
Die kleine Schwelle vor der Tür
Ich kenne diesen Moment gut. Ein Angebot ist formuliert, der Raum ist beschrieben, die Haltung stimmt, die Termine sind gesetzt. Und dann kommt die scheinbar einfache Frage: Was kostet es?
Plötzlich wird es eng. Zu teuer, und Menschen bleiben weg, für die der Raum vielleicht genau richtig wäre. Zu billig, und die Arbeit verschwindet. Gratis, und jemand zahlt trotzdem: mit unbezahlter Vorbereitung, mit Erschöpfung, mit stiller Erwartung, mit dem Gefühl, dass Sorgearbeit schon irgendwie gratis geschehen müsse.
Gerade hier wird GEMEINSCHAFT WAGEN konkret. Nicht im grossen Satz. Nicht im schönen Bild vom öffentlichen Wohnzimmer. Sondern dort, wo Geld, Würde, Zugang und Verantwortung einander berühren.
Denn Beziehung trägt Entscheidung heisst für mich auch: Beziehung trägt Preisentscheidung. Nicht: Jeder Preis ist beliebig. Nicht: Geld spielt keine Rolle. Sondern: Bevor wir eine Zahl setzen, fragen wir, welchen Raum diese Zahl baut.
Öffnet sie? Beschämt sie? Verdeckt sie Arbeit? Ermöglicht sie Teilnahme? Schützt sie die Gastgeber:innen? Macht sie Solidarität sichtbar? Oder tut sie so, als gäbe es keine sozialen Unterschiede?
Da beginnt für mich eine ehrliche Preispolitik.
Gemeinwohl beginnt nicht erst in der Bilanz
Die Gemeinwohl-Ökonomie beschreibt sich als Wirtschaftsmodell, das den Übergang von einer wachstums- und profitorientierten Wirtschaftsweise zu einer Wirtschaftsweise sucht, die das Gemeinwohl ins Zentrum stellt. Gewinne dürfen erzielt werden, aber nicht um jeden Preis. Als zentrale Werte nennt ECOnGOOD Schweiz Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit sowie Transparenz und Mitentscheidung.
Das berührt GEMEINSCHAFT WAGEN direkt. Nicht, weil wir daraus sofort ein kompliziertes Modell machen müssen. Sondern weil diese vier Werte eine einfache und strenge Frage stellen:
Lebt unsere Preisgestaltung das, was unsere Räume versprechen?
Menschenwürde heisst dann: Niemand soll sich vor dem Eintritt innerlich entwerten müssen.
Solidarität und Gerechtigkeit heisst: Wer mehr tragen kann, darf mehr tragen, damit andere nicht draussen bleiben.
Ökologische Nachhaltigkeit heisst: Auch menschliche Energie ist nicht endlos verfügbar. Räume, die Care ermöglichen, dürfen nicht auf Selbstausbeutung beruhen.
Transparenz und Mitentscheidung heisst: Wir sprechen über Geld nicht im Nebel. Wir machen sichtbar, was ein Raum braucht, und laden Menschen ein, ihren Beitrag bewusst zu wählen.
So wird Gemeinwohl nicht zuerst zur Theorie. Es wird eine kleine Schwelle vor der Tür.
Ein Preis ist soziale Architektur
GEMEINSCHAFT WAGEN fragt nicht zuerst: Wie verkaufen wir ein Angebot?
Die bessere Frage lautet: Welcher Raum wird hier sichtbar? Und was nährt diesen Raum?
Wenn das ernst gemeint ist, kann die Preispolitik nicht ausserhalb dieser Haltung stehen. Ein Preis baut mit. Er baut einen Rahmen. Er baut eine Erwartung. Er baut eine soziale Temperatur. Er kann einladen oder abschrecken. Er kann Arbeit sichtbar machen oder verdecken. Er kann Solidarität ermöglichen oder Abhängigkeit erzeugen.
Darum gefällt mir der Gedanke:
Ein Preis ist eine kleine soziale Architektur.
Er ist nicht nur Eintritt. Er ist Teil des Raumes. Er sagt: Hier wird Arbeit gesehen. Hier wird Zugang ernst genommen. Hier muss niemand betteln. Hier wird Solidarität nicht romantisiert, sondern organisiert. Hier darf ich ehrlich prüfen: Was kann ich tragen? Und hier darf ich auch weniger zahlen, ohne kleiner zu werden.
