
Eine Lernreise vom Marsch zum Swing
Männer brauchen Räume. Aber nicht jeder Männerraum ist schon hilfreich. Manche Räume machen Männer ansprechbarer, andere härter. Manche öffnen Beziehung, andere bauen Feindbilder. Zwischen Frauenbewegungen, Männerbewegungen, Manosphäre und Gleichstellung stellt sich für mich deshalb eine sehr konkrete Frage: Wie kann Männerarbeit heute so gestaltet werden, dass Männer nicht beschämt, aber auch nicht entschuldigt werden?
Ich komme immer wieder an denselben Punkt zurück: Männer brauchen Kontakt. Nicht Kontakt als Smalltalk. Nicht Kontakt als Debatte. Nicht Kontakt als Selbstverteidigung. Sondern Kontakt mit sich selbst, mit anderen Männern, mit Frauen, mit Kindern, mit dem eigenen Körper, mit Scham, Wut, Einsamkeit, Care und Verantwortung.
Daraus entsteht für mich das Format:
Männer im Kontakt – eine Lernreise vom Marsch zum Swing.
Der Titel ist wichtig. Nicht „Vom Mars zum Swing“, als wären Männer und Frauen zwei Planeten, die einander halt nicht verstehen können. Sondern vom Marsch zum Swing.
Der Marsch steht für Gleichschritt, Härte, innere Befehle, Funktionieren, Durchhalten, Nichtjammern, Kontrolle und alten männlichen Panzer. Swing steht für Rhythmus, Antwort, Zuhören, Beweglichkeit, Improvisation, Kontakt und Verantwortung. Im Marsch muss niemand hören, was im anderen geschieht. Im Swing geht es nicht ohne Hören. Wer swingt, antwortet. Wer marschiert, gehorcht.
Genau dort beginnt für mich eine zeitgemässe Männerarbeit.
Warum diese Frage jetzt brennt
Die Diskussion über Männer ist enger geworden. Auf der einen Seite stehen feministische Bewegungen, Gleichstellungspolitik, alliance F, Helvetia ruft!, Care-Fragen und der berechtigte Druck, alte Machtstrukturen nicht länger schönzureden. Frauenbewegungen sind nicht aus Laune entstanden. Sie sind aus Ausschluss, Gewalt, fehlender Teilhabe, schlechterer Bezahlung, unsichtbarer Care-Arbeit und struktureller Abwertung entstanden. Wer das vergisst, macht Gleichstellung harmlos.
Auf der anderen Seite gibt es Männer, die sagen: Wir kommen in dieser Gleichstellungsdebatte nur noch als Problem vor. Als Täter. Als Risiko. Als Rückständige. Als patriarchale Restposten. Manche dieser Männer haben reale Anliegen: Väter nach Trennungen, Buben in der Schule, Männergesundheit, Einsamkeit, Suizid, männliche Gewaltopfer, Care-Verantwortung, Scham, sexuelle Verunsicherung, fehlende Sprache für Nähe und Konflikt.
Wer das alles reflexhaft als Antifeminismus abtut, macht es sich zu einfach.
Aber umgekehrt gilt auch: Männeranliegen werden dort gefährlich, wo sie gegen Frauenbewegungen ausgespielt werden. Wo aus Verletzung Ressentiment wird. Wo Gleichstellung als Angriff erzählt wird. Wo Frauenförderung als Bedrohung männlicher Existenz erscheint. Wo queere Menschen, Feminismus oder eine offene Gesellschaft zum Feindbild werden.
Die Frage ist deshalb nicht: Männerbewegung ja oder nein?
Die Frage ist: Welche Art Männerbewegung?
Eine Männerbewegung, die Männer ansprechbar macht, interessiert mich.
Eine Männerbewegung, die Männer aus Scham, Einsamkeit, Gewalt, Sprachlosigkeit und innerer Verhärtung herausführt, interessiert mich.
