
Fasten, Feminismus, Männerrollen und ein musikalisches Cabaret: Manchmal beginnt ein neues Impro-Theater-Projekt nicht mit einem Konzept, sondern mit einer Begegnung. In einer Fastenwoche lernte ich eine Fastenleiterin kennen. Aus einem Gespräch über Frauenemanzipation und gesellschaftliches Miteinander entstand eine Spur, die mich zu Bubble Girl von den CareBelles führte – und von dort zu meinem eigenen Stück: NICHT PEINLICH. NICHT CRINGE. Drei Männer im Vorraum der Verantwortung.
Eine Begegnung in der Fastenwoche
In einer Fastenwoche lernte ich eine Fastenleiterin kennen.
Ich weiss nicht mehr genau, wie wir auf das Thema kamen. Irgendwie ging es um Feminismus. Um Frauenemanzipation. Um gesellschaftliches Miteinander. Um die Frage, wie Menschen heute miteinander sprechen können, wenn sie nicht aus derselben Erfahrung, derselben Bubble, derselben Verletzung oder derselben Gewohnheit kommen.
Vielleicht war es nur ein kurzer Austausch. Vielleicht war es auch länger. Ich erinnere mich nicht mehr sauber an den Ablauf. Aber ich erinnere mich daran, dass etwas hängen blieb.
Manchmal beginnt ein Projekt nicht mit einer Idee.
Manchmal beginnt es mit einem Gespräch, das im Körper weiterarbeitet.
Aus diesem Gespräch heraus bekam ich eine Einladung mit: Raus aus der Bubble – hinein in die Begegnung.
Bubble Girl: eine geschlossene Blase beginnt zu singen
Auf dem Flyer stand:
Raus aus der Bubble – hinein in die Begegnung
Im Rahmen der Aktionstage gegen Rassismus sollte der Tatsache Raum gegeben werden, dass wir uns oft in geschlossenen «Bubbles» bewegen. Den Auftakt machte das musikalische Cabaret Bubble Girl von den CareBelles.
Ein humoristischer Beitrag zum Gespräch über das gesellschaftliche Miteinander in einer Zeit, in der sich viele Menschen über das Anderssein definieren. Kurzweilig, witzig, ehrlich.
Im Anschluss luden Gesprächsinseln dazu ein, miteinander ins Gespräch zu kommen, Erfahrungen zu teilen und gemeinsam über Wege zu einem respektvollen und solidarischen Miteinander nachzudenken.
Mich traf vor allem dieses Wort: Bubble.
Eine Bubble als geschlossene Blase.
Ein Schutzraum.
Ein Identitätsraum.
Ein Raum, in dem man verstanden wird.
Aber manchmal auch ein Raum, in dem man sich nicht mehr irritieren lassen muss.
Eine Bubble ist nicht nur eine Meinungsgemeinschaft. Sie ist auch ein weicher Panzer. Sie kann Zugehörigkeit geben. Und sie kann Begegnung verhindern.
Meine Antwort: drei Männer im Vorraum der Verantwortung
Aus dieser Begegnung, aus dem Gespräch in der Fastenwoche und aus der Spur von Bubble Girl entstand bei mir ein eigenes Bühnenstück.
Nicht als Kopie.
Nicht als männliche Gegendarstellung.
Nicht als Antwort im Sinne von: «Jetzt sagen die Männer auch noch etwas.»
Eher als Verantwortung.
Wenn Frauen über Emanzipation, Rollen, Anderssein, gesellschaftliche Bubbles und Begegnung singen, dann kann meine ehrliche Antwort nicht sein, das von aussen zu kommentieren.
Meine ehrlichere Antwort ist:
Ich schaue auf die Männer.
Auf unsere Rollenblasen.
Auf unsere Scham.
Auf unsere Erschöpfung.
Auf unsere Näheangst.
Auf unsere Flucht in Witz, Kontrolle, Rückzug oder Härte.
So entstand der Arbeitstitel:
NICHT PEINLICH. NICHT CRINGE.
Drei Männer im Vorraum der Verantwortung
Ein humorvoll-musikalisches Bühnenstück über Männerrollen, Erschöpfung, Näheangst, Scham, Radikalisierungsgefahr und die Frage, wie Männer wieder in echten Kontakt kommen können.
