Integrität ist auch Trauerarbeit: Wenn mehrere Zugehörigkeitsräume brechen

Ein persönlicher Blogtext über Ausschluss, berufliche Anerkennung, Familie, Selbsttreue und GEMEINSCHAFT WAGEN als Antwort auf erlebte Brüche.

Manchmal reicht ein Bild, und eine alte Tür geht auf. Ein grosser Platz in Brescia. Stimmen von Absolventinnen und Absolventen. Ein Kreis, der sich feiert. Zugehörigkeit, die von weitem hörbar ist. Und plötzlich spüre ich wieder den Kreis, in dem ich damals nicht stand. Nicht, weil mir Begabung fehlte. Sondern weil in meinem Leben gleichzeitig zu viel zerbrach. Beruf. Familie. Herkunft. Stimme. Würde.

Ich sah diesen Platz vor mir.
Eine Gruppe von Menschen, die eine Ausbildung abgeschlossen hatten. Sie begrüssten sich, gratulierten sich, lachten, standen zusammen. Ein Kreis. Laut, lebendig, selbstverständlich.

Und in mir kam eine Trauer hoch, die ich nicht gesucht hatte.

Nicht Neid.
Nicht Missgunst.
Nicht Arroganz.

Trauer.

Eine tiefe, körperliche Trauer darüber, dass ich an einem entscheidenden Punkt meines Lebens nicht in so einem Kreis stand. Dass ich auf dem Weg in eine berufliche Anerkennung war und gleichzeitig aus mehreren Zugehörigkeitsräumen herausfiel.

Heute weiss ich klarer: Es war nicht nur eine berufliche Krise. Es war nicht einmal nur eine Doppelkrise. Es war ein dreifacher Bruch.

Beruflich.
Familiär.
Herkunftsfamiliär.

Und ich war damit, trotz Therapie hier und da, im Kern sehr allein.

„Manchmal bricht nicht ein Projekt zusammen, sondern ein ganzes Zugehörigkeitsgebäude.“ – Christof Suppiger

Ich war nicht falsch

Es ist mir wichtig, diesen Satz heute klar zu schreiben:

Ich war nicht falsch.
Ich war nicht unfähig.
Ich war nicht ohne Berufung.

Ich war auf dem Weg in die Schulische Heilpädagogik. Ich hatte starke mündliche Prüfungen abgelegt. Ich wollte mit Kindern, Teams, Eltern und Schulen arbeiten, in denen Unterschied nicht sofort als Defizit gilt.

Gleichzeitig stand ich unter massivem Druck. Die Einführung neuer schulischer Modelle, Integration im Schulzimmer, die Rolle der schulischen Heilpädagogik als Ressource im System – das alles war nicht einfach eine schöne Reformidee. In der Praxis war es oft widersprüchlich, überfordernd und konflikthaft.

Ich befand mich in einem Arbeitsumfeld, das mich auslaugte. Ich war in einer Qualifikationssituation, in der ich eine gute Begleitung gebraucht hätte. Und ich war persönlich bereits stark belastet.

An einer entscheidenden Stelle erlebte ich aber nicht Halt, sondern Enge. Nicht tragende Führung, sondern schlechte Begleitung. Nicht Kontextwahrnehmung, sondern eine Art Prüfung, die den Menschen hinter der Leistung zu wenig sah.

Später wurde mir von fachlicher Seite bestätigt, was ich innerlich längst spürte: Diese Begleitung war nicht gut genug. Sie hatte mich nicht wirklich durch diese Schwelle geführt.

Die Krise war auch familiär

Parallel dazu war ich persönlich in einer tiefen familiären Krise.

Ich hatte versucht, Familie zu leben. Nicht klassisch. Nicht idealisiert. Eher tastend, gebastelt, patchworkartig. Es gab wenig Paarkraft, wenig romantischen Boden, aber eine grosse Liebe zu einem Kind, das nicht mein leibliches Kind war und dem ich mich trotzdem verbunden fühlte.

Ich übernahm Verantwortung.
Ich sorgte mit.
Ich war im Alltag da.
Ich lebte Care, Pflichten, Nähe, Begleitung.