Eine Männerbewegung, die feministische Kritik nicht sofort als Beschämung abwehrt, interessiert mich.
Eine Männerbewegung, die männliche Verletzlichkeit ernst nimmt und daraus Verantwortung wachsen lässt, interessiert mich.
Eine Männerbewegung, die Frauen, queere Menschen, Feminismus oder Gleichstellung zum Feindbild macht, ist für mich keine Befreiung. Sie ist eine neue Form von Gefängnis.
Die neue Dringlichkeit: Faktor M
Die neue UZH-Studie mit männer.ch hat dieser Frage nochmals eine andere Dringlichkeit gegeben. Der sogenannte «Faktor M» beschreibt restriktiv-dominante Männlichkeitsvorstellungen: bedroht erlebte „echte Männlichkeit“, männliche Überlegenheitsansprüche, Gewaltbereitschaft, Frauenfeindlichkeit, Abwertung sexueller Minderheiten und Ablehnung von Gleichstellung.
Ich lese solche Befunde nicht zuerst als Anklage gegen junge Männer.
Ich lese sie als Warnsignal.
Wenn junge Männer in relevanter Zahl für solche Muster empfänglich sind, reicht es nicht, moralisch den Kopf zu schütteln. Dann müssen wir fragen, welche Räume fehlen. Welche Gespräche nicht stattfinden. Welche Väter nicht erreichbar waren. Welche Jungen keine Sprache fanden. Welche Verletzlichkeit beschämt wurde. Welche digitalen Ersatzräume genau dort Zugehörigkeit anbieten, wo reale Beziehung fehlt.
Markus Theunert bringt die Präventionsbotschaft schlicht auf den Punkt: Es gibt nicht nur eine richtige Form von Männlichkeit. Männlichkeit ist gestaltbar. Ein Junge kann auf viele Arten Junge sein und Mann werden.
Für mich verbindet sich das unmittelbar mit einem Satz, der in mir schon lange arbeitet:
Hätte mein Vater doch mit mir gesprochen.
Nicht als Vorwurf gegen meinen Vater.
Sondern als gesellschaftliche Frage.
Wer spricht heute mit Jungen und Männern, bevor die Verhärtung übernimmt?
Wer zeigt ihnen, dass sie nicht hart, überlegen, unberührbar oder dominant werden müssen, um dazuzugehören?
Wer bietet Räume, in denen Männer nicht beschämt, aber auch nicht entschuldigt werden?
Zwischengesang: Hätte mein Vater doch mit mir gesprochen
Hätte mein Vater doch mit mir gesprochen.
Nicht gross. Nicht perfekt. Nicht psychologisch geschult. Nicht mit den richtigen Begriffen.
Einfach gesprochen.
Über Angst vielleicht. Über Arbeit. Über Frauen. Über Begehren. Über Überforderung. Über das, was ein Mann nicht zeigt, weil er gelernt hat, dass es ihn kleiner macht. Über Wut, die manchmal nur Trauer ist, die keinen Ort gefunden hat. Über Stolz, der manchmal Schutz ist. Über Scham, die sich als Härte verkleidet. Über das Schweigen zwischen Vätern und Söhnen.
Hätte mein Vater doch mit mir gesprochen, als ich Bub war. Als ich Mann wurde. Als ich selber suchte, wie Mannsein gehen könnte, ohne Panzer, ohne Flucht, ohne dauernd beweisen zu müssen, dass ich richtig bin.
Vielleicht hätte er es selber nicht gekonnt.
Vielleicht hatte auch er keinen Vater, der mit ihm gesprochen hat.
Vielleicht stand hinter seinem Schweigen ein noch älteres Schweigen.
Eine Linie von Männern, die arbeiteten, durchhielten, entschieden, zahlten, bauten, schwiegen und innerlich allein blieben. Nicht weil sie nichts fühlten. Sondern weil sie zu wenig Übung hatten, mit dem Fühlen in Beziehung zu bleiben.