Drei Figuren stehen im Zentrum:
LIVIO – reflektiert, sprachfähig, modern.
Ein Mann, der vieles verstanden hat, aber manchmal in seiner reflektierten Sprache stecken bleibt.
RONNY – loyal, tragend, erschöpft.
Ein Mann, der funktioniert, Verantwortung übernimmt und dabei langsam verschwindet.
SEPPI – direkt, verletzt, am Kipppunkt.
Ein Mann, der allergisch auf moralische Belehrung reagiert und doch nicht einfach abgeschrieben werden darf.
Diese drei Männer sind keine Typen, über die man sich bequem lustig machen kann. Sie sind überzeichnet, ja. Sie dürfen komisch sein. Sie dürfen peinlich sein. Sie dürfen cringe sein. Aber sie tragen etwas Reales.
Sie tragen die Frage:
Wie kommen Männer aus ihren Rollen heraus, ohne sich selbst zu verachten?
Männerarbeit ist kein neuer Verzichtskatalog
Hier kam für mich eine zweite Spur dazu.
In derselben Fastenzeit sprach ich mit einem Fastenleiter, den ich sinnigerweise am Aschermittwoch traf. Er gab mir einen Text von Karl Rahner mit, aus dem Kapitel zum Aschermittwoch.
Der Gedanke, der bei mir hängen blieb, lautet sinngemäss:
Der wahre Sinn der Fastenzeit liegt nicht im Verzichten.
Das wurde für mein Männerstück wichtig.
Denn auch Männerarbeit kann schnell zu einem neuen Verzichtskatalog werden:
Sei nicht dominant.
Sei nicht laut.
Sei nicht peinlich.
Sei nicht cringe.
Sei nicht falsch.
Sei nicht so wie früher.
Sei endlich richtig.
Aber so entsteht keine Beziehung. So entsteht nur ein neuer Krampf.
Vielleicht liegt der Sinn dieser Fastenzeit nicht darin, dass Männer sich noch mehr zusammenreissen. Vielleicht liegt er darin, dass etwas von der Rolle abfällt.
Nicht mehr Kontrolle.
Nicht mehr Performance.
Nicht mehr Selbstoptimierung.
Nicht mehr moralischer Dauerprüfstand.
Sondern Leere.
Ein Raum, in dem ich nicht sofort wissen muss, wie ein richtiger Mann heute zu sein hat.
Ein Raum, in dem ich zuerst fragen darf:
Was macht mir Angst?
Wo bin ich müde?
Wo bin ich hart geworden?
Wo verstecke ich meine Scham?
Wo brauche ich Beziehung, bevor ich eine Entscheidung treffen kann?
Von der Bubble in den Kreis
Darum endet mein Stück nicht einfach mit Applaus.
Im Probeheft ist der Anschluss bereits mitgedacht:
Circle Song
Sharing in Kleingruppen
Drawing oder Sprechen
Schweigen
Zuhören
ein kleiner nächster Schritt in Care und Selfcare
anonym auf Karten – sichtbar an der Wand
Die Bühne ist nicht das Ende.
Sie ist der Anfang des Gesprächs.
Menschen sollen nicht aus dem Raum gehen und sagen: «Das war ein gutes Stück über Männer.»
Lieber wäre mir, wenn sie gehen und etwas in sich gehört haben:
einen Satz,
eine Scham,
eine Müdigkeit,
eine Erinnerung,
einen kleinen nächsten Schritt.
Vielleicht ruft jemand einen Freund an.
Vielleicht entschuldigt sich jemand.
Vielleicht hört jemand seinem Sohn anders zu.
Vielleicht merkt jemand, dass er nicht allein ist.
Vielleicht merkt eine Frau, dass Männerarbeit nicht heisst, Männer zu entschuldigen, sondern Verantwortung endlich beziehungsfähig zu machen.
Beziehung vor Entscheidung
Für mich gehört dieses Stück zu GEMEINSCHAFT WAGEN.
Nicht, weil es eine Lösung anbietet. Sondern weil es denselben Grundsatz ernst nimmt:
Beziehung vor Entscheidung.
