CLOWNSPIEL · PERSÖNLICHER NACHKLANG

Im Ja bleiben.
Ein Nein brauchen.

Was die Clownwoche bei Peter Honegger in mir nachklingen lässt – über Präsenz, künstlerische Form und meine eigene Grenze.

Christof Suppiger · Nachklang vom 20. Oktober 2026 · Für den Blog bearbeitet am 22. Oktober 2026

Schwarz-Weiss-Foto von Christof Suppiger mit runder Brille und herzlichem Lachen.

Pause. Pregnant. Presence.

Diese drei P hat Peter dieses Jahr oft gebraucht. Sie klingen in mir nach. Pause: dem Geschehen Zeit lassen. Pregnant: schwanger sein mit etwas, das noch keine fertige Gestalt hat. Presence: da sein, wahrnehmen, antworten. So verstehe ich diese Worte für mein eigenes Spiel.

Die Pause ist für mich voller Möglichkeiten. Ich muss sie nicht sofort füllen. Ich darf etwas entstehen lassen, ohne schon zu wissen, wohin es führt. Mit dem Ja gehen. Den Partner scheinen lassen. Mich dem gemeinsamen Spiel anvertrauen.

Und dann gibt es einen Moment, in dem dieses Ja eine Grenze braucht.

Die Ukulele mitten im Spiel

Ich spielte Ukulele in einer Band-Improvisation. Eine Mitspielerin übernahm das Instrument mitten im Spiel. Für mich fühlte es sich an, als würde sie mir die Ukulele aus der Hand reissen. Ich hatte einer anderen Person angeboten, sie zu übernehmen, aber doch nicht während des Spiels. Ob die Mitspielerin dieses Angebot gehört hatte, weiss ich nicht.

Himmel, Erde, Sterne. Da hätte es ein Nein gebraucht. Ich war in der Improvisation, ich war im Ja. Mein Nein fand in diesem Moment keinen Ausdruck. Erst im Nachklang wurde mir deutlich, wie sehr ich es gebraucht hätte.

Mein Ja zum gemeinsamen Spiel braucht Platz für mein Nein.

Ich möchte mir daraus keinen neuen Vorwurf machen. Ich möchte lernen, meine Grenze auch mitten im Geschehen wahrzunehmen und hörbar zu machen. Ein möglicher Satz wäre: «Stopp. Ich spiele gerade noch. Danach können wir wechseln.»

Was ich sicher weiss: Ich habe mein Nein damals nicht ausgesprochen. Vielleicht hat mir das Ja zur Improvisation die Abgrenzung erschwert. Das ist meine Deutung. Die Absicht der Mitspielerin kenne ich nicht.

Was den Spielraum trägt

Ich erlebe Peters künstlerischen Anspruch auch als ein Ausschlussverfahren. In meiner Erinnerung gehören dazu Vorgaben wie: kein Zaubergeplapper, keine Dialoge, keine Fragen, keine Anfeindungen. Dazu kommen die Einladungen, den Partner scheinen zu lassen und mit dem Ja zu gehen.

Positiv gelesen laden mich diese Vorgaben ein, körperlich klar zu werden, Angebote aufzunehmen und dem Gegenüber Raum zu geben. Sie können das Spiel verdichten. Zugleich frage ich mich: Wann helfen sie meiner Präsenz? Wann bin ich so sehr damit beschäftigt, nichts Falsches zu tun, dass ich den Kontakt zu meinem eigenen Impuls verliere?

Für mein eigenes Clowntraining möchte ich deshalb den Rahmen ausdrücklich benennen: Ein persönliches Stopp bleibt jederzeit möglich. Auch in einer Übung ohne Fragen dürfen Grenzen und Übergaben geklärt werden. Eine künstlerische Vorgabe braucht diesen Spielraum.

Gegenwärtig sein und etwas festhalten

Zur Woche gehört für mich auch die Frage nach dem Notieren. Ich erinnere mich an eine Person, die in den Pausen und teilweise während des Sprechens Notizen machte und irgendwann gebeten wurde, sie wegzulegen. Was das Schreiben für diese Person bedeutete, weiss ich nicht.

Mich beschäftigt daran, wie Lernen, Festhalten und unmittelbare Gegenwart zusammenfinden. Etwas erleben und später Worte dafür finden: Beides braucht Zeit. Für mein Training möchte ich nach dem Spiel kurz Raum für eigene Notizen geben. Danach kann ein freiwilliger Austausch folgen: Was habe ich wahrgenommen? Was habe ich gebraucht? Was möchte ich beim nächsten Mal versuchen?

Die drei P noch einmal hören

Durch die Ukulele-Szene bekommen die drei Worte für mich eine weitere Bedeutung. Pause, um meine eigene Reaktion wahrzunehmen. Pregnant, um einen entstehenden Impuls nicht sofort aufzulösen. Presence, um beim Gegenüber und zugleich bei mir zu bleiben.

Das ist meine persönliche Weiterführung der drei P. Die Frage, die ich mitnehme, lautet:

Wie kann ich mich dem Spiel hingeben und meine Grenze mitspielen lassen?

Vom Erleben zum Üben

Ich gestalte selbst Clowntraining. Aus diesem Nachklang entsteht ein kleiner Versuch, den ich erproben möchte: Zwei Menschen spielen mit einem Instrument oder einem Gegenstand. Eine Person bietet einen Wechsel an und wartet die Zustimmung ab. Ein «noch nicht» darf stehen bleiben. Anschliessend erkunden beide, was dadurch im Zusammenspiel geschehen ist.

Daneben möchte ich die freie Improvisation offenhalten. Die drei P können Aufmerksamkeitshilfen sein. Persönliche Grenzen dürfen ausgesprochen werden. Mich interessiert, ob ich früher innehalten kann, ob ein Stopp angenommen wird und ob nach einer geklärten Grenze ein gemeinsamer Wiedereinstieg gelingt.

Das sind Vorhaben. Die vorgeschlagenen Übungen sind noch nicht erprobt; ihre Wirkung bleibt offen. Zunächst genügt mir eine kurze eigene Notiz nach dem Training.

INNEHALTEN

Eine Frage mitnehmen.

Wo sage ich Ja und bemerke erst später, dass ein Nein nötig gewesen wäre?

Welcher kurze Satz könnte mir helfen, meine Grenze schon mitten im Geschehen hörbar zu machen?

Und was ermöglicht uns, nach einem Nein wieder miteinander zu spielen?

Herkunft und Einordnung

Grundlage ist meine persönliche Forschungsnotiz «Im Ja bleiben. Ein Nein brauchen.» vom 20. Oktober 2026 zur Clownwoche bei Peter Honegger. Der Text ist aus meinen mündlichen Erinnerungen redaktionell verdichtet und kein Wortprotokoll. Die Auslegungen der drei P und die Lernschritte sind meine Reflexionen, keine wörtlichen Lehrsätze von Peter. Die Mitspielenden bleiben in dieser öffentlichen Fassung unbenannt. Die Fragen laden zur persönlichen Reflexion ein; sie sind keine Forschungserhebung.

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