Vielleicht beginnt Männerarbeit genau dort: nicht im grossen Programm, sondern in einem Satz, der nie gesagt wurde.
Ich bin da.
Ich weiss auch nicht alles.
Aber ich rede mit dir.
Ich höre dir zu.
Du musst nicht hart werden, um dazuzugehören.
Du musst nicht beschämen, um dich zu schützen.
Du musst nicht gewinnen, um ein Mann zu sein.
Männer.ch, Manne.ch, ZwüscheHalt und die Landkarte der Räume
Darum ist für mich die Landschaft der Männerarbeit wichtig. männer.ch vermittelt nicht einfach „Männerpolitik“, sondern eine ganze Infrastruktur von Räumen und Fachstellen: Väterbildung, Buben und Bildung, Männer und Gleichstellung, Sexualität und Verantwortung, Gewalt und Radikalisierung, Gesundheit und Selbstsorge. Dazu kommen Beratungsangebote, Fachstellen, Männergruppen, Väterräume, Gewalt- und Konfliktberatung, Familien- und Trennungsberatung, Care- und Selbstsorgeräume.
Manne.ch beziehungsweise das Mannebüro Luzern ist darin nochmals lokaler, persönlicher, zentralschweizerischer: Männerarbeit als Begegnung, Austausch, Beratung, Verantwortung, Reflexion. Nicht jeder Mann, der in solchen Räumen ist, wird dieselbe politische Sprache sprechen wie männer.ch. Das muss auch nicht sein. Entscheidend ist, ob ein Raum Männer ansprechbarer macht oder verhärteter.
ZwüscheHalt zeigt eine besonders wichtige Dimension: Auch Männer und Väter können Schutz brauchen. Häusliche Gewalt, Trennung, Eskalation, Wohnnot, Scham und Krise sind nicht nur Frauenthemen. Frauenhäuser sind notwendig. Männerschutz ist notwendig. Schutz für Kinder ist notwendig. Schutz für queere Menschen ist notwendig.
Ich will keine Opferkonkurrenz.
Ich will eine Gleichstellung, die genauer wird.
Frauenhäuser ja.
Männerschutz ja.
Bubenförderung ja.
Väterarbeit ja.
Frauenförderung ja.
Gewalt gegen Frauen ernst nehmen.
Gewalt gegen Männer ernst nehmen.
Ohne Feindbild.
Ohne Verharmlosung.
Ohne das eine gegen das andere auszuspielen.
Die Manosphäre als falscher Ersatzraum
Die Manosphäre wird dort gefährlich attraktiv, wo reale Männerarbeit fehlt. Sie bietet Zugehörigkeit ohne Verwundbarkeit. Deutung ohne Beziehung. Schuldige ohne Selbstbefragung. Identität ohne Reife. Härte als Schutz vor Scham.
Sie sagt einem jungen Mann vielleicht:
Du bist nicht verloren, weil du keine Sprache hast. Du bist verloren, weil Frauen, Feminismus, Gleichstellung oder die moderne Welt gegen dich sind.
Das ist verführerisch.
Und es ist gefährlich.
Denn reale Verletzungen werden dann nicht verwandelt. Sie werden organisiert. Aus Einsamkeit wird Kränkung. Aus Kränkung wird Abwertung. Aus Abwertung wird Ideologie. Aus Ideologie wird manchmal Gewalt.
Darum reicht es nicht, Manosphäre nur zu kritisieren. Wir brauchen bessere Räume.
Räume, in denen Männer ihre Scham nicht verstecken müssen.
Räume, in denen Männer lernen, Grenzen zu setzen, ohne zu dominieren.
Räume, in denen Männer über Sexualität sprechen können, ohne in Zynismus oder Pornosprache zu flüchten.
Räume, in denen Männer Care nicht als Verlust, sondern als Reifung erleben.
