
Ein grosses Tischgespräch. Ein offenes Mikrofon. Mitgebrachtes Essen. Musik. Widerspruch. Lachen. Zuhören. Nicht perfekt – aber verbunden.
Manchmal beginnt Demokratie nicht mit einem Antrag.
Nicht mit einem Reglement.
Nicht mit einer Abstimmung.
Sondern mit einem Tisch.
Menschen sitzen oder stehen darum herum. Einige kennen sich. Andere nicht. Jemand bringt Brot mit. Jemand Käse. Jemand Suppe. Jemand eine Frage, die schon länger im Bauch liegt.
Und dann geschieht vielleicht etwas Kleines, das in unserer Zeit gar nicht mehr so selbstverständlich ist:
Menschen hören einander zu.
Nicht, weil sie schon gleicher Meinung sind.
Sondern weil sie im Unterschied in Beziehung bleiben wollen.
Die Stammtische und Partizipartys verstehen sich als offener Resonanzraum für Nachbarschaft, Quartier, Stadt, Kanton, Bund und Planet.
Das klingt gross.
Es beginnt aber sehr klein.
Mit einer Stimme.
Mit einer Frage.
Mit einem kurzen Impuls.
Mit einem Mikrofon, das nicht einer Fraktion gehört.
Mit einem Raum, in dem nicht sofort entschieden, abgestimmt oder gewonnen werden muss.
Es geht nicht darum, wer am lautesten recht hat.
Es geht darum, ob wir wieder lernen können, einander zuzuhören, ohne sofort Lager zu bilden.
Wir sprechen über Wohnformen, Klimafragen, Neutralität, Solidarität, Organisationsentwicklung, Zusammenhalt, Überforderung, Zugehörigkeit und Zukunft.
Nicht abstrakt.
Sondern im echten Leben.
Im Quartier.
Im Hausflur.
Am Buffet.
Zwischen Stimmen, Unsicherheiten und kleinen Begegnungen.
Moderator:innen halten den Raum für Respekt und Sicherheit.
Keine Abstimmungen.
Keine Beschlussfassung.
Kein rhetorischer Wettbewerb.
Sondern eine einfache Bewegung:
15 Minuten Kurzimpulse von Gästen oder Menschen aus dem Quartier.
45 Minuten offener Dialog.
Ein Mikrofon ist offen.
Jede Stimme zählt.
Danach: Partiziparty.
Mitgebrachtes Essen.
Musik.
Gespräche.
Lachen.
Neue Begegnungen.
Nicht perfekt – aber verbunden.
Die Haltung ist einfach.
Zuhören statt Rechthaben.
Unterschiede nicht sofort glätten.
Widerspruch nicht sofort als Angriff verstehen.
Das ist keine Harmonieübung. Eher das Gegenteil.
Es braucht Mut, andere Stimmen wirklich zu hören. Besonders dann, wenn sie nicht in die eigene innere Ordnung passen.
Aber genau dort beginnt demokratische Reifung im Nahraum.
Demokratie wird nicht nur alle paar Jahre an der Urne geübt.
Sie wird 365 Tage im Jahr geübt.
Im Treppenhaus.
In der Genossenschaft.
In der Nachbarschaft.
Im Quartier.
Am Tisch.
Die Stammtische können mit verschiedenen Themenfeldern arbeiten. Jedes Thema kann ein eigener Abend sein, eine Station im Raum oder eine Dialogkarte auf dem Tisch.
Wie wollen wir wohnen – heute, morgen, im Alter?
Wie gelingt Wohnqualität, die bezahlbar, ökologisch und gemeinschaftlich ist?
Vielleicht sprechen wir über WG mit 70, über Umbau oder Abriss, über Rückzug und Gemeinschaft, über Nachbarschaft und Hunde, über bezahlbares Wohnen und gutes Leben.
Wie gelingt Beteiligung ohne Machtkampf?
Wo beginnt Mitbestimmung?
Wo braucht es Vertrauen?
Wie vermeiden wir Sitzungsmüdigkeit?
Wie sprechen wir so, dass nicht nur die Lautesten den Raum prägen?
Demokratie im Hausflur ist manchmal konkreter als Demokratie im Leitbild.
Wie leben wir Vielfalt, ohne uns zu verlieren?
Wie unterstützen wir einander, ohne auszubrennen?
