Manchmal merke ich erst im Rückblick, dass einzelne Erfahrungen gar nicht einzeln waren. Sie waren Spuren. Vier Räume. Vier Rituale. Vier Formen, Beziehung vor Entscheidung zu üben. Und vielleicht erklären sie mir, weshalb mich die Frage «Wann ist das nächste Mal?» so stark berührt.

Es geht dabei nicht nur um einen nächsten Termin. Es geht um wiederkehrende Räume, die mir Sicherheit, Nahrung, Kontakt, Verbindung, Freude und Lernen schenken. Als Mann. Als Mensch. Als jemand, der Gemeinschaft nicht nur verstehen, sondern leben will. Räume, in denen ich nicht kleiner werden muss, um dazuzugehören. Räume, die nicht zuerst erklären, sondern erfahrbar machen. Räume, die nicht von mir verlangen, perfekt zu sein, sondern anwesend.

Beziehung sichtbar machen

Die Systemaufstellung mit Melanie Nay im Annex Zürich begann mit einer scheinbar sachlichen Frage: Wie ist meine Beziehung zum Geld? Doch wie so oft in Aufstellungen zeigte sich schnell, dass Geld selten nur Geld ist. Da tauchten Fragen nach Sicherheit auf, nach Freiheit, nach Leistung, nach Anerkennung, nach Herkunft, nach dem, was man verdient zu haben glaubt, und nach dem, was man sich erlaubt zu empfangen.

Mich beeindruckt an Aufstellungen immer wieder, dass nicht sofort diskutiert wird. Niemand versucht zuerst zu überzeugen. Niemand erklärt mir, wie ich denken sollte. Stattdessen werden Beziehungen sichtbar. Körper stehen im Raum. Positionen verändern sich. Nähe und Distanz werden erfahrbar. Für mich war das eine Erinnerung daran, dass viele Probleme zunächst Beziehungsprobleme sind: Beziehungen zu Menschen, zu Geld, zu Arbeit, zu Verantwortung oder zu mir selbst. Bevor ich etwas entscheide, lohnt es sich oft zu schauen, wie ich überhaupt dazu in Beziehung stehe.

Unterschiedlichkeit aushalten

Der Nachmittag mit Andrea Rey und Social Presencing Theater war in anderer Weise herausfordernd. Die Case Clinic führte mich mitten hinein in Unterschiedlichkeit. Auch in die Unterschiedlichkeit mit Katrin. Das war nicht bequem. Und gerade deshalb wertvoll.

Social Presencing Theater arbeitet mit Körper, Wahrnehmung und sozialem Feld. Es interessiert sich weniger für schnelle Lösungen als für die Frage: Was zeigt sich, wenn wir wirklich hinschauen? Ich erlebte, wie unterschiedlich Menschen dieselbe Situation wahrnehmen können. Wie verschieden ihre Geschwindigkeiten sind. Wie anders ihre Vorstellungen von Verantwortung, Führung oder Kooperation sein können.

Solche Unterschiede lösen nicht automatisch Konflikte aus. Aber sie machen sichtbar, dass Beziehung nicht auf Gleichheit beruht. Für GEMEINSCHAFT WAGEN war das eine wichtige Erinnerung: Gemeinschaft entsteht nicht dadurch, dass alle gleich denken. Sondern dadurch, dass Menschen Unterschiedlichkeit aushalten lernen, ohne sich sofort voneinander zu entfernen.

Zuhören, dann verstehen

Die GFK-Übungsgruppe mit Rolf Bänteli in Zürich erinnert mich daran, dass Beziehung nicht nur im grossen Raum entsteht, sondern im genauen Hören. Zuhören. Dann verstehen. Erst danach antworten, klären oder entscheiden.

Besonders konkret wurde das für mich im Empathiegespräch mit einem Familienmitglied und in der anschliessenden Klärung im Ganzen. Dort ging es nicht nur um einzelne Missverständnisse, sondern um Rollen, Zugehörigkeit und alte Geschichten darüber, wer in der Familie welchen Platz einnimmt.

GFK wurde dabei für mich zu einer Praxis, in der nicht sofort entschieden, beschuldigt oder gelöst werden muss. Zuerst darf sichtbar werden, was verletzt ist, was fehlt und wonach sich jede Person eigentlich sehnt. Das ist keine Harmoniegarantie. Aber es ist eine Tür. Eine Tür zurück in Beziehung, bevor Entscheidung, Rückzug oder alte Rollenmuster wieder alles übernehmen.

Der Körper spricht mit

Der Pulsing-Samstag in Zug brachte mich noch einmal auf eine andere Ebene. Hier wurde weniger gesprochen. Der Körper trat stärker in den Vordergrund: Rhythmus, Berührung, Entspannung, Wahrnehmung. Pulsing erinnert mich daran, dass mein Körper oft früher weiss als mein Kopf. Er spürt Anziehung, Vorsicht, Offenheit oder Zurückhaltung, lange bevor Worte auftauchen.

In diesem Raum wurde mir erneut bewusst, wie sehr Entwicklung auch eine körperliche Angelegenheit ist. Nicht alles lässt sich verstehen. Manches muss erlebt werden. Manches muss durch den Körper gehen. Dabei tauchten Begegnungen auf, die etwas in mir bewegten. Nicht als fertige Geschichte. Eher als Erinnerung daran, dass Lebendigkeit oft dort entsteht, wo wir uns berühren lassen – von Menschen, Situationen und Möglichkeiten.