Räume, in denen Männer nicht zuerst richtig sein müssen, um dazuzugehören.
Genau hier setzt für mich Männer im Kontakt an.
Warum Intrinsic als Partner interessant ist
Die Verbindung zu Intrinsic ist für mich deshalb sinnvoll, weil Intrinsic Lernreisen nicht einfach als Kurs anbietet, sondern als offenen, strukturierten Lernprozess. Es geht um Standortbestimmung, Kompetenzen, Themen, Rollen, Praxis, Lernprojekte und Transfer. Das passt viel besser zu Männer im Kontakt als ein klassisches Kursformat.
Denn Männer im Kontakt soll nicht heissen: Christof erklärt Männern, wie sie richtige Männer werden.
Das wäre die nächste Falle.
Männer im Kontakt soll eine Lernreise sein. Ein Raum, in dem Männer an ihren eigenen Fragen lernen. Nicht an einer Ideologie. Nicht an einem Männlichkeitsideal. Nicht an einer Moralpredigt. Sondern an realen Situationen:
Ich kann mit meinem Sohn nicht sprechen.
Ich ziehe mich in der Beziehung zurück.
Ich werde hart, wenn ich mich schäme.
Ich habe Angst vor Frauen, die klar sind.
Ich fühle mich nach der Trennung entwertet.
Ich weiss nicht, wie Care geht, ohne mich zu verlieren.
Ich merke, dass ich innerlich marschiere, obwohl ich eigentlich tanzen möchte.
Hier kann Intrinsic helfen, aus meinem reichen, manchmal übervollen Material eine klare Lernarchitektur zu machen. Das wäre auch für mich wichtig. Sonst besteht die Gefahr, dass ich Männerarbeit, Familiengeschichte, Gleichstellung, Clown, Community Building, Vaterlinie, Manosphäre, Care, Blog, Bühne und politische Analyse in ein einziges Format packe.
Eine Lernreise braucht Reduktion.
Sie braucht Rhythmus.
Sie braucht Rollen.
Sie braucht Transfer.
Sie braucht einen Anfang, der Männer einlädt, und einen Rahmen, der Verantwortung schützt.
Männer im Kontakt als Lernreise
Ich stelle mir einen Pilot so vor:
Männer im Kontakt – Vom Marsch zum Swing
Eine Lernreise für Beziehung, Verantwortung und ansprechbare Männlichkeit
Nicht Therapie.
Nicht Selbstoptimierung.
Nicht Männerstammtisch gegen Feminismus.
Nicht Performance.
Sondern ein gehaltener Raum für Männer, die nicht härter, sondern ansprechbarer werden wollen.
Der Pilot könnte aus fünf Modulen bestehen.
Modul 1: Standortbestimmung – Wo marschiere ich noch?
Jeder Mann bringt eine reale Frage mit. Beziehung, Vatersein, Trennung, Arbeit, Scham, Einsamkeit, Wut, Care, Körper, Sexualität, Rückzug, Verantwortung.
Die Leitfrage lautet nicht: Was ist falsch an dir?
Die Leitfrage lautet: Wo bist du im Marsch? Wo beginnt dein Swing?
Modul 2: Körper vor Konzept
Männer sprechen oft schnell über Lösungen. Aber Härte sitzt im Körper. Rückzug sitzt im Körper. Angriff sitzt im Körper. Scham sitzt im Körper. Kontrolle sitzt im Körper.
Darum braucht es Atem, Stimme, Bewegung, Stille, Rhythmus, vielleicht auch Humor. Hier kommt meine Erfahrung aus Yoga, Clown, Improvisation, Stimme und Community Building hinein.
Nicht, um Männer zu therapieren.
Sondern, damit sie sich selbst wieder wahrnehmen können, bevor sie reagieren.
Modul 3: Vaterlinie und Männerlinie
Hier gehört der Satz hinein:
Hätte mein Vater doch mit mir gesprochen.
