
Eine integrale Analyse von Täterschaft, Trauma und struktureller Liebe
"In every community there is work to be done. In every nation, there are wounds to heal. In every heart, there is the power to do it." (Marianne Williamson) — Aber was, wenn das verwundete Herz selbst zur Waffe wird?
Elio Scheidel, 48, brillanter BVP-Politiker, lebt mit Partnerin Leyla und zwei Kindern in Genf. Er ist transgender — eine Wahrheit, die privat bleibt, während er tagsüber gegen LGBT-Rechte und "Gender-Ideologie" kämpft. Nachts schreibt er Texte ohne Adresse: "Ich weiß nicht, wer ich bin."
Eine satirische Biographie über die Mechanismen der Selbstverleugnung — und die Frage, ob strukturelle Liebe auch Täter einschließen kann. Denn wie Scott Peck warnt: "The journey toward community is a journey into vulnerability." Was aber, wenn genau diese Verletzlichkeit zur Überlebensgefahr wurde?
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Die Wunde: Wenn Zugehörigkeit zur Überlebensfrage wird
Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit — eines der grundlegendsten menschlichen Care-Needs im Carefant-Framework — wird für Elio früh zur existenziellen Bedrohung. Die Botschaft ist klar: Du kannst dazugehören ODER du sein, wer du bist. Beides gleichzeitig geht nicht.
Scott Peck beschreibt in The Different Drum den ersten Schritt des Community-Building-Prozesses als "Pseudocommunity" — jene Phase, wo wir unsere Wahrheit verbergen, um akzeptiert zu werden: "In pseudocommunity, a group attempts to purchase community cheaply by pretense." Elio lernt früh, dass der Preis für Zugehörigkeit die totale Selbstverleugnung ist. Nicht nur eine Facette verstecken — sondern das Fundament der eigenen Identität.
Das Carefant-Toolkit zeigt: Wenn das Bedürfnis nach Zugehörigkeit (Belonging) systematisch verletzt wird, entstehen kompensatorische Strategien. Elio entwickelt eine der radikalsten: "Wenn ich nicht dazugehören kann als der, der ich bin, dann werde ich mächtig genug, um zu definieren, wer dazugehört."
Der Carefant — jene Figur, die im Raum steht für alle unerfüllten Bedürfnisse — würde fragen: "Was hättest du gebraucht, um nicht so zu werden?" Die Antwort ist schmerzhaft einfach: Einen Raum, in dem Zugehörigkeit nicht an die Verleugnung der eigenen Wahrheit gekoppelt ist.
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Die Verhärtung: Karriere als Panzer
Mit 30 arbeitet Elio bei Rothberg & Sterling. Hier lernt er: Härte bringt Respekt. Verletzlichkeit ist Schwäche. Das Bedürfnis nach Authentizität wird systematisch abtrainiert zugunsten eines funktionalen Selbst, das liefert, performt, gewinnt.
Barbara Küchler beschreibt in ihren Arbeiten zur Macht-Dynamik, wie Menschen ihre eigene Ohnmachtserfahrung durch "Identifikation mit dem Aggressor" kompensieren. Elio übernimmt die Rolle derer, die ihn ausgegrenzt haben. Er wird zum Wächter jener Ordnung, die ihn eigentlich zerstört hat.
Mit 36 gründet er eine Familie mit Leyla, einer Frau aus Sri Lanka. Er liebt sie. Aber diese Liebe wird nicht zum Fundament seiner Politik, sondern zur Ausnahme, die die Regel bestätigt: "Ich bin anders. Ich hab's geschafft. Die anderen sind das Problem."
Scott Peck nennt dies die Phase des "Chaos" im Community-Building — aber Elio erreicht diese Phase nie. Chaos würde bedeuten, die Kontrolle aufzugeben, die Maske fallen zu lassen. Peck schreibt: "Chaos is the next stage. It is the struggle of a group to avoid emptiness." Elio vermeidet nicht nur die Leere — er füllt sie mit Macht.
