten
Wo wird in mir eine Wunde zur Waffe?
Welche Care-Arbeit sehe ich erst, wenn sie nicht mehr gemacht wird?
Welche Frauen, FLINTA-Personen oder Care-Arbeiter:innen tragen in meinem Umfeld etwas, das ich für selbstverständlich halte?
Welche Verantwortung kann ich übernehmen, ohne dafür Anerkennung zu verlangen?
Welchen Mann spreche ich bis zum 14. Juni 2027 an?
Was ich mitnehme
Ich bin ein Mann geworden, der Feminismus unterstützt, weil ich gesehen habe, was geschieht, wenn Verletzlichkeit keinen Raum bekommt.
Ich unterstütze Feminismus nicht, weil ich mich moralisch besser fühlen will.
Ich unterstütze Feminismus, weil Care politisch ist.
Weil Wunden Räume brauchen.
Weil Männer lernen müssen, ihre Waffen niederzulegen, bevor andere darunter leiden.
Weil es keine Männer mehr gibt wie früher.
Zum Glück.
Quellen
Feministischer Streik Zürich: Care-Streik 2027
14juni.ch: FAQ zum Feministischen Streik
Universität Zürich: Dominante Männlichkeitsvorstellungen / Faktor M
männer.ch: Dominante Männlichkeitsvorstellungen sind bei jungen Männern weit verbreitet
männer.ch / MenCare Schweiz: Der Schweizer Diskurs um männliches Care-Engagement im Wandel
männer.ch / MenCare Report: Vaterland Schweiz
Santa Vulva: Confessio et Absolutio – Santa Vulva sei Dank
GEMEINSCHAFT WAGEN auf christofsuppiger.org
Eigene Praxisnotizen zu GEMEINSCHAFT WAGEN, 6R, Resonanz, Männer im Kontakt, 14. Juni Zürich und einer Begegnung in Norditalien.
KI-Transparenz
KI ist Werkzeug – die Unterschrift ist meine. Für sprachliche Verdichtung und Struktur nutze ich punktuell KI als Gegenüber. Verantwortung, Auswahl und Endfassung liegen bei mir. Ich prüfe, ob die Sprache stimmt, ob der Schutz naher Personen gewahrt bleibt und ob aus persönlicher Erfahrung nicht private Blossstellung, sondern öffentliche Verantwortung wird.
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A) Für das Gelingen des Workshops ist es erforderlich, dass TeilnehmerInnen von Beginn bis Ende anwesend sind. Sollte Dir dies nicht möglich sein, wende Dich bitte vor der Anmeldung an die Veranstalter.
B) Der Workshop dient der Persönlichkeitsbildung und bietet intensive Lernerfahrungen. Das kann unter Umständen emotional herausfordernd sein. Solltest Du in psychotherapeutischer Behandlung sein, bitten wir Dich, mit uns Kontakt aufzunehmen.