Aus meiner Sicht auch mit einem ernsthaften emanzipatorischen Anspruch: nicht nur über Gleichberechtigung reden, sondern konkret mittragen. Nicht nur schöne Sätze über neue Männerrollen sagen, sondern Windeln, Wege, Sorgen, Termine, Müdigkeit, Alltag und Beziehung wirklich teilen.

Aber mein Platz war nicht geschützt. Rechtlich nicht. Emotional nicht. Sozial nicht genug.

Im Konflikt wurde sichtbar: Verantwortung hatte ich übernommen. Zugehörigkeit war damit aber nicht garantiert.

Das tat tief weh.

Ich verlor nicht nur eine Beziehung. Ich verlor auch einen Familienentwurf. Eine gelebte Vaterrolle ohne sichere Form. Eine Zukunft, die ich innerlich ernst genommen hatte.

„Care ohne geschützte Zugehörigkeit ist eine offene Wunde.“ – Christof Suppiger

Und dann brach auch die Herkunftsfamilie auf

Als wäre das nicht genug, kam auch in meiner Herkunftsfamilie eine heftige Krise dazu.

Es ging um Besitz. Um eine Immobilie. Um Erbe. Um Entscheidungen, die aus meiner Sicht bereits weitgehend vorentschieden waren, bevor alle wirklich gehört wurden. Um Tempo. Um Macht. Um patriarchale Selbstverständlichkeit. Um geschäftliche Abwicklung statt Beziehung.

Ich erlebte mich nicht als Mitgestaltender, sondern als jemand, dem etwas zur Unterschrift vorgelegt wurde. Nicht wirklich gefragt. Nicht wirklich einbezogen. Nicht wirklich gehört in meinem Bedürfnis nach Gerechtigkeit und Ausgleich.

Der Mental Load lag, wie so oft in Familien, dort, wo er viel zu oft landet: bei der Mutter, bei der emotionalen Verwaltung des Unausgesprochenen, beim Zusammenhalten, beim Aushalten, beim Abfedern.

Für mich war es entwürdigend.

Ich kämpfte. Ich wurde hart. Ich war nicht elegant. Ich war nicht ruhig. Ich war nicht versöhnt. Ich war verletzt und wütend. Ich hatte das Gefühl, schon wieder aus einem wichtigen Kreis ausgeschlossen zu werden.

Nicht schon wieder.
Nicht noch einmal Entscheidungen über mich hinweg.
Nicht noch einmal Zugehörigkeit ohne Stimme.
Nicht noch einmal Ordnung auf Kosten von Beziehung.

„Manchmal geht es nicht ums Erbe. Es geht darum, ob ich in der Familie überhaupt als Stimme vorkomme.“ – Christof Suppiger

Die 10er-Jahre als Verdichtung

Rückblickend waren diese Jahre eine Verdichtung.

Beruflich stand ich an einer Schwelle.
In meiner Wahlfamilie verlor ich Halt.
In meiner Herkunftsfamilie kämpfte ich um Würde und Gerechtigkeit.
In mir wiederholten sich alte Autoritätsgeschichten.
Und gleichzeitig sollte ich funktionieren, lernen, bestehen, arbeiten, klären, entscheiden, aushalten.

Ich war am Ende.

Nicht im dramatischen Sinn für die Bühne. Sondern im einfachen, körperlichen, menschlichen Sinn:

Zu viel.
Zu allein.
Zu wenig gehalten.
Zu viele Kreise, in denen ich nicht wirklich vorkam.

Vielleicht gab es Gespräche. Vielleicht gab es Hilfeversuche. Vielleicht gab es therapeutische Räume. Aber es gab keinen tragenden Resonanzraum, der diese Gleichzeitigkeit wirklich halten konnte.

Heute verstehe ich besser, warum die Trauer so tief sitzt.

Sie ist nicht übertrieben.
Sie ist proportional.

Pseudo-Gemeinschaft: Wenn Zugehörigkeit Anpassung verlangt

Bei Scott Peck beginnt der Weg zur echten Gemeinschaft nicht mit Harmonie, sondern oft mit Pseudo-Gemeinschaft. Man ist freundlich, angepasst, ordentlich. Konflikte bleiben unter der Oberfläche. Unterschiede werden geglättet. Unangenehme Wahrheiten finden keinen Platz.