Das Carefant-Toolkit fragt: Was passiert, wenn das Bedürfnis nach Sicherheit (Safety) nur durch Kontrolle erfüllt werden kann? Elio hat gelernt: Wer definiert, wer dazugehört, ist sicher. Wer die Normen setzt, wird nicht mehr ausgeschlossen.
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Die Spaltung: Macht als Selbstschutz
Mit 40 tritt Elio in die BVP ein. Eine Partei, die gegen alles kämpft, was er ist. Das Paradox ist perfekt:
Er ist:
Transgender
Mit einer Frau aus Sri Lanka liiert
Kennt Ausgrenzung aus erster Hand
Er kämpft gegen:
LGBT-Rechte
Migration
"Gender-Ideologie"
Diversität
Die psychologischen Mechanismen dahinter sind klar benennbar:
Projektion: Er bekämpft in anderen, was er in sich selbst nicht ertragen kann.
Rationalisierung: "Ich bin die Ausnahme." "Politik ist ein Spiel." "Ordnung vor Chaos."
Displacement: Kann die Mächtigen, die ihn ausgegrenzt haben, nicht angreifen — greift die Schwachen an, die ihm ähnlich sind.
Peck beschreibt die Phase der "Emptiness" als notwendigen Durchgang zur echten Gemeinschaft: "Emptiness is the hard work that is required of us all when we would make community." Aber Elio kann sich diese Leere nicht leisten. Leere würde bedeuten, sich der eigenen Wahrheit zu stellen. Und diese Wahrheit würde sein gesamtes Konstrukt zum Einsturz bringen.
Der Carefant sieht: Hinter der politischen Härte steht ein Kind, das lernen musste, dass Authentizität lebensbedrohlich ist. Aber dieses Verständnis hebt die Verantwortung nicht auf.
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Die Begegnung: Wenn Täter auf Opfer treffen
In einer Community-Building-Session trifft Elio auf:
Lena (16), lesbisch
Mahmoud (17), schwul, geflüchtet
Kim (15), non-binär
Lena fragt: "Sie leben mit einer Frau. Sie sind transgender. Wie können Sie gegen uns kämpfen?"
Elio schweigt.
Kim sagt: "Es ist nicht kompliziert. Entweder haben wir ein Recht zu existieren oder nicht."
Mahmoud fügt hinzu: "Ich verstehe Ihren Schmerz. Aber ich kann mir nicht leisten, auf Ihre Heilung zu warten. Jeden Tag legitimieren Sie Hass gegen mich. Ich sehe Ihre Menschlichkeit. Aber nicht auf Kosten meiner Sicherheit."
Elio bricht zusammen.
Dies ist der Moment, den Peck als "Breakthrough to Community" beschreibt: "Community is a place where the person you least want to live with always lives." Für Elio ist das die Person, die er selbst ist — und die drei Jugendlichen, die ihm spiegeln, was er anrichtet.
Das Carefant-Toolkit zeigt die Grenze: Strukturelle Liebe bedeutet, Menschlichkeit zu sehen UND Grenzen zu setzen. Elios Wunde erklärt sein Verhalten. Sie rechtfertigt es nicht. Seine unerfüllten Bedürfnisse sind real. Aber sie legitimieren nicht, dass er andere verletzt.
Der Carefant fragt: "Was wäre, wenn du geliebt werden könntest — ohne Bedingungen, ohne Performance, ohne Macht?"
Elio antwortet: "Das… kann ich mir nicht vorstellen."
Der Carefant: "Genau deshalb kannst du anderen nicht gönnen, was du selbst nie hattest."
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Vier mögliche Enden: Die offene Frage der Verantwortung
Elio kehrt zurück ins alte Leben. Wird mächtiger. Leerer. Letzte Worte auf dem Sterbebett: "Ich hätte anders wählen können."
Er ändert sich subtil. Blockiert die extremsten Anträge. Tritt zurück "aus persönlichen Gründen". Schreibt später ein Buch mit Andeutungen. Kein Heldentum, nur kleine Korrekturen.
Öffentlicher Rücktritt. Pressekonferenz: "Ich bin transgender. Ich habe meine Community verraten. Ich habe meine Familie verraten. Ich habe mich selbst verraten." Verliert alles. Gewinnt: Schlaf.