Nicht als Vateranklage. Sondern als Unterbrechung einer Schweigelinie.
Was wurde nie gesagt?
Was habe ich gebraucht?
Was will ich nicht weitergeben?
Wo braucht Beziehung eine Entscheidung?
Wo schützt eine Entscheidung die Beziehung?
Modul 4: Kontakt statt Feindbild
Hier passt die kleine Gazpacho-Geschichte meines Vaters. Er sagt, ihm seien zwei Suppen gestohlen worden. Beim Erzählen wird die Geschichte genauer. Aus Diebstahl wird vielleicht ein Missverständnis in einem gemeinsamen Kühlschrank. Aus böser Absicht wird vielleicht eine unklare Regel. Aus Verlust wird Rückzug.
Mein Vater spricht nicht mit den Beteiligten. Er entscheidet, neue Suppen anders aufzubewahren. Verständlich. Aber innerlich entsteht eine Geschichte: Man kann den anderen nicht trauen.
Das ist klein. Und riesig.
Denn so entstehen Feindbilder oft: Eine Beobachtung bleibt ungeklärt. Ein Gefühl wird nicht ausgesprochen. Ein Bedürfnis wird nicht benannt. Eine Bitte wird nicht gewagt. Statt Kontakt entsteht Rückzug. Statt Klärung entsteht Erzählung.
In Männer im Kontakt wäre genau das eine Übung:
Was habe ich beobachtet?
Was fühle ich?
Was brauche ich?
Welche Bitte wäre möglich?
Welche Grenze ist nötig?
Welche Entscheidung schützt Beziehung, statt Kontakt zu ersetzen?
Modul 5: Lernprojekt und Transfer
Jeder Mann entwickelt ein kleines eigenes Lernprojekt.
Ein Gespräch mit dem Sohn führen.
Eine Grenze in der Partnerschaft benennen.
Einen Vaterbrief schreiben, auch wenn er nie abgeschickt wird.
Eine Care-Handlung übernehmen.
Eine Männerfreundschaft vertiefen.
Eine Entschuldigung wagen.
Eine Entscheidung klären.
Einmal nicht in den Bildschirm flüchten.
Einmal nicht marschieren.
Einmal swingend antworten.
Zwischen Frauenbewegung und Männerbewegung
Männer im Kontakt ist für mich keine Gegenbewegung zur Frauenbewegung.
Im Gegenteil.
Eine Männerarbeit, die Männer ansprechbarer macht, ist ein Beitrag zu Gleichstellung.
Denn Gleichstellung kann nicht nur von Frauen getragen werden. Wenn Männer ihre Scham, Angst, Wut und Care-Vermeidung nicht anschauen, bleibt Gleichstellung oft ein Programm, das Frauen zusätzlich tragen müssen. Dann leisten Frauen die politische Arbeit, die Care-Arbeit, die emotionale Übersetzungsarbeit und am Ende auch noch die Arbeit, Männer mit ins Boot zu holen.
Das ist nicht fair.
Männer müssen selber Räume bauen, in denen sie reifen können.
Aber diese Räume dürfen nicht antifeministisch werden. Sie dürfen nicht Männer als die neuen eigentlichen Opfer ins Zentrum stellen. Sie dürfen nicht Frauenbewegungen abwerten, nur weil feministische Klarheit manchmal schmerzt.
Ich wünsche mir Frauenbewegungen, die stark bleiben.
Ich wünsche mir Männerbewegungen, die verantwortlich werden.
Ich wünsche mir Gleichstellung, die Schutz, Care, Macht, Körper, Sprache und Beziehung zusammendenkt.
Und ich wünsche mir Männer, die nicht erst in der Manosphäre Zugehörigkeit finden müssen, bevor jemand ihnen zuhört.
Die Familiengeschichte als Prüfstein
Diese Fragen sind für mich nicht abstrakt. Sie berühren meine eigene Familiengeschichte.