Das ist für mich strukturelle Liebe im Kleinen: Räume, Rollen, Rahmen und Rhythmen so gestalten, dass Würde nicht dauernd verteidigt werden muss.
Würde ohne Bittgang
Für GEMEINSCHAFT WAGEN würde ich keine Rabattlogik ins Zentrum stellen. Rabatt klingt nach Ausnahme. Nach Defizit. Nach: Eigentlich müsstest du mehr zahlen, aber gut, wir machen eine Ausnahme.
Das ist nicht der Ton.
Der passendere Ton ist Selbsteinschätzung. Nicht Kontrolle. Nicht Erklärungspflicht. Nicht Beweis der Bedürftigkeit. Sondern Vertrauen.
Natürlich ist Vertrauen nicht naiv. Es braucht klare Orientierung. Darum braucht es transparente Preisstufen. Menschen sollen nicht raten müssen, was fair ist. Sie sollen sehen können, welche Stufe welchen Sinn hat.
Eine gute Preisstruktur schützt beide Seiten: die Teilnehmenden und die Gastgeber:innen. Sie sagt nicht nur: Komm, wie du bist. Sie sagt auch: Diese Arbeit hat Wert.
Beides gehört zusammen.
Care ohne Selfcare kippt in Erschöpfung. Selfcare ohne Care kippt in private Absicherung. Eine gemeinwohlfähige Preispolitik hält beides im Blick.
Solidarität ohne Selbstausbeutung
In vielen sozialen, kulturellen und spirituellen Räumen gibt es eine leise Gefahr: Weil die Arbeit sinnvoll ist, soll sie fast nichts kosten. Weil sie mit Herz gemacht wird, soll sie nicht zu genau gerechnet werden. Weil Gemeinschaft entstehen soll, soll Geld möglichst unsichtbar bleiben.
Ich verstehe diesen Impuls. Ich kenne ihn auch in mir.
Aber er hat eine Schattenseite. Wenn Geld nicht angeschaut wird, verschwindet es nicht. Es wandert nur in den Körper derer, die vorbereiten, halten, nachbereiten, schreiben, organisieren, erinnern, einladen, putzen, koordinieren, auffangen, Mails beantworten, Räume suchen und trotzdem freundlich bleiben.
Dann heisst der Preis nicht mehr Franken. Dann heisst er Müdigkeit. Dann heisst er stille Erwartung. Dann heisst er: Jemand anderes wird es schon tragen.
GEMEINSCHAFT WAGEN will genau dort ehrlicher werden.
Verantwortung ohne stille Erwartungen heisst auch: Wir machen sichtbar, was ein Raum braucht. Nicht, um Menschen auszuschliessen. Sondern damit Tragen teilbar wird.
Gratis ist schön. Bis jemand merkt, dass er selbst die Rechnung ist.
Und noch etwas schärfer:
Wenn der Preis so tief ist, dass niemand mehr atmen kann, ist es kein Sozialpreis. Dann ist es nur ein Burnout mit hübschem Flyer.
Eine mögliche Preislogik für GEMEINSCHAFT WAGEN
Für GEMEINSCHAFT WAGEN könnte eine einfache solidarische Preisstruktur so aussehen:
Preisstufe | Sinn |
Basispreis | Für Menschen mit wenig finanzieller Luft. Ohne Begründung. Ohne Beschämung. |
Richtpreis | Deckt den realistischen Beitrag an Raum, Vorbereitung, Durchführung und Nacharbeit. |
Solidaritätspreis | Für Menschen, die etwas mehr tragen können, damit andere mitkommen können. |
Förderpreis | Für Menschen, Organisationen oder Institutionen, die GEMEINSCHAFT WAGEN bewusst mittragen wollen. |
Der wichtigste Satz dazu wäre für mich:
Niemand muss sich erklären. Alle sind eingeladen, ehrlich zu prüfen, was sie tragen können.
Das ist nicht weich. Das ist anspruchsvoll. Denn es nimmt Menschen ernst. Es sagt nicht: Wir wissen besser, was du dir leisten kannst. Es sagt auch nicht: Alles ist egal. Es sagt: Schau hin. Spür hin. Entscheide mit.
Damit wird der Preis selbst zu einer kleinen Übung in Mitverantwortung.