Raus aus der Bubble heisst nicht: Alle müssen gleich denken.
Raus aus der Bubble heisst auch nicht: Alle müssen sofort miteinander einverstanden sein.
Raus aus der Bubble heisst:
Ich bleibe ansprechbar, berührbar, anklingelbar.
Ich lasse mich irritieren.
Ich höre nicht nur auf die richtige Meinung, sondern auf den Menschen.
Ich verwechsle Verletzlichkeit nicht mit Schwäche.
Ich verwechsle Humor nicht mit Verharmlosung.
Ich verwechsle Verantwortung nicht mit Selbsthass.
NICHT PEINLICH. NICHT CRINGE. ist darum kein fertiges Stück über fertige Männer.
Es ist ein Vorraum.
Ein Ort, an dem Männer noch nicht ganz wissen, wie es weitergeht.
Aber vielleicht zum ersten Mal nicht mehr allein in ihrer Rolle stehen.
Das Probeheft ist aus dieser Bewegung entstanden.
Noch ist das PDF nicht als Download bereit. Es muss noch hergestellt und hochgeladen werden. Aber die Tür steht bereits offen.
Das Probeheft ist kein abgeschlossenes Produkt.
Es ist eine Einladung zum Mitspielen und Mitforschen.
Für Menschen, die Lust haben, das Thema Männerrollen, Scham, Erschöpfung, Näheangst, Radikalisierungsgefahr und Verantwortung nicht nur zu diskutieren, sondern zu spielen, zu singen, zu verkörpern und miteinander ins Gespräch zu bringen.
Vielleicht bleibt es zuerst ein Versuch.
Vielleicht wird daraus eine kleine Produktion.
Vielleicht ein Abend mit Publikumsgespräch.
Vielleicht ein Resonanzraum für Männer, Frauen und alle, die genug haben von Rollen, die zu eng geworden sind.
Raus aus der Bubble heisst für mich nicht: alle werden gleich.
Es heisst:
Wir bleiben nicht allein in unseren geschlossenen Blasen.
Wir setzen uns in Bewegung.
Vielleicht zuerst peinlich.
Vielleicht ein bisschen cringe.
Aber vielleicht beginnt genau dort Begegnung.
Probeheft Impro-Theater - Mitspielen und weiterforschen LINK
Fragen zur Weiterfahrt
☐ Wo erlebe ich mich selbst in einer Bubble, die mich schützt – aber vielleicht auch von Begegnung trennt?
☐ Welche Männerrolle habe ich gelernt, bevor ich sie wählen konnte?
☐ Wo verwechsle ich Verantwortung mit Selbstanklage?
☐ Was wäre ein kleiner nächster Schritt in Care und Selfcare?
☐ Was müsste in einem Raum vorhanden sein, damit Männer ehrlicher sprechen können, ohne sich sofort verteidigen zu müssen?
Quellen und Resonanzen
Bubble Girl / CareBelles
Flyer: Raus aus der Bubble – hinein in die Begegnung, musikalisches Cabaret Bubble Girl von den CareBelles im Rahmen der Aktionstage gegen Rassismus, Samstag, 14. März 2026, katholisches Pfarreizentrum Wattwil. Im Anschluss: Gesprächsinseln zum Austausch über respektvolles und solidarisches Miteinander. Die auf dem Flyer genannten Klarnamen der Mitwirkenden werden in diesem Artikel bewusst nicht ausgeschrieben.
Karl Rahner
Der wahre Sinn der Fastenzeit liegt nicht im Verzichten, Grünewald Verlag. Bezug hier sinngemäss aus einem Gespräch in der Fastenzeit und aus dem Kapitel zu Aschermittwoch.
GEMEINSCHAFT WAGEN
Eigene Praxislinie: Beziehung vor Entscheidung, Resonanzräume, Care und Selfcare, humorvolle Bühnen- und Gesprächsformate.
KI-Transparenz
KI ist Werkzeug – die Unterschrift ist meine. Für sprachliche Verdichtung und Struktur nutze ich punktuell KI als Werkzeug. Verantwortung, Auswahl und Endfassung liegen bei mir. Wichtig ist mir ein macht- und gewaltbewusster Umgang damit
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