Da ist eine jüngere, öffentlich sichtbare, liberal-progressive Frau aus meiner Familie, verbunden mit Gleichstellung, Demokratie, politischer Beteiligung und einer offenen Schweiz.
Da ist ein älterer, bürgerlich-freisinnig geprägter Mann aus derselben Familienlinie, industriell sozialisiert, leistungsorientiert, im Alter politisch verhärteter, näher bei SVP-nahen Deutungen.
Und da bin ich.
Verbunden mit beiden.
Nicht neutral.
Nicht über den Dingen.
Nicht Retter.
Nicht Vermittler.
Nicht Familien-Schiedsrichter.
Ich spüre die Spannung. Sie schmerzt. Gerade weil beide Menschen nicht abstrakt sind, sondern nah. Ich merke den Reflex, erklären zu wollen. Übersetzen zu wollen. Frieden herstellen zu wollen. Beweisen zu wollen, dass ich die Brücke bin.
Aber GEMEINSCHAFT WAGEN lehrt mich hier etwas anderes.
Ich muss nicht die Brücke sein.
Ich darf atmen.
Ich darf stoppen.
Ich darf bei mir bleiben.
Ich darf wahrnehmen, ohne sofort zu reparieren.
Ich darf Rückzug nicht sofort persönlich nehmen.
Ich darf Widerstand als Information lesen.
Ich darf verbunden bleiben, ohne jede Haltung zu übernehmen.
Und ich darf Grenzen setzen, ohne die Beziehung innerlich zu kündigen.
Beziehung trägt Entscheidung. Entscheidung schützt Beziehung.
In dieser Lernreise wird meine Leitformel sehr konkret.
Beziehung trägt Entscheidung heisst: Ich entscheide nicht aus Verachtung. Ich entscheide nicht aus moralischer Überlegenheit. Ich entscheide nicht aus dem Reflex, den anderen innerlich abzuschreiben. Ich versuche, zuerst den Menschen zu sehen, bevor ich seine Position bekämpfe.
Entscheidung schützt Beziehung heisst: Beziehung darf nicht alles verschlucken. Wenn Würde verletzt wird, braucht es Klarheit. Wenn Abwertung geschieht, braucht es Grenze. Wenn alte Machtmuster dominieren, braucht es Sprache. Beziehung ist kein Teppich, unter den alles gekehrt wird.
Das gilt für Familien.
Das gilt für Männerarbeit.
Das gilt für Gleichstellung.
Das gilt für Organisationen.
Das gilt für gemeinsame Kühlschränke.
Und es gilt für offene Gesellschaften.
GEMEINSCHAFT WAGEN als Dach
Männer im Kontakt gehört für mich unter das Dach von GEMEINSCHAFT WAGEN. Nicht als Spezialangebot für „problematische Männer“, sondern als einer der Räume im öffentlichen Wohnzimmer.
Neben Resonanzräumen, NachBarInn, Partizipartys, szenischen Türöffnern und NICHT PEINLICH. NICHT CRINGE. entsteht hier eine konkrete Tür für Männer.
Eine Tür, die sagt:
Du musst nicht perfekt sein.
Du musst nicht alles schon können.
Du musst nicht hart werden, um dazuzugehören.
Aber du bist verantwortlich.
Für deine Sprache.
Für deine Wirkung.
Für deine Grenzen.
Für deine Care-Anteile.
Für deine Gewaltfreiheit.
Für deine Lernbereitschaft.
Für deinen nächsten Schritt.
Das ist für mich strukturelle Liebe in einer sehr nüchternen Form: Räume, Rollen, Rahmen und Rhythmen so gestalten, dass Männer nicht kleiner werden müssen, aber auch nicht grösser spielen müssen, als sie sind.
Innehalten
Wo marschiere ich noch, obwohl ich eigentlich zuhören müsste?