Website-Text: Preise und Solidarität
GEMEINSCHAFT WAGEN versteht Preise als Teil der Praxis. Wir möchten Räume schaffen, die zugänglich bleiben und zugleich die Arbeit, Vorbereitung, Verantwortung und Sorgfalt sichtbar machen, die in ihnen steckt.
Darum arbeiten wir, wo immer möglich, mit einer solidarischen Preisstruktur. Es gibt einen Basispreis, einen Richtpreis, einen Solidaritätspreis und einen Förderpreis. Wer weniger zahlen kann, soll nicht draussen bleiben. Wer mehr tragen kann, hilft mit, dass der Raum für andere offen bleibt.
Das ist für uns keine Rabattlogik, sondern eine kleine Übung in Gemeinwohl-Ökonomie: Menschenwürde, Solidarität, Transparenz und Mitverantwortung werden nicht nur behauptet, sondern im Preis mitgeübt.
Wir vertrauen dabei auf Selbsteinschätzung. Ohne Kontrolle. Ohne Beschämung. Mit der Einladung, ehrlich hinzuschauen: Was ist mir möglich? Was ist fair? Was trägt den Raum?
Denn GEMEINSCHAFT WAGEN lebt nicht von stillen Erwartungen, sondern von sichtbarer Verantwortung.
Innehalten
Bevor ich einen Preis festlege, kann ich fragen:
Stimmt mein Körper noch zu, wenn ich diesen Preis ausspreche? Dient dieser Preis dem Raum? Macht er Teilnahme möglich? Macht er Arbeit sichtbar? Schützt er die Menschen, die halten, vorbereiten, zuhören und nachbereiten? Und was wäre hier nicht perfekt, aber verbunden?
Fragen, mit denen ich gerne ins Gespräch komme
☐ Wo habe ich selbst gelernt, über Geld lieber nicht zu sprechen?
☐ Wann wird ein Preis für mich beschämend – als zahlende oder anbietende Person?
☐ Was wäre ein würdiger Preis, der Zugang ermöglicht und Arbeit sichtbar macht?
☐ Wer trägt mit, wenn jemand weniger zahlen kann?
☐ Wie könnte Solidarität bei GEMEINSCHAFT WAGEN nicht nur Gefühl bleiben, sondern Form bekommen?
☐ Welche Preisstruktur würde ich einer guten Freundin empfehlen, die nicht ausbrennen soll?
☐ Wo verwechsle ich Niederschwelligkeit mit Selbstausbeutung?
☐ Welche kleine Preisentscheidung würde heute schon mehr Gemeinwohl in den Raum bringen?
Die Schwelle als Übungsfeld
Vielleicht beginnt Gemeinwohl nicht erst in der grossen Bilanz. Vielleicht beginnt es an der kleinen Schwelle:
Was kostet es? Wer kann kommen? Wer trägt mit? Wer wird gesehen? Wer muss sich nicht erklären? Und wer muss nicht still bezahlen, was andere grosszügig nennen?
GEMEINSCHAFT WAGEN braucht Preise, die zur eigenen Haltung passen: würdig, transparent, solidarisch und tragfähig.
Nicht perfekt. Aber verbunden.
Oder ganz kurz:
Wer mehr kann, trägt mehr. Wer weniger kann, bleibt dabei. So wird Preis nicht zur Hürde, sondern zur kleinen Übung in Gemeinwohl.
Weiterlesen
GEMEINSCHAFT WAGEN – Weniger perfekt – mehr verbunden
Caring Community, Beziehung trägt Entscheidung und gelebte Fürsorge im Alltag.
Resonanzräume
Mini-Resonanzräume in Zürich.
Projektbeschrieb GEMEINSCHAFT WAGEN
Projektseite mit Katrin Sauter und Christof Suppiger.
Quellen
ECOnGOOD Schweiz: GWÖ kurz erklärt
Werte und Grundidee der Gemeinwohl-Ökonomie.
ECOnGOOD Schweiz: Über uns
Gemeinwohl-Ökonomie als werteorientiertes Wirtschaftsmodell.
KI-Transparenz
KI ist Werkzeug – die Unterschrift ist meine. Für sprachliche Verdichtung und Struktur nutze ich punktuell KI als Werkzeug. KI schlägt Sprache vor; ich entscheide, ob sie stimmt. KI verdichtet; ich prüfe, ob mein Körper Ja sagt. KI ersetzt keine Beziehung, kein Spüren und keine Verantwortung. Auswahl, Haltung und Endfassung liegen bei mir. Wichtig ist mir ein macht- und gewaltbewusster Umgang damit.