Wie entsteht Zugehörigkeit zwischen Jung und Alt, zwischen langjährig Eingesessenen und neu Dazugekommenen, zwischen ähnlichen und sehr unterschiedlichen Lebensentwürfen?
Alle gleich?
Alle anders?
Vielleicht ist die eigentliche Frage:
Wie bleiben wir ansprechbar?
Wie sprechen wir ehrlich, ohne einander zu entwürdigen?
Klartext oder Zwischenton?
Schweigen oder sprechen?
WhatsApp oder Wortwechsel?
Feedback oder Verletzung?
Hier wird nicht so getan, als seien Konflikte schlecht.
Konflikte zeigen oft, dass etwas wichtig ist.
Die Frage ist, ob sie trennen müssen – oder ob sie uns helfen können, genauer zu werden.
Wie gestalten wir ökologische Veränderung so, dass sie sozial gerecht und alltagstauglich bleibt?
Netto Null oder Null Bock?
Auto oder Baum?
Fliegen oder pflanzen?
Kompost statt Cloud?
Die grossen ökologischen Fragen landen irgendwann im Alltag. Dort werden sie nicht kleiner. Aber vielleicht handhabbarer.
Was belebt ein Quartier wirklich?
Tanzen oder sitzen?
Theater oder Turnverein?
Kaffee oder Grappa?
Arbeiten oder wirken?
Ein Quartier lebt nicht nur von Gebäuden.
Es lebt von Geschichten.
Von Festen.
Von Ritualen.
Von kleinen Begegnungen.
Von Menschen, die sichtbar werden dürfen, ohne sich darstellen zu müssen.
Keine perfekte Veranstaltung.
Eher ein Forschungsraum.
Ein öffentlicher Versuch, wieder miteinander zu sprechen, zu essen, zu streiten, zu lachen und Nachbarschaft nicht nur als Wohnform, sondern als Beziehungspraxis zu verstehen.
Ein Tisch ist noch keine Gemeinschaft.
Aber er kann ein Anfang sein.
Die Stammtische wachsen mit dem Projekt.
Mögliche Zeitfenster:
Unter der Woche: 18:00–22:00
Sonntag: 11:00–14:00
Mögliche Orte:
Praxisgemeinschaft Irchel, 8057 Zürich
Quartierhaus, 8006 Zürich
Christof Suppiger
Facilitator Gemeinschaftsbildung CBI i.A. · Lehrer und Clown
bisbald@christofsuppiger.org
076 572 45 00
https://christofsuppiger.org/termine
„Zuhause im Widerspruch“ schafft Räume, in denen wir zuhören, streiten und lachen können – ohne Spaltung.
Demokratie wird hier nicht nur diskutiert.
Sondern geübt.
Mit echten Menschen.
Mit echten Unterschieden.
Mit echten Stimmen.
Nicht perfekt – aber verbunden.
Zeit, Humor, Beziehung. Resonanz als Gegengewicht zu Effizienz- und Kontrolllogiken
Quellen
Stammtische Stadt Zürich
https://mitwirken.stadt-zuerich.ch/processes/josefina/f/629/
KI ist Werkzeug – die Unterschrift ist meine. Für sprachliche Verdichtung, Struktur und Varianten nutze ich punktuell KI als Gegenüber. Die KI schlägt Sprache vor. Ich entscheide, ob sie stimmt. KI ersetzt keine Beziehung, gibt keine Verantwortung ab und delegiert kein Spüren. Verantwortung, Auswahl und Endfassung liegen bei mir. Wichtig ist mir ein macht-, beziehungs- und gewaltbewusster Umgang damit.
Quellen
- Scott Peck: Der wunderbare Weg. Link zum Blog Warum ist die Strasse der Gemeinschaftsbildung so wenig befahren?
- Edward Groody: From Chaos to Community: Essential Community Building and Civility Skills.
Peccos Publishing (Coming 2026)
- Integrale Politik Schweiz integrale-politik.ch
A) Für das Gelingen des Workshops ist es erforderlich, dass TeilnehmerInnen von Beginn bis Ende anwesend sind. Sollte Dir dies nicht möglich sein, wende Dich bitte vor der Anmeldung an die Veranstalter.
B) Der Workshop dient der Persönlichkeitsbildung und bietet intensive Lernerfahrungen. Das kann unter Umständen emotional herausfordernd sein. Solltest Du in psychotherapeutischer Behandlung sein, bitten wir Dich, mit uns Kontakt aufzunehmen.