Wo verwechsle ich Härte mit Klarheit?
Wo suche ich Feindbilder, weil mir Sprache für Verletzung fehlt?
Wo hätte ich gebraucht, dass ein älterer Mann mit mir spricht?
Wo kann ich heute selber ein Mann sein, der spricht und zuhört?
Wo braucht meine Beziehung eine Entscheidung?
Wo braucht meine Entscheidung wieder mehr Beziehung?
Fragen, mit denen ich gerne ins Gespräch komme
Welche Räume brauchen Männer heute, damit sie nicht in Rückzug, Härte oder Manosphäre verschwinden?
Wie kann Männerarbeit feministisch anschlussfähig sein, ohne Männer zu beschämen?
Was können Lernreisen leisten, was klassische Kurse oder Männerstammtische nicht leisten?
Welche Rolle könnten Intrinsic, männer.ch, Manne.ch, ZwüscheHalt und GEMEINSCHAFT WAGEN je auf eigene Weise spielen?
Wie sprechen wir über männliche Verletzlichkeit, ohne Gewalt gegen Frauen zu relativieren?
Wie sprechen wir über Frauenbewegungen, ohne männliche Abwehr reflexhaft zu verachten?
Was wäre ein erster Pilot für Männer im Kontakt – klein genug, um zu beginnen, und stark genug, um Verantwortung zu tragen?
Schluss
Männer im Kontakt ist für mich noch kein fertiges Angebot.
Es ist eine Tür.
Eine Lernreise.
Ein Versuch, Männer nicht gegen Frauenbewegungen zu organisieren, sondern aus der Sprachlosigkeit heraus in Beziehung, Care und Verantwortung zu bringen.
Vielleicht beginnt es klein.
Mit fünf Abenden.
Mit einem Kreis.
Mit Atem.
Mit einer Frage.
Mit einem Mann, der sagt:
Ich weiss nicht, wie ich darüber sprechen soll.
Und mit einem Raum, der antwortet:
Dann beginnen wir genau dort.
Nicht im Marsch.
Im Swing.
Weniger perfekt. Mehr verbunden.
Weiterlesen
GEMEINSCHAFT WAGEN
Männer im Kontakt
NICHT PEINLICH. NICHT CRINGE.
Vom Marsch zum Swing
Zwischen Frauenbewegung und Männerbewegung
Beziehung trägt Entscheidung. Entscheidung schützt Beziehung.
Quellen und Resonanzen
Intrinsic – Lernreisen und Lernkulturentwicklung
männer.ch – Dachverband Schweizer Männer- und Väterorganisationen
Universität Zürich / männer.ch – Studie zu dominanten Männlichkeitsvorstellungen und Faktor M
Markus Theunert – Männerarbeit, Gleichstellung und gestaltbare Männlichkeit
ZwüscheHalt – Schutzräume und Beratung für Männer und Väter
alliance F – politische Stimme der Frauen in der Schweiz
Operation Libero – liberale Demokratie und offene Schweiz
GEMEINSCHAFT WAGEN – eigene Praxis von Resonanzräumen, Männer im Kontakt und öffentlichem Wohnzimmer
KI-Transparenz
KI ist Werkzeug – die Unterschrift ist meine. Für sprachliche Verdichtung und Struktur nutze ich punktuell KI als Werkzeug. KI schlägt Sprache vor; ich entscheide, ob sie stimmt. KI ersetzt keine Beziehung und nimmt mir kein Spüren ab. Verantwortung, Auswahl und Endfassung liegen bei mir. Wichtig ist mir ein macht- und gewaltbewusster Umgang damit.
Korrigiert: Gianni Guardavia = Pro / Ja zur Nachhaltigkeitsinitiative, Maria Spaccaviso = Contra / Nein zur Nachhaltigkeitsinitiative.