Korrigiert: Gianni Guardavia = Pro / Ja zur Nachhaltigkeitsinitiative, Maria Spaccaviso = Contra / Nein zur Nachhaltigkeitsinitiative.
Suno-Song: Mir ist wichtig
Figuren:
Gianni Guardavia – Pro / Ja zur Nachhaltigkeitsinitiative
Maria Spaccaviso – Contra / Nein zur Nachhaltigkeitsinitiative
Style Prompt für Suno:
Warm acoustic ukulele circle song, simple four-chord loop, gentle male and female call-and-response vocals, soft handclaps, community singing, intimate public living room atmosphere, hopeful but fragile, 90 BPM, folk pop, minimal percussion, layered humming, easy chorus.
Chords:
C – G – Am – F
durchgehend als Loop
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Intro
Ukulele leise, Summen im Kreis
Mmmh — mir ist wichtig.
Mmmh — dir ist wichtig.
Mmmh — wir hören hin,
bevor es wieder kippt.
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Strophe 1 – Gianni Guardavia
Gianni Guardavia sagt:
Mir ist wichtig, dass ein Land
nicht immer nur mehr tragen muss.
Mir ist wichtig, dass die Schule atmet,
dass die Pflege nicht zerbricht.
Mir ist wichtig, dass ein Zuhause
nicht nur ein Wort auf Papier ist.
Maria Spaccaviso hört und sagt noch nichts.
Sie hält ihr Nein in der Hand.
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Refrain
Mir ist wichtig.
Dir ist wichtig.
Unter jedem Satz
schlägt ein Herz.
Mir ist wichtig.
Dir ist wichtig.
Bevor wir sagen:
Du bist falsch.
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Strophe 2 – Maria Spaccaviso
Maria Spaccaviso sagt:
Mir ist wichtig, dass ein Mensch
nicht nur als Zahl erscheint.
Mir ist wichtig, dass Zugehörigkeit
nicht kleiner wird durch Angst.
Mir ist wichtig, dass ein Land
nicht Grenzen baut im Herzen.
Gianni Guardavia hört und atmet schwer.
Er hält sein Ja in der Hand.
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Bridge – Es kippt
Maria Spaccaviso sagt:
Diese Initiative hatte fremdenfeindliche Energie.
Gianni Guardavia sagt:
Jetzt bin ich beschämt.
Maria Spaccaviso sagt:
Ich meinte nicht dich.
Gianni Guardavia sagt:
Aber es landet in mir.
Beide schweigen.
Beide schauen weg.
Zwei Sprechblasen fallen
leise auf den Boden.
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Strophe 3 – Zurück ins Herz
Gianni Guardavia sagt:
Ich will niemanden kleiner machen.
Maria Spaccaviso sagt:
Ich will dich nicht beschämen.
Gianni Guardavia sagt:
Ich brauche ehrliche Grenzen.
Maria Spaccaviso sagt:
Ich brauche offene Türen.
Beide sagen:
Vielleicht beginnt Demokratie
nicht mit dem letzten Wort,
sondern mit dem ersten Hören.
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Refrain
Mir ist wichtig.
Dir ist wichtig.
Unter jedem Satz
schlägt ein Herz.
Mir ist wichtig.
Dir ist wichtig.
Bevor wir sagen:
Du bist falsch.
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Outro
Beziehung trägt Entscheidung.
Entscheidung schützt Beziehung.
Wir decken einen Tisch
für die Sprechblasen, die noch fehlen.
Mmmh — mir ist wichtig.
Mmmh — dir ist wichtig.
Mmmh — wir hören hin,
bevor es wieder kippt.
...
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A) Für das Gelingen des Workshops ist es erforderlich, dass TeilnehmerInnen von Beginn bis Ende anwesend sind. Sollte Dir dies nicht möglich sein, wende Dich bitte vor der Anmeldung an die Veranstalter.
B) Der Workshop dient der Persönlichkeitsbildung und bietet intensive Lernerfahrungen. Das kann unter Umständen emotional herausfordernd sein. Solltest Du in psychotherapeutischer Behandlung sein, bitten wir Dich, mit uns Kontakt aufzunehmen.