Wenn die letzte Frau den Raum verlässt:
Bessere Männer durch Männerpolizei?

Ein aktueller Artikel fragt, wie aus Männern bessere Männer werden können.
Ich finde die Frage richtig. Und ich finde auch viele der vorgeschlagenen Schritte wichtig: Frauen glauben, andere Männer auf Sexismus ansprechen, Care-Arbeit fairer tragen, im Alltag achtsamer sein. Und doch merke ich: Für mich reicht das nicht ganz. Denn ich kann die richtigen Sätze kennen und trotzdem einen blinden Fleck haben. Ich kann Verantwortung bejahen und zugleich etwas zu lange verharmlosen, zu schnell psychologisieren oder innerlich auf Distanz bleiben. Genau dort beginnt für mich der eigentliche Lernweg.

9. April 2026 - Lesezeit  7 Min

Mein blinder Fleck

Ich merke mehr und mehr, dass ich als Mann in einem Punkt klarer werden will: beim Verharmlosen von häuslicher und sexualisierter Gewalt.

Ich sage das nicht leichtfertig.
Und ich sage es auch nicht, um mich kleinzumachen oder mich moralisch zu inszenieren. Ich sage es, weil ich spüre, dass hier für mich echte Verantwortung beginnt.

Mein blinder Fleck bestand nicht unbedingt darin, Gewalt gutzuheissen.
Er bestand eher darin, sie stellenweise zu wenig klar zu sehen. Zu schnell in Deutungen zu gehen. Zu schnell innerlich beim Kontext, bei der Beziehung, bei der Komplexität zu sein – und nicht zuerst bei der Wucht dessen, was Gewalt für Betroffene bedeutet.

Ich merke: Auch das ist nicht harmlos.
Auch das gehört zu einem männlichen Lernweg, wenn ich Gleichberechtigung nicht nur schön finden, sondern praktischer und glaubwürdiger leben will.

Warum Verhalten allein nicht reicht

Ich finde es wichtig, wenn Männer ihr Verhalten ändern.
Wenn sie nicht mehr unterbrechen.
Wenn sie sexistische Witze nicht stehen lassen.
Wenn sie Care und Selfcare zusammen denken.
Wenn sie Frauen im Alltag respektvoller begegnen.

Aber ich merke auch: Verhalten allein ist noch keine Reifung.

Ein Mann kann korrekt auftreten und innerlich trotzdem in Abwehr leben.
Er kann sensibel sprechen und doch nicht gelernt haben, Scham auszuhalten.
Er kann zustimmen und sich doch jeder tieferen Verunsicherung entziehen.

Darum ist die Männerfrage für mich nicht nur eine Frage des Benehmens.
Sie ist auch eine Frage von Beziehung, Selbstprüfung und innerer Beweglichkeit.

Dominanz ist nicht nur hart und laut

Was ich dabei zunehmend verstehe: Dominanz zeigt sich nicht nur in Härte, Lautstärke oder offener Abwertung. Dominanz kann auch als Rückzug auftreten. Als Schweigen. Als Unverbindlichkeit. Als Wegducken an genau der Stelle, wo Klarheit nötig wäre.

Wer sich entzieht, ist nicht neutral.
Er prägt den Raum trotzdem.

Auch ich will mich darum nicht nur fragen:
Bin ich grob genug, damit es als Problem sichtbar wird?
Sondern auch:
Wo mache ich etwas kleiner, als es ist?
Wo schiebe ich Verantwortung weg?
Wo verstecke ich mich hinter Differenzierung, obwohl zuerst Klarheit dran wäre?

Der Anti-Kurs als Erfahrungsfeld

Genau darum könnte für mich „Männer im Kontakt – der Anti-Kurs“ ein wichtiges Erfahrungsfeld sein.

Nicht als moralische Schulung.
Nicht als Männer-Wohlfühlraum.
Nicht als Runde, in der wir uns mit Einsicht schmücken.

Sondern als Praxisraum.

Ein Raum, in dem ich und andere Männer blinde Flecken nicht nur benennen, sondern im Kontakt bearbeitbar machen. In Sprache. In Haltung. In Reaktion. In Verantwortung.

Mich interessiert dabei ein Rahmen, in dem Männer nicht perfekt sein müssen, aber ansprechbar. Nicht schuldfrei, aber verantwortungsbereit. Nicht hart, aber klar. Nicht defensiv, sondern lernfähig.

Für mich wäre dieser Anti-Kurs nicht der Ort, um Gewalt zu relativieren oder über ihre Schwere zu debattieren. Im Gegenteil. Er wäre ein Ort, an dem wir genauer hinschauen:
Wo weiche ich aus?
Wo rede ich etwas klein?
Wo verstecke ich mich hinter guter Absicht?
Wo lasse ich andere mit der emotionalen, sozialen oder moralischen Arbeit allein?

Der Blog wäre die Einführung. Der Anti-Kurs die Praxis.

Was ich suche

Ich suche keine neue moralische Männerpolizei.
Ich suche Räume, in denen Männer ansprechbarer werden.

Räume, in denen ich mich unterbrechen lassen kann, ohne daran zu zerbrechen.
Räume, in denen Care und Selfcare zusammengehören.
Räume, in denen weder Härte noch schluffige Unverbindlichkeit als Reife verwechselt werden.

Denn vielleicht beginnt Gleichberechtigung für mich als Mann nicht dort, wo ich schon alles richtig sehe.
Sondern dort, wo ich aufhöre, meine blinden Flecken zu verteidigen, und anfange, sie im Kontakt veränderbar zu machen.

Mein Satz dazu

Ich möchte als Mann nicht einfach zu denen gehören, die sich für gleichberechtigt halten. Ich möchte zu denen gehören, die genauer hinschauen, sich korrigieren lassen und Verantwortung auch dort übernehmen, wo der eigene blinde Fleck schmerzt.

Oder noch einfacher:

Ein besserer Mann ist für mich nicht der fehlerlose Mann.
Sondern der, der lernfähig bleibt.
Der zuhört.
Der sich unterbrechen lässt.
Der andere Männer nicht einfach laufen lässt.
Und der begreift, dass Gleichwürdigkeit kein Verlust ist, sondern Reifung.

Fragen zur Weiterfahrt

  1. Wo habe ich Gewalt oder Grenzverletzung zu schnell psychologisiert oder verharmlost?

  2. Wo zeigt sich mein blinder Fleck eher als Rückzug, Schweigen oder Ausweichen?

  3. Welche Männer brauche ich an meiner Seite, damit aus Einsicht eine Praxis wird?

  4. Wie könnte ein Erfahrungsfeld aussehen, in dem Verantwortung, Sprache und Beziehung zusammenkommen?

  5. Was ist mein nächster kleiner, konkreter Schritt?

Quellen

n-tv: Wie aus Männern bessere Männer werden können
Vincent-Immanuel Herr / Martin Speer: Wenn die letzte Frau den Raum verlässt
männer.ch
mannebüro züri
Opferhilfe Schweiz

KI-Transparenz

KI-Transparenz: KI ist Werkzeug – die Unterschrift ist meine. Für sprachliche Verdichtung und Struktur nutze ich punktuell KI als Werkzeug. Verantwortung, Auswahl und Endfassung liegen bei mir. Wichtig ist mir ein macht- und gewaltbewusster Umgang damit.

 

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"Bevor ich urteile, lohnt es sich, zuerst auf mich selbst zu schauen.
Was ich nicht fühle, projiziere ich leicht auf die andern.
Veränderung beginnt für mich dort, wo mein Blick weicher wird und Beziehung vor Abwehr kommt." Christof Suppiger, 29.3.26

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