Elio initiiert Sessions: BVP-Mitglieder treffen LGBT-Jugendliche. Nicht Einigkeit. Aber Resonanz. Langsam verschiebt sich etwas. Peck würde sagen: "Once a group has achieved community, it can move on to difficult tasks with remarkable efficiency."
Welches Ende tritt ein? Das bleibt offen. Denn diese Geschichte stellt keine Antworten bereit — sie stellt Fragen.
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Die harten Fragen: Grenzen der strukturellen Liebe
Kann strukturelle Liebe auch Täter einschließen?
Ja — ABER:
Nicht auf Kosten der Opfer
Nicht ohne Grenzen zu setzen
Nicht ohne Verantwortung einzufordern
Haben wir Mitgefühl mit Menschen, die Schaden anrichten?
Das Carefant-Framework zeigt: Wir können die Wunde sehen UND die Waffe stoppen. Beides gleichzeitig. Immer.
Müssen Opfer an der Heilung der Täter mitwirken?
Nein. Mahmuds Aussage bleibt stehen: "Ich kann mir nicht leisten, auf Ihre Heilung zu warten." Die Verantwortung für Heilung liegt beim Täter, nicht beim Opfer.
Was bedeutet integrale Politik in diesem Kontext?
Integrale Politik im Sinne Barbara Küchlers bedeutet, alle Quadranten einzubeziehen: Das individuelle Innenleben (Elios Trauma), das kollektive Kulturelle (Transphobie als System), das individuelle Verhalten (seine politischen Entscheidungen) und die kollektiven Strukturen (die BVP als Institution). Keiner dieser Aspekte darf ausgeblendet werden.
Scott Peck formuliert es so: "The overall purpose of human communication is — or should be — reconciliation." Aber Versöhnung ohne Wahrheit ist Pseudocommunity. Und Wahrheit ohne Konsequenzen ist Komplizenschaft.
Fazit: Die Frage, die bleibt
"In and through community lies the salvation of the world."
— Scott Peck, The Different Drum
Elio Scheidel ist Fiktion. Aber die Mechanismen sind real. In jeder Community, in jeder politischen Debatte, in jedem von uns gibt es Momente, wo wir wählen: Authentizität oder Zugehörigkeit. Verletzlichkeit oder Kontrolle. Wahrheit oder Macht.
Der Carefant steht im Raum und fragt: "Wer bist du geworden?"
Und die leisere Frage: "Kannst du noch zurück?"
Strukturelle Liebe bedeutet nicht, dass wir alle Antworten haben. Sie bedeutet, dass wir die Fragen aushalten — mit offenem Herzen und klaren Grenzen. Gleichzeitig. Immer.
Elio Scheidel: Zwischen den Welten.
Keine Heldin. Kein Held. Keine Erlösung.
Nur eine Einladung: Hinzuschauen.
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Christof Suppiger ist Community Building Facilitator (i.T.) nach Scott Peck, ehemaliger Heilpädagoge, Clown und Entwickler des Konzepts "Strukturelle Liebe". Mit dem Projekt "Gemeinschaft wagen" (zusammen mit Katrin Sauter) schafft er Resonanzräume durch Clown, Improvisation und Community Building.
Mehr auf christofsuppiger.org
Quellen:
Peck, M. Scott: The Different Drum: Community Making and Peace, Touchstone, 1987
Küchler, Barbara: Arbeiten zu Macht-Dynamik und Entwicklungspsychologie
Wilber, Ken: Integrale Theorie
Carefant-Toolkit: Entwickelt von Christof Suppiger im Rahmen struktureller Liebe
SaTierisches Yoga
In co-Kreation mit Weggefährten
Asana Meditation Coming Up and Out
Quellenverzeichnis:
KI-Transparenz:
Dieser Beitrag wurde in kollaborativem Dialog mit Le Chat (Mistral AI, europäische KI) entwickelt. Die Gedankenführung, theoretische Verknüpfung und Praxisbezüge stammen von mir, Christof Suppiger, die strukturelle und sprachliche Ausarbeitung erfolgte im gemeinsamen Prozess.
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