Heute sehe ich: In allen drei Feldern war Pseudo-Gemeinschaft im Spiel.

In der Ausbildung: Professionalität, die so tut, als sei Leistung unabhängig vom Lebenskontext.
In der Patchworkfamilie: Familie, die im Alltag Verantwortung zulässt, aber im Konflikt Zugehörigkeit entzieht.
In der Herkunftsfamilie: Familienfrieden, der geschäftliche Entscheidungen schnell erledigt, aber den Beziehungspreis nicht wirklich anschaut.

Dann kam Chaos.

Nicht als Theorie.
Sondern als Streit, Kündigung, Überforderung, Trennung, Ausschluss, Körperstress, Wut und Tränen.

Und vielleicht beginnt die Leere erst jetzt. Nicht als Nichts. Sondern als Raum, in dem ich nicht mehr alles beweisen muss.

Ich muss niemanden öffentlich anklagen.
Ich muss keine intime Geschichte ausbreiten.
Ich muss keine Akte öffnen.
Ich muss nicht mehr darum kämpfen, dass jede Einzelheit verstanden wird.

Ich kann sagen:

Das war zu viel.
Das war real.
Das hat mich geprägt.
Und ich bin trotzdem weitergegangen.

Emergenz: Warum mich das Neue zwischen Menschen immer noch ruft

Es gibt eine besondere Wendung in dieser Geschichte.

Was mich damals fachlich angezogen hatte, war gerade die Frage, wie Neues entsteht. Wie sich Systeme verändern. Wie Entwicklung nicht linear planbar ist, sondern aus Beziehung, Spannung, Wahrnehmung und Wechselwirkung entsteht.

Emergenz.

Ein Wort für das, was nicht einfach gemacht werden kann, sondern entsteht, wenn Elemente in Beziehung treten und sich ein neues Muster bildet.

Damals zog mich diese Denkrichtung an. Heute finde ich sie wieder bei Otto Scharmer, bei Theory U, bei Presencing, bei Martin Permantier und der Arbeit mit Haltung. Ich finde sie wieder in der Frage:

Welche Qualität von Aufmerksamkeit braucht es, damit etwas Neues entstehen kann?

Das ist für mich keine Theorie-Spielerei. Es ist biografisch.

Ich weiss, wie es sich anfühlt, wenn ein System nur Leistung sieht und den Übergang nicht hält. Ich weiss, wie es sich anfühlt, wenn Menschen funktionieren sollen, während ihr Leben auseinanderbricht.

Und ich weiss auch, wie heilsam es ist, wenn jemand anders handelt.

Die Gegen-Erfahrung: Gesehen werden

Später erlebte ich in einer anderen Ausbildung etwas anderes.

Da war ein Ausbilder, der merkte, wie stark Prüfungsstress, Zertifizierung, Lernen und alte Autoritätsgeschichten in meinem Körper sassen. Er sah nicht nur eine aktuelle Situation. Er sah ein altes Drama im Nervensystem.

Und er reagierte nicht kalt.

Nicht als Retter. Nicht als Therapeut. Sondern als Mensch mit Verantwortung im Raum.

Er vermittelte mir sinngemäss:

Nicht schon wieder.
Nicht noch einmal durch dieselbe alte Tür.
Nicht noch einmal diese Beschämung.

Da stand jemand für mich hin.

Vielleicht bekam ich dort etwas, von dem ein strenger Teil in mir sagte: Das hast du nicht verdient. Aber ein tieferer Teil weiss heute: Doch. Genau das ist Lernen. Genau das ist Inklusion. Genau das ist beziehungsfähige Ausbildung.

Nicht Anpassung um jeden Preis.
Sondern ein Rahmen, der Entwicklung möglich macht.

Dafür bin ich dankbar.

„Ein guter Rahmen macht Menschen nicht kleiner, damit sie hineinpassen. Er wird tragfähig genug, damit Menschen wachsen können.“ – Christof Suppiger

Mein Weg wurde trotzdem stark

Und dann kommt die andere Wahrheit.

