
Ein persönlicher Blogartikel über Self-Care, Care, Männlichkeit, Macht und Beziehungsbewusstsein – mit innerer Stärke, äusserer Schönheit, Wahrheit und der wachsenden Caring Community.
In meinen letzten zehn Blogartikeln merke ich, wie sich etwas in mir klärt: Care beginnt für mich nicht zuerst im Aussen, sondern innen. Nicht im Konzept. Nicht in der Methode. Nicht in der grossen Idee von Gemeinschaft. Sondern dort, wo ich mich selber rechtzeitig spüre. Dort, wo ich wahrnehme, wann es eng wird, wann ich mich verliere, wann ich eine Pause brauche, wann eine Grenze dran ist und wann Beziehung wieder mehr Atem braucht. Vielleicht ist genau das einer meiner wichtigsten Lernwege im Moment: Self-Care for Care.
Innere Stärke, äussere Schönheit und Wahrheit
Mehr und mehr suche ich nicht nur nach funktionierenden Formen, sondern nach einer stimmigen Verbindung von innen und aussen.
In meiner Sprache klingt das im Moment so: innen gut, aussen gut; innen schön, aussen schön; innen wahr, aussen wahr.
Das ist für mich kein Perfektionsprogramm. Eher eine stille Ausrichtung.
Innen gut heisst: mich nicht dauernd übergehen.
Aussen gut heisst: so handeln, dass Beziehung und Würde mitgetragen werden.
Innen schön heisst: nicht im Zynismus wohnen.
Aussen schön heisst: Formen schaffen, die dem Leben dienen.
Innen wahr heisst: spüren, was wirklich los ist.
Aussen wahr heisst: es so verkörpern, dass mehr Stimmigkeit wächst.
Selfcare vor Care
Früher hätte ich Selbstfürsorge schneller als etwas Privates verstanden. Etwas, das ich für mich mache, damit ich wieder funktioniere.
Heute sehe ich es anders.
Ich glaube immer mehr: Selbstfürsorge ist kein Rückzug aus Gemeinschaft. Sie ist eine Voraussetzung dafür, dass Gemeinschaft überhaupt tragen kann.
Wenn ich mich selber zu spät merke, werde ich schneller unklar. Ich werde gereizter, angepasster oder ziehe mich innerlich zurück.
Darum beginnt Care für mich nicht erst dort, wo ich mich um andere kümmere. Sie beginnt viel früher: bei meinem Atem, meinem Rhythmus, meiner Würde und der Ehrlichkeit mir selbst gegenüber.
Was nach aussen fürsorglich werden soll, braucht innen Boden.
Clean Up, Grow Up, Wake Up, Show Up
Ein hilfreicher Bezugsrahmen dafür ist für mich die integrale Unterscheidung von Clean Up, Grow Up, Wake Up und Show Up.
Clean Up heisst: aufräumen, was in mir verzerrt, beschämt, projiziert oder verdeckt ist.
Grow Up heisst: reifen im Umgang mit Nähe, Konflikt, Verantwortung und Macht.
Wake Up heisst: still genug werden, um tiefer zu sehen als nur meine momentane Rolle oder Kränkung.
Show Up heisst: konkret auftauchen im Leben — mit Körper, Sprache, Verlässlichkeit und der Bereitschaft, Beziehung mitzutragen.
Mich interessiert dabei immer mehr: nicht nur schön über Gemeinschaft reden, sondern so leben, dass innen und aussen glaubwürdiger zusammenfinden.
Man enough to care
Ein Mann kann für sich selber sorgen.
Ein Mann kann seine Bedürfnisse und Gefühle beobachten.
Ein Mann kann in Verletzlichkeit bitten.
Nicht als Schwäche.
Nicht als Rückzug aus Verantwortung.
Sondern als Form von Reife.
So einer möchte ich sein.
So einer bin ich am Werden.
Und vielleicht bin ich es in manchen Momenten schon.
Mich interessiert immer weniger das alte Bild des Mannes, der alles mit sich allein ausmacht und erst dann stoppt, wenn der innere Tank längst leer ist.
Mich interessiert ein anderer Mann: einer, der sich selber wahrnimmt. Einer, der merkt, wann es eng wird. Einer, der bitten kann, bevor Beziehung Schaden nimmt.