Suno-Song: Mir ist wichtig
Figuren:
Gianni Guardavia – Pro / Ja zur Nachhaltigkeitsinitiative
Maria Spaccaviso – Contra / Nein zur Nachhaltigkeitsinitiative
Style Prompt für Suno:
Warm acoustic ukulele circle song, simple four-chord loop, gentle male and female call-and-response vocals, soft handclaps, community singing, intimate public living room atmosphere, hopeful but fragile, 90 BPM, folk pop, minimal percussion, layered humming, easy chorus.
Chords:
C – G – Am – F
durchgehend als Loop
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Intro
Ukulele leise, Summen im Kreis
Mmmh — mir ist wichtig.
Mmmh — dir ist wichtig.
Mmmh — wir hören hin,
bevor es wieder kippt.
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Strophe 1 – Gianni Guardavia
Gianni Guardavia sagt:
Mir ist wichtig, dass ein Land
nicht immer nur mehr tragen muss.
Mir ist wichtig, dass die Schule atmet,
dass die Pflege nicht zerbricht.
Mir ist wichtig, dass ein Zuhause
nicht nur ein Wort auf Papier ist.
Maria Spaccaviso hört und sagt noch nichts.
Sie hält ihr Nein in der Hand.
⸻
Refrain
Mir ist wichtig.
Dir ist wichtig.
Unter jedem Satz
schlägt ein Herz.
Mir ist wichtig.
Dir ist wichtig.
Bevor wir sagen:
Du bist falsch.
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Strophe 2 – Maria Spaccaviso
Maria Spaccaviso sagt:
Mir ist wichtig, dass ein Mensch
nicht nur als Zahl erscheint.
Mir ist wichtig, dass Zugehörigkeit
nicht kleiner wird durch Angst.
Mir ist wichtig, dass ein Land
nicht Grenzen baut im Herzen.
Gianni Guardavia hört und atmet schwer.
Er hält sein Ja in der Hand.
⸻
Bridge – Es kippt
Maria Spaccaviso sagt:
Diese Initiative hatte fremdenfeindliche Energie.
Gianni Guardavia sagt:
Jetzt bin ich beschämt.
Maria Spaccaviso sagt:
Ich meinte nicht dich.
Gianni Guardavia sagt:
Aber es landet in mir.
Beide schweigen.
Beide schauen weg.
Zwei Sprechblasen fallen
leise auf den Boden.
⸻
Strophe 3 – Zurück ins Herz
Gianni Guardavia sagt:
Ich will niemanden kleiner machen.
Maria Spaccaviso sagt:
Ich will dich nicht beschämen.
Gianni Guardavia sagt:
Ich brauche ehrliche Grenzen.
Maria Spaccaviso sagt:
Ich brauche offene Türen.
Beide sagen:
Vielleicht beginnt Demokratie
nicht mit dem letzten Wort,
sondern mit dem ersten Hören.
⸻
Refrain
Mir ist wichtig.
Dir ist wichtig.
Unter jedem Satz
schlägt ein Herz.
Mir ist wichtig.
Dir ist wichtig.
Bevor wir sagen:
Du bist falsch.
⸻
Outro
Beziehung trägt Entscheidung.
Entscheidung schützt Beziehung.
Wir decken einen Tisch
für die Sprechblasen, die noch fehlen.
Mmmh — mir ist wichtig.
Mmmh — dir ist wichtig.
Mmmh — wir hören hin,
bevor es wieder kippt.
...
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A) Für das Gelingen des Workshops ist es erforderlich, dass TeilnehmerInnen von Beginn bis Ende anwesend sind. Sollte Dir dies nicht möglich sein, wende Dich bitte vor der Anmeldung an die Veranstalter.
B) Der Workshop dient der Persönlichkeitsbildung und bietet intensive Lernerfahrungen. Das kann unter Umständen emotional herausfordernd sein. Solltest Du in psychotherapeutischer Behandlung sein, bitten wir Dich, mit uns Kontakt aufzunehmen.