Care & Selbstsorge
Kochen als sorgende Aufgabe und Selbstsorge im Gleichgewicht.
Kann ich für andere kochen und selbst gerne mit am Tisch sitzen?

Beim Kochen darf mein Kopf eine Pause machen. Die Hände übernehmen, und aus dem Kursleiter wird für einen Moment ein Koch. Das Wortspiel begleitet mich: Kein Kopf. Zum Glück. Ein Koch. Zum Glück. Die Pizza Carciofata gehört für mich zu dieser Geschichte und zu meinem Übergang ins Pensionsalter.
Mein Weg führte über Chiasso. Ich war Schüler, Klassenlehrer, schulischer Heilpädagoge und Schulleiter und Burnout-Patient. Am Ende stand viel Erschöpfung. Konflikte, die sich nicht auflösen liessen, hatten Kraft gekostet. Auch privat waren Beziehungen und Zugehörigkeit immer wieder anspruchsvolle Fragen.
Dann kam der Entschluss, meine selbstständige Tätigkeit loszulassen. Ganz vollzogen ist dieser Schritt noch nicht. Zu ihr gehört Supi-Lernen, mein Brückenangebot für Kinder und Jugendliche. Den damaligen Claim habe ich gerade vergessen. Vielleicht ist das ein gutes Zeichen. Ich lache.
Für meinen Übergang habe ich vier Phasen beschrieben: zuerst die Dauerferien, dann die Lücken und die Leere, wenn Kontakte weniger werden. Danach die Projekte, Experimente und Versuche, im Rahmen meiner Möglichkeiten etwas Sinnvolles beizutragen. Und schliesslich das Coming Home: loslassen, vereinfachen, in eine grössere Ruhe finden.
Zu den Dauerferien gehört für mich, morgens keinen Wecker mehr stellen zu müssen. Aufstehen, wenn das Licht kommt und mein Körper bereit ist. Im Frühling und Herbst passt das besonders gut. Der Tag darf einen anderen Anfang haben.
Brescia blieb dabei eine wichtige Gegenbewegung zum Berufsleben. Die Aufenthalte bekamen einen festen Platz in meiner Agenda. Abstand zum beruflichen Hamsterrad, zu den vielen Rollen und zum ständigen Müssen. Dort ass ich eine vegane Pizza Carciofata und fühlte mich danach leicht und gut gelaunt. Aus diesem Genuss entstand eine Idee: noch einmal etwas ganz, ganz anderes lernen.
In einer Pizzeria in Brescia passt für mich vieles zusammen: der Ort, die Einrichtung im Stil der Sechzigerjahre, die Musik, der Wein und diese Pizza. Über einen Freund kenne ich den Besitzer. Ich fragte ihn, ob ich bei ihm einmal Pizzaiolo sein dürfte. Zumindest in der Küche mitarbeiten, zuschauen und lernen. Wir haben es so miteinander vereinbart.
Zu Hause begann ich schon einmal. Ich kaufte geräucherten veganen Mozzarella und belegte den Pizzaboden mit Artischockencreme. Den Teig habe ich gekauft. Ihn selbst zu machen und zu kneten, möchte ich erst lernen. Vielleicht in der Pizzeria. Oder bei meinem Freund, der mir bestimmt gerne seinen Pizzateig zeigt.
So fand die Pizza schliesslich auch ihren Weg zu «KEIN KURS. ZUM GLÜCK.». Darüber bin ich glücklich. Ich bin inzwischen in die Rolle hineingewachsen, für das Catering zu sorgen: eine kleine Mahlzeit, frei angeboten. Mit der Pizza Carciofata wird Kochen für mich zu einer konkreten Art, etwas beizutragen.
Auch beim gemeinsamen Picknicken mit einer Freundin habe ich wunderbar erlebt, wie Essen Kontakt entstehen lässt. Zusammensein, manchmal ganz spontan. Etwas bewusst Ausgewähltes mitbringen, gemeinsam geniessen und teilen. Das Essen verbindet sich mit der Freude an der Gesellschaft. Diese Erfahrung gehört für mich zum Kochen als sorgender Aufgabe und zur Selbstsorge: Ich bereite etwas vor, das ich gerne teilen möchte, und geniesse selbst mit. So finden Zuwendung und eigener Genuss am selben Platz zusammen.
Dabei möchte ich die Frage mitnehmen, wie ich selbst vorkomme. Kann ich kochen und danach selbst gerne mit am Tisch sitzen? Kann ich Unterstützung annehmen und sagen, was heute möglich ist? Ich wünsche mir, dass diese neue Rolle beweglich bleibt und meine Freude darin Platz behält.