Für mich gehört genau das zum Hintergrund von Self-Care for Care.
Ein Mann, der für sich selber sorgen kann, wird beziehungsfähiger.
Ein Mann, der seine Bedürfnisse und Gefühle beobachten kann, muss sie weniger unbewusst an andere delegieren.
Ein Mann, der verletzlich bitten kann, bringt mehr Wahrheit in den Kontakt.
Macht und Beziehungsbewusstsein
Je mehr mich Gemeinschaft interessiert, desto weniger naiv kann ich darüber schreiben oder sprechen.
Wo Menschen zusammenkommen, kommen nicht einfach nur gute Absichten zusammen. Auch Verletzungen sitzen mit im Raum. Schutzmuster. Erwartungen. Rollen. Alte Geschichten. Macht.
Die Frage ist nicht, ob das da ist. Die Frage ist, wie bewusst ich damit umgehe.
Macht zeigt sich auch in mir. Darin, wie ich Raum nehme oder abgebe. Wie ich unterbreche oder zuhöre. Wie ich Klarheit formuliere oder ausweiche. Wie ich Harmonie suche, obwohl eigentlich etwas geklärt werden müsste.
Beziehungsbewusstsein heisst für mich: den Kontakt nicht schon beim ersten Widerspruch zu verlieren. Unterschiede nicht sofort zu glätten. Spannung auszuhalten. Und zu merken, wann ich lieber nett wäre, statt wirklich ehrlich.
Caring Community wächst im Alltag
Mich interessieren dabei nicht nur grosse Begriffe, sondern kleine Szenen.
Wie rede ich, wenn ich erschöpft bin?
Wie setze ich eine Grenze, ohne hart zu werden?
Wie bleibe ich verbunden, wenn ich anderer Meinung bin?
Wie verhindern wir, dass einzelne den ganzen Saft eines Systems tragen?
Wie kann Care so wachsen, dass sie nicht an wenigen hängen bleibt?
Aus solchen Fragen wächst für mich GEMEINSCHAFT WAGEN.
Nicht als heile Welt. Nicht als Ort, an dem alles gelingt. Sondern als ein Raum, in dem Menschen mit ihrer Unfertigkeit da sein dürfen.
Ein Raum, in dem Vertrauen langsam wächst.
Ein Raum, in dem Humor und Ernst, Verletzlichkeit und Klarheit, Grenze und Zugehörigkeit nebeneinander Platz haben.
Vielleicht ist das die Bewegung, die sich durch meine letzten Texte zieht: weg vom Funktionieren, hin zu mehr Gegenwärtigkeit. Weg von schöner Sprache allein, hin zu gelebter Würde.
Mein roter Faden
Wenn ich die letzten zehn Blogartikel zusammenschaue, erzählen sie für mich von einer Entwicklung:
von innerem Spüren
zu mehr Selbstregulation
von Selfcare
zu tragfähiger Care
von Harmoniesuche
zu Macht- und Beziehungsbewusstsein
von persönlichem Lernen
zur wachsenden Caring Community
Ich schreibe mich dabei nicht zu einer fertigen Haltung. Eher zu einer ehrlicheren.
Zu einer, die den Alltag ernst nimmt.
Die Überforderung nicht romantisiert.
Die Beziehung nicht gegen Klarheit ausspielt.
Zum Schluss
Care beginnt für mich innen. Self-Care schützt Würde. Clean Up, Grow Up, Wake Up und Show Up helfen mir, innere Stärke, äussere Schönheit und gelebte Wahrheit nicht voneinander zu trennen. Und aus dieser Verbindung wächst Schritt für Schritt eine Caring Community, die Gemeinschaft nicht behauptet, sondern wagt.
Quellenhinweis
Die vier Entwicklungsrichtungen Wake Up, Grow Up, Clean Up, Show Up stammen aus dem integralen Entwicklungsverständnis. Die Trias von Wahrheit, Gutheit und Schönheit ist philosophisch breit verankert. Ich verwende beides hier frei weitergedacht und in meine eigene Sprache übersetzt.
Christof Suppiger, Brescia, 17. März 2026
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