Ich bin weitergegangen.

Ich wurde im Kanton Zürich als Schulischer Heilpädagoge anerkannt. Ich fand Rollen, Aufgaben und Verantwortungen, in denen meine Fähigkeiten gebraucht wurden. Ich durfte über viele Jahre berufliche Erfüllung erleben.

Nicht perfekt.
Nicht ohne Reibung.
Nicht ohne Überlastung.
Nicht ohne erneutes Ausbrennen.

Aber doch mit Stolz.

Ich habe mich in einem Schulsystem, das langsam, widersprüchlich, manchmal hart und oft überfordert ist, in eine Rolle hineingearbeitet, die mir Würde gab.

Ich durfte wirken.
Ich durfte Kinder begleiten.
Ich durfte Teams erleben.
Ich durfte Verantwortung tragen.
Ich durfte lernen, dass mein Weg nicht durch eine abgelehnte Arbeit definiert wird.

Zwölf, dreizehn, vierzehn Jahre berufliche Erfüllung sind nicht nichts.

Sie sind kein kleines Nachwort zu einer Kränkung. Sie sind ein grosser Teil meiner Lebensleistung.

Und auch mein Sprung in die Selbständigkeit gehört dazu. Aus dem Bruch entstand nicht nur Verlust. Es entstand ein eigener Ton. Eine eigene Praxis. Ein Angebot, das ich so vielleicht nie in die Welt gebracht hätte, wenn ich nur brav durch die vorgesehenen Türen gegangen wäre.

Nicht Arroganz. Integrität.

Vielleicht berührt mich deshalb der Satz so stark:

Nicht Arroganz. Integrität.

Integrität heisst für mich nicht: Ich habe immer recht.

Integrität heisst: Ich verbiege mich nicht mehr so weit, dass ich innerlich verschwinde. Ich will dazugehören, ja. Aber nicht um den Preis, dass ich meine Wahrnehmung, meinen Körper, meine Geschichte und meine Würde verrate.

Ich will keine Kreise mehr idealisieren, die Zugehörigkeit nur gegen Anpassung anbieten.

Und ich will selber keine solchen Kreise bauen.

„Wer sich selbst treu bleibt, verliert vielleicht die Falschen – und findet die Richtigen.“ – Christof Suppiger

Beziehung vor Entscheidung

Vielleicht ist mein heutiges Arbeiten genau aus diesen Erfahrungen gebaut:

Aus dem Schmerz des Ausschlusses.
Aus der Wut über entwürdigende Machtspiele.
Aus der Trauer um verlorene Familienformen.
Aus der Dankbarkeit für Menschen, die mich später gesehen haben.
Aus der Erkenntnis, dass Beziehung mehr braucht als gute Absichten.

Beziehung braucht Formen.
Zeit.
Konsent.
Machtbewusstsein.
Widerspruchsfähigkeit.
Care und Selfcare.
Räume, in denen Einwände nicht als Störung gelten.
Menschen, die nicht nur effizient entscheiden, sondern fragen:

Wer trägt hier die Last?
Wer wurde nicht gehört?
Wer steht draussen vor dem Kreis?
Was kostet unsere Ordnung die Beziehung?

Das ist für mich strukturelle Liebe.

Nicht weich.
Nicht harmoniesüchtig.
Nicht sentimental.

Sondern die nüchterne, zärtliche Frage:

Welche Strukturen helfen uns, menschlich zu bleiben, wenn es schwierig wird?

GEMEINSCHAFT WAGEN

Vielleicht ist GEMEINSCHAFT WAGEN deshalb nicht einfach ein Projekt.

Es ist meine Antwort auf Jahre, in denen ich erlebt habe, wie Menschen aus Zugehörigkeit herausfallen können, obwohl sie Verantwortung tragen.

Aus beruflichen Rollen.
Aus Familienrollen.
Aus Herkunftssystemen.
Aus Erzählungen von Gerechtigkeit.
Aus Kreisen, die sich selber für ordentlich, professionell oder familiär halten.

Mit GEMEINSCHAFT WAGEN suche ich lokale Resonanzräume, in denen Menschen an Schwellen nicht herausfallen.