Wenn Chaos sichtbar wird

Der Clownsonntag bei Peter Honegger brachte viele Fäden zusammen: Flow und Go, Improvisation und Präsenz, Humor und Verletzlichkeit. Besonders die Übung mit der Tischszene beschäftigt mich bis heute. Eine Gruppe sitzt scheinbar friedlich zusammen. Pseudo-Gemeinschaft. Dann kippt etwas. Ein Satz. Ein Blick. Eine Reaktion. Und plötzlich entsteht Chaos.

Menschen erklären. Menschen therapieren. Menschen vermitteln. Menschen retten. Und genau dadurch wird das Chaos oft noch grösser. Für mein Bühnenstück Zuhause im Widerspruch war diese Erfahrung ein Geschenk. Sie zeigte mir, dass Chaos nicht erklärt werden muss. Es kann gespielt werden. Es kann sichtbar werden. Es kann belacht werden. Und vielleicht kann sogar die Leere, die danach kommt, erfahrbar werden.

Der fünfte Raum: Anti-Kurs

Während ich auf diese Erfahrungen zurückblicke, merke ich, dass ein fünfter Raum bereits im Entstehen ist: der Anti-Kurs von Katrin und mir. Oder genauer: ein öffentliches Wohnzimmer. Ein Resonanzraum. Eine Tür für Menschen, die keinen klassischen Kurs suchen, keine Therapie, keine Selbstoptimierung und keine neue Methode, die sie nun auch noch richtig anwenden müssen.

Die Aufstellung erinnert mich daran, dass Beziehungen sichtbar werden dürfen. Social Presencing Theater erinnert mich daran, dass Unterschiedlichkeit nicht beseitigt werden muss. GFK erinnert mich daran: zuhören, dann verstehen. Pulsing erinnert mich daran, dass der Körper mitreden will. Der Clown erinnert mich daran, dass Humor, Scheitern und Menschlichkeit dazugehören.

Der Anti-Kurs will nichts davon kopieren. Er will keinen Methodenmarkt eröffnen und keinen Werkzeugkoffer verkaufen. Er will einen Raum schaffen. Einen Raum für Menschen, die nicht noch mehr Input brauchen, sondern Beziehung. Einen Raum für Stimme und Stille, Körper und Gespräch, Humor und Ernsthaftigkeit, Care und Selfcare. Einen Raum für die Frage, wie wir Gemeinschaft leben können, ohne uns selbst dabei zu verlieren.

Innehalten

Vielleicht lohnt es sich, vor dem nächsten Termin nicht nur zu fragen: Was wird angeboten? Sondern: Welcher Raum wird hier sichtbar? Was nährt diesen Raum? Würde ich wiederkommen wollen? Und was müsste in mir, zwischen uns und im Rahmen stimmen, damit aus einem einzelnen Abend ein tragfähiger Rhythmus werden kann?

Wann ist das nächste Mal?

Vielleicht ist das der Grund, weshalb mich diese Frage so berührt. Als Kind lautete die Antwort: Sonntag. Heute lautet sie vielleicht: Der nächste Raum, in dem Menschen freiwillig zusammenkommen. Sich zeigen. Zuhören. Lachen. Streiten. Schweigen. Und wieder ein Stück Mensch werden.

Vielleicht entsteht genau dort GEMEINSCHAFT WAGEN. Nicht zuerst als Projekt. Nicht zuerst als Methode. Sondern als gelebter Rhythmus. Von Beziehung vor Entscheidung. Von Verantwortung ohne stille Erwartungen. Von Care und Selfcare im Gleichgewicht. Von Räumen, in denen Menschen nicht kleiner werden müssen, um dazuzugehören.

Vielleicht beginnt Gemeinschaft genau dort: bei der einfachen Frage, die Menschen nach einem guten Abend manchmal stellen:

«Wann ist das nächste Mal?»

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Gemeinschaft Wagen – Projektseite

Quellen und Resonanzspuren

Melanie Nay – Systemaufstellung im Annex, Trittligasse, Zürich
Andrea Rey – Social Presencing Theater, Zürich
Rolf Bänteli – Empathiegespräche in Gewaltfreier Kommunikation, GFK-Übungsgruppe, Zürich
Peter Honegger – Clownwochen, Probleme bewohnen, Flow und Go
Otto Scharmer / U-labs by Presencing Institute  
Scott Peck – Gemeinschaftsbildung: Pseudo, Chaos, Leere, Gemeinschaft

KI-Transparenz

KI ist Werkzeug – die Unterschrift ist meine. Für sprachliche Verdichtung und Struktur nutze ich punktuell KI als Werkzeug. KI schlägt Sprache vor; ich entscheide, ob sie stimmt. KI verdichtet; ich prüfe, ob mein Körper Ja sagt. KI ersetzt keine Beziehung, kein Spüren und keine Verantwortung. Auswahl, Haltung und Endfassung liegen bei mir.

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Fragen, mit denen ich gerne ins Gespräch komme


☐ Wo entsteht in meinem Leben bereits ein Rhythmus, der Gemeinschaft nährt?

☐ Welche Räume erinnern mich daran, wer ich bin?

☐ Wo verwechsle ich Input mit Beziehung?

☐ Welche Unterschiedlichkeit halte ich aus, ohne mich innerlich zu entfernen?

☐ Was weiss mein Körper längst, bevor mein Kopf es formulieren kann?

 

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Workshop-Vereinbarungen

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