Und weiter hinten am Horizont liegt das Coming Home. Das oberste Stockwerk, schon nahe am Himmel. Für mich verbindet sich damit die Hoffnung, Projektionen und Ängste mehr und mehr loszulassen, das Ego leichter zu nehmen und in Ruhe anzukommen. Irgendwann vielleicht bis zum Kompostfriedhof. Das gehört für mich zum grossen Vereinfachen.
Aber jetzt bin ich hier. Mit einer Pizza Carciofata und der Lust, noch etwas zu lernen. Der Kopf darf eine Pause machen. Die Hände dürfen dazulernen. Und ich darf Freude daran haben, dass andere mitessen.
Kein Kopf. Zum Glück. Ein Koch. Zum Glück.
ORIENTIERUNG
Schutz · Stimme · Stopp · Stabilität · Selbstbestimmung
Ein Beitrag bleibt freiwillig. Ich darf sagen, was heute möglich ist, eine Pause machen und Unterstützung brauchen.
Räume · Rollen · Rahmen · Rhythmen · Richtung · Reife · Rang · Reinfall
Wer bereitet vor, wer räumt auf, wer entscheidet? Wann sitzen alle mit am Tisch? Und darf die Pizza auch einmal misslingen?
Ein Essen kann Kontakt öffnen. Ob Nähe entsteht, bleibt unverfügbar. Resonanz verbindet als Querdimension alle acht R.
Geteilte Sorge beginnt mit einer konkreten Absprache. Auch die Person, die kocht, darf geniessen, empfangen und ihre Rolle verändern.
INNEHALTEN
Wenn du magst, lass den Blick kurz vom Bildschirm wandern. Spüre, wie du gerade sitzt oder stehst. Ein Atemzug genügt. Du musst aus diesem Text keine Aufgabe machen.
ICH. Wenn ich für andere sorge: Wo komme ich selbst darin vor?
FRAGE. Woran merke ich, dass ich gerne beitrage – und wann wird daraus ein Müssen?
HEUTE. Was möchte ich heute teilen? Und was möchte ich selbst geniessen oder empfangen?
OFFEN WEITERFRAGEN
Vielleicht möchtest du eine dieser Fragen an einem gemeinsamen Tisch aufnehmen. Jede Person entscheidet selbst, was sie erzählen möchte.
Was klingt bei dir an? Wo erlebst du es anders? Ich freue mich über deine Geschichte, eine Frage oder einen Widerspruch.
Vertrauensvolle Tür · persönlichen Kontakt klären
Christof
EINE FREIWILLIGE EINLADUNG
Wenn dich diese Geschichte anspricht, bist du herzlich eingeladen zu «KEIN KURS. ZUM GLÜCK.» in Zürich. Die nächsten drei Treffen können einzeln besucht werden – auch wenn du bisher noch nicht dabei warst.
Wir nehmen uns Zeit zum Ankommen, gemeinsamen Forschen, Integrieren und Würdigen. Zum Abschluss schauen wir, welche kleinen nächsten Schritte für den eigenen Alltag stimmig sein könnten.
Du entscheidest selbst, wie du dich beteiligen möchtest. Zuhören, Schweigen, Mitmachen und Pausen haben Platz. Du brauchst keine Vorerfahrung und darfst mit deiner Neugier, deinen Fragen oder einfach so, wie du gerade bist, dazukommen.
Wir treffen uns im BGO-Gemeinschaftsraum in Zürich. Alle Angaben zu Ort, Zeiten und Teilnahme.
Dieser Beitrag geht auf meine persönliche Notiz vom 17. Oktober 2026 zurück. Er erzählt von meinem Übergang ins Pensionsalter und meinen Erfahrungen mit Kochen, Care und Selbstsorge. 8R und die eigenständige 5S-Linse dienen der Orientierung. Die Fragen laden zur Reflexion ein; sie sind keine Forschungserhebung.
A) Für das Gelingen des Workshops ist es erforderlich, dass TeilnehmerInnen von Beginn bis Ende anwesend sind. Sollte Dir dies nicht möglich sein, wende Dich bitte vor der Anmeldung an die Veranstalter.
B) Der Workshop dient der Persönlichkeitsbildung und bietet intensive Lernerfahrungen. Das kann unter Umständen emotional herausfordernd sein. Solltest Du in psychotherapeutischer Behandlung sein, bitten wir Dich, mit uns Kontakt aufzunehmen.