Menschen in Übergängen.
Menschen mit Care-Verantwortung.
Menschen mit Einsamkeitserfahrung.
Menschen, die nicht mehr in jede alte Form passen.
Menschen, die spüren: Ich brauche Beziehung, aber keine Vereinnahmung. Ich brauche Struktur, aber keine Enge. Ich brauche Resonanz, aber keinen Anpassungsdruck.

Darum ist KEIN KURS. ZUM GLÜCK. für mich keine hübsche Formulierung.

Es ist eine Haltung.

Kein Bildungsangebot, das Menschen passend macht.
Kein Raum, in dem alle funktionieren müssen.
Kein Format, in dem Methode wichtiger wird als Mensch.

Sondern ein klar gerahmter Raum, in dem Menschen freiwillig auftauchen dürfen: mit Stimme, Körper, Stille, Humor, Unsicherheit, Widerstand, Müdigkeit, Freude und Unterschied.

Was ich heute mitnehme

Ich nehme heute nicht nur Schmerz mit.

Ich nehme auch Würde mit.

Ich sehe meinen Weg klarer. Ich sehe, wie viel ich trotz Brüchen aufgebaut habe. Ich sehe, dass ich als Schulischer Heilpädagoge, als Selbständiger, als Lernender, als Mann, als Bürger, als Sohn, als Projektmensch und als Schreibender nicht an jener alten Schwelle stehengeblieben bin.

Ich bin weitergegangen.

Nicht geradeaus.
Nicht ohne Umwege.
Nicht ohne Schuldanteile.
Nicht ohne harte Momente.
Nicht ohne erneutes Ausbrennen.
Nicht ohne alte Autoritätsgeschichten, die sich wieder meldeten.

Aber ich bin weitergegangen.

Und vielleicht ist das heute der Satz, der bleiben darf:

Integrität ist auch Trauerarbeit.
Ich trauere um das, was mir gefehlt hat.
Ich würdige, was ich trotzdem geworden bin.
Und ich baue Räume, in denen andere nicht erst zerbrechen müssen, bevor sie gesehen werden.

Kleine Praxis: Selfcare und Care

Heute reicht vielleicht ein kleiner Schritt.

Selfcare:
Ich lege eine Hand auf Brust oder Bauch und sage mir:

Ich war nicht falsch.
Ich war an einer schwierigen Schwelle.
Ich habe mehr getragen, als damals sichtbar war.

Care:
Ich frage einen Menschen in meinem Umfeld nicht nur:

Was hast du geschafft?

Sondern:

Wo stehst du gerade?
Was hält dich?
Was fehlt dir?
Wo brauchst du Stimme, bevor entschieden wird?

Manchmal beginnt strukturelle Liebe genau dort: bei einer anderen Frage.

Fragen zur Weiterfahrt

☐ Wo habe ich in meinem Leben Zugehörigkeit nur durch Anpassung bekommen?

☐ Welche alte Schwelle in mir wartet noch darauf, betrauert statt bewiesen zu werden?

☐ Wo habe ich Verantwortung übernommen, ohne dass mein Platz wirklich geschützt war?

☐ Wer hat mich später gesehen, als ich fast wieder durch dieselbe alte Tür gefallen wäre?

☐ Welche Räume möchte ich heute mitgestalten, damit Menschen nicht an Krisenstellen herausfallen?

☐ Wo verwechsle ich selbst noch Integrität mit Schwierigkeit – bei mir oder bei anderen?

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GEMEINSCHAFT WAGEN
Lokale Resonanzräume für Beziehung vor Entscheidung, Care und Selfcare.

KEIN KURS. ZUM GLÜCK.
Eine praktische Anwendung von GEMEINSCHAFT WAGEN: freiwillig, klar gerahmt, ohne Performancepflicht.

Stammtische mit Partiziparties für alle
Niederschwellige Begegnungsformen, in denen Zugehörigkeit nicht über perfekte Passung läuft, sondern über Beziehung.

Quellen und Bezüge

M. Scott Peck: Gemeinschaftsbildung als Weg durch Pseudo-Gemeinschaft, Chaos, Leere und echte Gemeinschaft.

Otto Scharmer / Theory U: Presencing, soziale Felder und die Qualität des Zuhörens als Grundlage von Veränderung.

Martin Permantier: Haltung entscheidet – innere Haltungen als Wirkfaktoren in Zusammenarbeit, Führung und Transformation.

Emergenz-Theorie: Neues entsteht aus Wechselwirkungen und Beziehungen, nicht einfach aus linearer Planung.

Eigene biografische Reflexionen zu Schulischer Heilpädagogik, Familie, Care, Zugehörigkeit, Ausschluss und GEMEINSCHAFT WAGEN.

KI-Transparenz

KI ist Werkzeug – die Unterschrift ist meine. Für sprachliche Verdichtung und Struktur nutze ich punktuell KI als Werkzeug. Verantwortung, Auswahl und Endfassung liegen bei mir. Wichtig ist mir ein macht- und gewaltbewusster Umgang damit.

Glossar

Care
Sorge, Fürsorge und Mitverantwortung im Alltag. Nicht als moralische Pflicht, sondern als gelebte Beziehung: Ich achte auf mich, auf andere und auf das gemeinsame Feld.

Selfcare
Selbstfürsorge. Die Fähigkeit, eigene Grenzen, Bedürfnisse und Körpersignale ernst zu nehmen, bevor Erschöpfung, Anpassung oder Überforderung alles übernehmen.

Zugehörigkeitsraum
Ein sozialer Raum, in dem ich nicht nur funktioniere, sondern mit Stimme, Würde und Verantwortung vorkomme: Beruf, Familie, Herkunftsfamilie, Gemeinschaft, Nachbarschaft.

Pseudo-Gemeinschaft
Ein Begriff aus der Gemeinschaftsbildung nach Scott Peck. Er beschreibt eine scheinbar harmonische Phase, in der Konflikte, Unterschiede und schwierige Wahrheiten noch unter der Oberfläche bleiben.

Chaos
Bei Scott Peck die Phase, in der Unterschiede, Verletzungen, Machtfragen und Konflikte sichtbar werden. Chaos ist unangenehm, aber oft notwendig, damit echte Gemeinschaft entstehen kann.

Leere
Bei Scott Peck die Phase des Loslassens: weniger Rechthaben, weniger Verteidigung, weniger Rollenpanzer. Ein Raum, in dem Neues entstehen kann.

Echte Gemeinschaft
Ein Zustand, in dem Unterschiede nicht verschwinden müssen, sondern gehalten werden können. Gemeinschaft bedeutet hier nicht Harmonie, sondern tragfähige Beziehung.

Emergenz
Das Entstehen von etwas Neuem, das nicht einfach planbar ist. Emergenz geschieht, wenn Menschen, Erfahrungen, Spannungen und Möglichkeiten in Beziehung treten und daraus ein neues Muster entsteht.

Presencing
Ein Begriff aus der Theory U von Otto Scharmer: Gegenwärtig werden für das, was entstehen will. Nicht nur analysieren, sondern wahrnehmen, zuhören und aus einer tieferen Aufmerksamkeit handeln.

Resonanzraum
Ein Raum, in dem Menschen nicht nur reden, sondern einander wirklich wahrnehmen. Ein Feld, in dem Körper, Stimme, Stille, Unterschied, Beziehung und Verantwortung Platz haben.

Konsent
Eine Entscheidungsform aus soziokratischen Ansätzen. Nicht alle müssen begeistert zustimmen; entscheidend ist, ob es einen schwerwiegenden Einwand gibt.

Strukturelle Liebe
Formen, Regeln und Räume, die Menschen nicht kleiner machen, sondern Würde, Stimme und Beziehung schützen – besonders dann, wenn es schwierig wird.

Mental Load
Die oft unsichtbare Denkarbeit des Planens, Erinnerns, Abfederns und Zusammenhaltens. In Familien und Organisationen landet diese Last häufig ungleich verteilt.

Integrität
Selbsttreue ohne Überheblichkeit. Die Fähigkeit, sich nicht so weit anzupassen, dass die eigene Wahrnehmung, Würde und Wahrheit verloren gehen.

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